Aktiv für Menschenrechte: Andreas Erber


"Wer in seiner Jugend Zivilcourage nicht praktiziert hat, wird es auch in seinem späteren Leben nicht tun"




Von Herbert Fritschka
Redaktion DATEV magazin Nr. 2, April 2011

 

 

 

 

Andreas Erber, IGFM-Mitglied: Seit 30 Jahren für Menschenrechte aktiv

 

Der Beitrag über Andreas Erber erschien im DATEV magazin Nr. 2, April 2011 (pdf-Datei, 183 Kb

Wer in der Jugend nicht Zivilcourage gelernt hat, wird später auch nicht handeln. Diese Erkenntnis hat Steuerberater Andreas Erber ein Leben lang begleitet. Er setzt sich seit über 30 Jahren für die Menschenrechte ein.

Die University Avenue ist eine riesige Durchgangsstraße in Rangun, der größten Stadt Burmas oder Myanmar, wie das Land jetzt offiziell heißt. Es ist das Jahr 2006 und die Straße ist für den Verkehrt gesperrt. Hier befindet sich das Anwesen der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Es wird überwacht, dass sich niemand dem Haus nähert.

Andreas Erber lässt es darauf ankommen. Er schlendert auf das Haus zu und wird von einem Polizisten in Zivil aufgehalten. Erber sagt in einem freundlichen Ton: wir gehen jetzt zu dem Haus und trinken bei ihr einen Kaffee. Eine gezielte Provokation. Er will sich einmischen, den Posten in eine politische Diskussion über Menschenrechte verwickeln: "Die Leute dort kennen keine Menschenrechte, man muss in ihnen dieses Bewusstsein wecken, sie wachrütteln, ihnen einen Begriff und eine Vorstellung geben." Er ist sich der Gefahr durchaus bewusst. Aber er lässt es nicht zum Äußersten kommen.

Der Ost-Westkonflikt in den siebziger Jahren hat seine frühen Jahre geprägt, hat ein Gerechtigkeitsgefühl in ihm geweckt. "Wer in seiner Jugend Zivilcourage nicht praktiziert hat, wird es auch in seinem späteren Leben nicht tun" hat sich bei ihm als Leitgedanke einzementiert.

Er hat sich der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) angeschlossen und ist dort seit über 30 Jahren aktives Mitglied. Im Mittelpunkt der klassischen Menschenrechtsarbeit stehen totalitäre Regime. Die IGFM unterstützt Menschen, die sich gewaltlos für die Verwirklichung der Grundrechte in ihren Ländern einsetzen oder sie in Anspruch nehmen und deswegen verfolgt werden.

Er hat unzählige Protestbriefe geschrieben, setzt sich für politische Gefangene ein und unterhält Kontakte mit Personen auf der ganzen Welt. Seit vielen Jahren ist er in Kontakt mit einem Chinesen in der Provinz Yunnan. Er ist Englischlehrer und inzwischen sprechen sie per Skype über die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. In einer harten Sprache, wie Erber betont.

Er will Menschen unterstützen im Rahmen seiner Möglichkeiten. Seine Kontakte vor Ort helfen ihm dabei, dass die Hilfe an die richtige Stelle kommt. Als der Zyklon Nargis Myanmar verwüstete und hunderttausende Menschen starben und weit über eine Million obdachlos wurden, wurde über die Organisation innerhalb einer kurzen Zeit Spenden in Höhe von 30.000 Dollar gesammelt, die er über eine Bank in Hongkong, da der Weg über burmesische Banken zu unsicher war, direkt an den Erzbischof von Rangun transferierte. Dieser bedankte sich in einem persönlichen Brief an Erber für die Unterstützung.

Seine Reisen führen ihn in Länder und an Ziele, die abseits der touristischen Routen (Trampelpfade) liegen, sein politisches und zeitgeschichtliches Interesse verbindet er mit seiner große Leidenschaft der Fotografie: Kenia, Vietnam und immer wieder Burma. Hier hat es ihm besonders die Geschichte der Inge Sargent angetan. Die junge Österreicherin lernt in den fünfziger Jahren während des Studiums in den USA ihren Mann kennen, der aus Burma stammte. Nach der Heirat folgt sie ihm in seine Heimat und als das Schiff in Rangun einläuft, meint sie zu träumen, als sie zum ersten Mal erfährt, dass ihr Mann nicht nur Bergbauingenieur, sondern auch Prinz eines burmesischen Bergstaates ist und sie somit die Prinzessin.

Doch dieses Märchen endet grausam: ihr Mann wird nach dem Militärputsch ermordet. Inge Sargent selbst kann flüchten und lebt seitdem in den USA und hat dort ein Hilfsprojekt gegründet für Flüchtlinge aus Burma. Ihre Erlebnisse hat sie in einem Buch niedergeschrieben. Erber, der Briefkontakt mit ihr pflegt, sagt: "Es ist ein sehr bewegendes, warmherziges Geschichte über das Vergessen und ein eindringliches Plädoyer für Freiheit und Menschenrechte." Und es ist heute noch im Land verboten. Erber hat auf seiner Reise den Palast besucht, in dem sie gelebt hat, oder was von ihm übriggeblieben ist. Es macht ihn wütend, wenn er sich vorstellt, was damals passiert ist.

Seinen Einsatz für die Menschenrechte sieht er auch als christliche Pflicht. Jeder muss im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas tun: "Das erfordert äußerste Motivation". Und er könnte noch von vielen Erlebnissen berichten und dass es noch viele Fälle gibt, wo man Zivilcourage zeigen kann auch im eigenen Land.



© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

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