Appell der "Mütter Tschetscheniens für den Frieden" an die UN-Menschenrechtskommission
Am 19. April 2002 lehnte die UN-Menschenrechtskommission mit den Stimmen Chinas, Kubas und einer Allianz asiatischer und afrikanischer totalitärer Staaten den Antrag der Europäischen Union und der USA ab, Russlands Vorgehen in Tschetschenien zu verurteilen und eine unabhängige Kommission zur Untersuchung der Verbrechen an der Zivilbevölkerung einzusetzen.
Nachstehend die Erklärung der Assoziation 'Mütter Tschetscheniens für den Frieden' an die UN-Menschenrechtskommission.
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An die UN-Menschenrechtskommission
Genf, April 2002
Seit über 900 Tagen findet in Tschetschenien ein Krieg statt - der zweite Krieg innerhalb von sieben Jahren. Ein kleines kaukasisches Volk wird von russischen Truppen vernichtet, verschwindet von der Erdoberfläche.
Russland erklärt, dass es in diesem Krieg alle Normen des humanitären Rechts, internationale und europäische Menschenrechtsakte achtet. Im Ergebnis wurden 20% der tschetschenischen Zivilbevölkerung umgebracht, davon 40 000 Kinder; Zehntausende wurden zu Invaliden, Hunderttausende wurden zu Flüchtlingen; 10 000 wurden verschleppt und gelten seither als vermisst. Städte und Dörfer, Krankenhäuser und Schulen, Museen und Naturschutzgebiete, Moscheen und Kirchen wurden zerstört. Die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur wurden vollständig vernichtet.
Auf dem gesamten Territorium führt Russland einen Rachefeldzug gegen die Zivilbevölkerung durch: massenhafte Festnahmen, außergerichtliche Exekutionen, Folter und Mord.
Die Frauen in Tschetschenien sind gezwungenermaßen zu Zeugen des mörderischen Schauspiels geworden, das tagtäglich von russischen Truppen inszeniert wird: gekochte menschliche Köpfe, skalpierte Leichen, Verbrennung von Menschen am lebendigen Leibe, Leichen mit abgeschnittenen Ohren und Händen, völlig nackte Leichen, die am Stacheldraht die Straßen entlang geschleift werden.
Unsere Kinder werden mit Flammenwerfern verbrannt, werden enthauptet. Am 8. März 2002 wurden auf diese Weise am Ortsrand von Staryje Atagi neun Zivilisten am lebendigen Leibe verbrannt: Imran Kuntajew und andere.
Die am häufigsten angewandten Methoden russischer Truppen gegen Zivilisten in Tschetschenien:
"Mama, ich war froh, als man uns zur Erschießung abführte" - Worte des 16jährigen Magomed Igidow aus Atagi, den seine Mutter beim russischen Militär freigekauft hatte. Er wurde genauso gefoltert, wie die Erwachsenen.
Frauen und Mädchen werden vor den Augen ihrer Familie vergewaltigt und danach umgebracht. Am 11. Januar 2002 wurde z.B. die schwangere Sajnap Dschawatchanowa (40 J.) aus dem Dorf Nochtsch-Keloj vergewaltigt, danach schnitt man ihr den Kopf ab und verbrannte sie.
Regelmäßig werden unsere Angehörigen von russischen Geheimdiensttruppen und Militär umgebracht, die anschließend ihre Leichen schänden. Am 11. Januar 2002 wurden fünf Dorfbewohner von Nochtsch-Keloj umgebracht - S. M. Aslachanow, A. Satabajew, Sch. Bachajew, M. Mussajew und Ch. Tuburow. Sie wurden grauenhaft gefoltert, dann schnitt man ihnen die Kehle durch. Anschließend legte man ihre Leichen in ein Auto, begoss die mit Benzin und zündete sie an.
Während der "Säuberungen" von Ortschaften werden willkürlich Menschen festgenommen, die danach spurlos verschwinden. Wie der Sprecher des tschetschenischen Parlaments, Ruslan Alichadschijew, der am 17. Mai 2001 von zu Hause abgeführt wurde und danach spurlos im Moskauer Lefortowo-Gefängnis des FSB-Geheimdienstes verschwand, und wie Zehntausende andere.
Mütter werden erpresst, Lösegeld für die Herausgabe der Leichen ihrer Söhne zu zahlen, oder damit man ihren Sohn "diesmal" nicht abführt. Schon 50 000 Leichen Getöteter haben tschetschenische Mütter auf diese Weise bei den russischen Truppen freikaufen müssen. Über 100 000 unserer Kinder, die zwecks Lösegelderpressung verschleppt wurden, bekamen wir durch Freikauf frei.
Für den Mord an unseren Söhnen erhalten russische Truppenangehörige Auszeichnungen. Über 100 Frauen unterzeichneten die Strafanzeige gegen den Militärkommandanten des Kreises Urus-Martan, Gejdar Gadschijew, wegen mehrerer Morde. Russland hat ihm daraufhin den Rang eines Generals verliehen. Und Russlands General Troschew ruft öffentlich zur Lynchjustiz an Tschetschenen auf. Im Ergebnis dieser Terrorpolitik Russlands befindet sich das tschetschenische Volk am Rande seiner Vernichtung.
Die Verbrechen an der tschetschenischen Bevölkerung sprengen sogar das Ausmaß der Gräueltaten der jüngsten Balkankriege.
Die Weltgemeinschaft darf nicht länger, sich mit den Verbrechen gegen die Menschlichkeit abfinden, die russische Truppen in Tschetschenien begehen. Der Krieg in Tschetschenien ist auch ein Krieg gegen die zivilisierte Welt, ihre rechtlichen und moralischen Prinzipien.
Wir appellieren an die UN-Menschenrechtskommission, unverzügliche Maßnahmen zu ergreifen, um den Verbrechen der russischen Truppen in Tschetschenien Einhalt zu gebieten.
Wir bitten, eine harte Resolution gegen Russland bezüglich seines Vorgehens in Tschetschenien zu verabschieden, und darin die Einrichtung eines Internationalen Strafgerichts zur Untersuchung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu beschließen, sowie für die Entsendung eines internationalen Kontingents nach Tschetschenien zum Schutz der dortigen Zivilbevölkerung zu plädieren.
Madina Magomadowa
Vorsitzende der Assoziation "Mütter Tschetscheniens für den Frieden"

















