China: Pastor nach knapp einjähriger Haft freigelassen


Eine erneute Verhaftung von Pastor Lou Yuanqi  ist nicht ausgeschlossen. In China kann jeder Bürger ohne Anklage und Verfahren für bis zu drei Jahre zur "Umerziehung" in Lager zur Zwangsarbeit eingewiesen werden.

 

 Nach knapp einjähriger Haft ist der chinesische Pastor Lou Yuanqi am 24. April 2009 gegen Zahlung einer Kaution"vorläufig" freigelassen worden. Der 1964 geborene Seelsorger war am 17. Mai 2008 in der Stadt Qingshuihe im Distrikt Huocheng in der autonomen Uighurischen Region Xinjiang im Nordwesten der Volksrepublik verhaftet worden. Erst sieben Monate später, am 15. Dezember 2008 wurde er wegen "Benutzens von Aberglauben zur Unterwanderung des Gesetzes" vor Gericht gestellt. Zu einer Verurteilung kam es jedoch nicht. Das Gericht äußerte in einem Statement, dass die Fakten in Lous Fall "unklar" seien und die "Beweise ungenügend". Dennoch blieb Pastor Lou ohne Begründung weiter in Haft, bis er am 17. Mai 2009 "vorläufig" freigelassen wurde. Lous Tochter, die zu dem Zeitpunkt 18jährige Lou Tiantian, wurde unmittelbar nach dem Prozess von Gerichtspolizisten geschlagen, als sie versuchte, mit ihrem Vater zu sprechen.

 

Beobachter des Falls sind der Überzeugung, dass durch die Verhaftung von Pastor Lou seine nicht registrierte Hausgemeinde daran gehindert werden sollte, sich in seinem Wohnhaus zu versammeln. Nach der Entlassung kehrte er in schlechtem Gesundheitszustand nach Hause zurück. Im Gefängnis soll er nur unzureichend medizinisch versorgt worden sein. Eine erneute Verhaftung des Pastors ist nicht ausgeschlossen. In der Volksrepublik kann jeder Bürger ohne Anklage und Verfahren für bis zu drei Jahre zur "Umerziehung" in Lager zur Zwangsarbeit eingewiesen werden.

 

Die meisten Christen in der Volksrepublik China versammeln sich in staatlich nicht registrierten Hauskirchen, weil sie sich der Kontrolle und den Schikanen des kommunistischen Regimes entziehen wollen. Schätzungen über die Gesamtzahl der Christen schwanken zwischen 40 Millionen und 130 Millionen. Die anerkannten protestantischen Dachorganisationen " die Drei-Selbst-Bewegung und der Chinesische Christenrat " repräsentieren 18 Millionen Mitglieder. Von den etwa 20 Millionen Katholiken gehören rund sechs Millionen regimetreuen Kirchen an.

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