Cuba Auténtica: Einige Pressestimmen
Menschenrechtler: Lage auf Kuba spitzt sich zu
KNA, 8.12.2010
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Berlin (KNA) Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat zunehmende Repressalien gegen die demokratische Opposition in Kuba kritisiert. Dem Land drohe eine massive Zunahme von Arbeitslosigkeit, Armut und Rassismus, sagte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin am Dienstag in Berlin. Er appellierte an die kubanische Regierung, die derzeit 100 inhaftierten Regimekritiker zum Internationalen Tag der Menschenrechte freizulassen. Lessenthin äußerte sich auf einer Tagung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema Castro-Diktatur und Menschenrechte.
Der Vizevorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Christian Ehler (CDU), nannte es eine "politische Unverschämtheit", dass die spanische Regierung dem abgeschobenen, kubanischen Regimekritiker Hernandez Gonzalez die Ausreise nach Deutschland zur Tagung der Adenauer-Stiftung verwehrt habe. Die Haltung Spaniens gegenüber dem ehemaligen politischen Häftling sei nicht hinnehmbar und werde auf europäischer Ebene ein Nachspiel haben, kündigte Ehler an.
Der vor kurzem freigelassene kubanische Journalist und Dissident Jose Paneque kritisierte eine andauernde Feindschaft der Regierung Castro gegen die katholische Kirche. Die mit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. auf Kuba 1998 verbundene Hoffnung auf eine Öffnung des kommunistischen Systems habe sich nicht erfüllt. Dennoch engagiere sich die katholische Kirche unermüdlich für die sozial Benachteiligten und kämpfe für die politischen Gefangenen, berichtete Paneque.
Der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gerd Pöttering, appellierte an die Regierungen, die nach Europa geflohenen Exil-Kubaner nicht alleine zu lassen. Sie bräuchten Begleitung und Betreuung, so Pöttering. Notwendig sei ein kontinuierlicher Dialog mit den ehemaligen politischen Häftlingen über ihre Situation und die Lage in dem Inselstaat.
Kubas Opposition appelliert an die EU: Demokratischen Reformen als Voraussetzung für finanzielle Leistungen
Fidel Castros Bruder und Nachfolger Raúl Castro leitete vor Kurzem eine ganze Reihe von Reformen in Richtung einer zumindest wirtschaftlichen Liberalisierung ein. Über Exilkubaner und ihre Sicht auf den vorgeblichen "Wandel" in ihrer Heimat.
Von Peter B. Schumann, Deutschlandfunk, 11.12.2010, 13:30 Uhr
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Sie demonstrieren weiter, die "Damen in Weiß", die Angehörigen jener politischen Häftlinge, die im "Schwarzen Frühling 2003" zu drakonischen Gefängnisstrafen verurteilt worden waren. Viele von ihnen wurden inzwischen freigelassen und nach Spanien abgeschoben - ein Erfolg des internationalen Drucks, vor allem der Europäischen Union, auf die kubanische Regierung.
Aber auch die Manifestationen dieser Frauen in ihrer weißen Kleidung, die mit zwei Fingern das Zeichen L für Libertad Freiheit markieren, waren eine unübersehbare Mahnung. Doch ihr sonntäglicher Protest geht weiter, damit auch jene elf politischen Häftlinge entlassen werden, die in Kuba bleiben und nicht emigrieren wollen. Das hat Raúl Castro bisher abgelehnt.
Für einen inhaftierten Oppositionellen zählt jeder Tag, denn die Lebensbedingungen in den Gefängnissen sind katastrophal.
Darauf haben gerade wieder einige der nach Spanien Abgeschobenen aufmerksam gemacht - wie Luis Enrique Ferrer García. Bei seiner Verhaftung war er erst 26 Jahre alt und damit der jüngste der Gruppe. Er wurde zu 28 Jahren Zuchthaus verurteilt, denn er galt als besonders unbeugsam. Vor zwei Wochen ist er als der bisher letzte der Regimekritiker freigelassen worden.
Ferrer: "Ich komme aus einem Gefängnis schärfster Haftbedingungen. Insgesamt war ich sieben Jahre lang in solchen Gefängnissen, anfangs sogar in Isolationshaft. In einem Raum von der Größe einer normalen Toilette, aber ohne jegliche sanitäre Anlage, mit einem Loch im Boden, stockfinster, mit hoher Luftfeuchtigkeit, drückender Hitze und viel Ungeziefer. In solche Drecklöcher stecken sie normalerweise Kriminelle, die im Gefängnis randaliert haben, und auch nur für wenige Tage oder Wochen. Wir wurden schlimmer als Verbrecher behandelt und durften keinerlei Kontakt zu irgendeiner Person im Gefängnis haben, nicht einmal zu unseren Wächtern. Wenn sich einer von denen unserer erbarmte und länger mit uns zu sprechen begann, wurde er versetzt."
Monatelang, nicht selten zwei Jahre hindurch werden politische Häftlinge oft solchen Strafexzessen ausgesetzt. Viele protestierten in ihrer Not durch Hungerstreik. Einer von ihnen, Juan Carlos Herrera Acosta, nähte sich sogar die Lippen mit Draht zu. Er wurde inzwischen freigelassen und muss in Spanien in einer Nervenklinik behandelt werden.
Fast alle Dissidenten wurden nach Spanien abgeschoben. Das Mutterland ihrer Sprache bot großzügig Asyl, es hatte auch für die Europäische Union die Verhandlung mit Kuba geführt.
Die 52 Regimekritiker wollen in Europa ein neues Leben beginnen, wollen arbeiten, sich in die jeweilige Gesellschaft integrieren. Keiner von ihnen erwartet eine baldige Wende in Kuba, schon gar nicht durch die von Raúl Castro verkündeten Maßnahmen: wie beispielsweise die Ausdünnung des staatlichen Wirtschaftssystems, die Entlassung von einer Million Staatsangestellten, die Abschaffung der sozialen Stütze und - "Der kubanischen Regierung ist es gelungen, sich gegen jegliche Widerstände ein halbes Jahrhundert zu behaupten. Aber jetzt ist die Wirtschaftslage ziemlich verzweifelt. Sie braucht finanzielle Hilfe vom Ausland, von Europa. Deshalb musste sie Konzessionen machen. Und deshalb nimmt sie auch die hohe Arbeitslosigkeit in kauf, die bereits existiert und die, die erst noch kommt. Damit will sich die Regierung etwas Luft verschaffen. Und wir sind Teil dieses Entspannungsversuchs. Er bedeutet jedoch keine Wende, noch nicht einmal einen Übergang."
Solange die Brüder Castro an der Macht sind, ist für ihre Gegner eine Zukunft Kubas nicht denkbar. Manche von ihnen halten sogar jegliche Verhandlungen mit dieser Regierung, unter der sie so vieles erdulden mussten, für falsch. Das ist aus ihrer Sicht verständlich, führt aber politisch in eine Sackgasse. Sie alle appellieren an die EU, die sogenannte 'gemeinsame Position' aller europäischen Länder, aufrecht zu erhalten, das heißt, die Forderung nach demokratischen Reformen als Voraussetzung für finanzielle Leistungen.
José Luis García Paneque: "Diese 'gemeinsame Position' entspricht den Interessen des kubanischen Volkes, die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen von Verbesserungen der Menschenrechte abhängig zu machen: von politischen Freiheiten und Schritten in Richtung Demokratie. Für diese Position kämpfen wir, die Oppositionellen Kubas."
Sonntagsfrage: Interview mit José Luis Garcia Paneque
Von Christoph Simon, Katholische Sonntagszeitung, 18./19.12.2010
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Interview mit José Luis Garcia Paneque - vergrößerte Ansicht (pdf-Format) |
Die kubanische Regierung hat in diesem Jahr zwar politische Gefangene und unbequeme Regime-Kritiker ins Exil entlassen. Von einem grundlegenden Wandel zeugt dies allerdings nicht, betont José Luis Garcia Paneque. Der kubanische Journalist und Dissident war Gast einer Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte zum Thema "Castro-Diktatur und Menschenrechte" in Berlin.
Herr Paneque, vor einigen Monaten saßen Sie noch in Kuba hinter Gittern. Was war Ihr Vergehen?
Ich engagierte mich in der oppositionellen Widerstandsbewegung. 1998 formte sich eine kleine Agentur für freie Presse. Wir berichteten etwa über das Problem der Unterernährung von Kindern. Die Verantwortlichen wollten das Problem zunächst leugnen. Später ermittelte eine Untersuchung 100 000 unterernährte Kinder. Und ich bin fest überzeugt: Es sind eigentlich noch viel mehr!
Nach Verhandlungen mit der Kirche hat sich die kubanische Regierung bereit erklärt, 75 politische Gefangene freizulassen, darunter Sie. Im Juli durften Sie nach Spanien ausreisen. Spricht das für einen Wandel Kubas hin zu einem freien Land?
Die Freilassung ist noch kein Wandel! Nach wie vor sitzen Menschen aus politischen Gründen im Gefängnis. Obwohl der Einfluss der Kirche in Kuba klare Grenzen hat, konnte sie vermitteln. Außerdem sorgte der Tod eines Hungerstreikenden international für Wirbel, so dass der öffentliche Druck auf das Regime immer größer wurde. Deshalb ist es auch so wichtig, dass internationale Institutionen sich für die Einhaltung von Menschenrechten stark machen.
Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Ich bin jetzt freigekommen, aber unter der Bedingung des Zwangsexils. Ich bin Kubaner, nicht Spanier. Ich möchte nichts lieber, als mit meiner Familie in einem demokratischen Kuba leben, in dem jeder seine Meinung sagen darf. Dafür braucht es aber Öffnung und wahren Wandel. Dies kommt nicht von allein, und nicht ohne Anstrengung.
Kein wirklicher Wandel: Kritiker werden auf Kuba weiterhin nicht geduldet
von Christian Soyke, Neue Bildpost, 18./19.12.2010
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Die Revolution hat verschiedene Gesichter. Wenn er auf sein Heimatland blickt, träumt José Luis Garcia Paneque nicht nur von paradiesischen Karibik-Stränden, Salsa-Rhythmen, Cuba-Libre-Rum und Havanna-Zigarren. Und mit Revolutionsromantik hat das nichts zu tun, was der erst vor kurzem freigelassene Journalist und Dissident als politischer Gefangener in Kuba durchgemacht hat. Die kubanische Regierung hat in diesem Jahr zwar politische Gefangene und Regime-Kritiker ins Exil entlassen.
Von einem grundlegenden Wandel zeugt das allerdings kaum, erklärt Paneque auf einer Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zum Thema "Castro-Diktatur und Menschenrechte" in Berlin.
José Luis Garcia Paneque kennt sie nur zu gut: die Schattenseite der Revolution. Viele Jahre hat er in kubanischen Gefängnissen verbracht. Sein Vergehen: Der studierte Mediziner engagierte sich in der Widerstandsbewegung gegen das Castro-Regime. Als Journalist und Direktor einer kleinen unabhängigen Agentur für freie Presse berichtete er kritisch über für die Regierung unliebsame und unbequeme Themen wie Mangelernährung von Kindern.
Zunächst wurde Paneque wegen seiner journalistischen und oppositionellen Tätigkeiten als Arzt im Hospital der Provinz La Tunas fristlos entlassen. Im März 2003 kam es für den vierfachen Familienvater weitaus dramatischer: Während der Verhaftungswelle des "Schwarzen Frühlings" wurden Dutzende Regimekritiker von der politischen Polizei festgenommen und in Schnellprozessen verurteilt: "Zum Schutz der Nationalen Unabhängigkeit Kubas". Paneque war einer von ihnen.
"Wir wurden weggesperrt, nur weil wir frei leben, denken und sprechen wollten", sagt er. In insgesamt neun verschiedenen Gefängnissen in fünf kubanischen Provinzen war er inhaftiert, über zwei Jahre meist isoliert. "Der Schmerz des Schlagens vergeht nach einiger Zeit. Aber die schlimmste Foltermethode, die man einem Menschen antun kann, ist dauerhafte Einzelhaft" ? die Details will sich Paneque ersparen.
Sieben Jahre haben die Damas de Blanco, die Damen in Weiß, durch Mahnwachen immer wieder auf das Schicksal der Gefangenen des Schwarzen Frühlings aufmerksam gemacht. Sie marschierten jeden Sonntag in Havanna mit Bildern von den inhaftierten Angehörigen über die Avenida Cinco zur Kirche Santa Rita. Ihre weißen Kleider stehen sowohl für Frieden als auch für die Unschuld der verhafteten Männer und Söhne. Außerdem sorgte der Tod des Hungerstreikenden Orlando Zapata Tamayo international für Wirbel, so dass der Druck auf das Castro-Regime wuchs.
Nach intensiven Verhandlungen, in denen auch die Kirche vermittelte, hat sich die kubanische Regierung nun in diesem Jahr dazu bereit erklärt, 75 politische Gefangene unter der Bedingung des Zwangsexils freizulassen. Ist das nun ein Zeugnis der "Öffnung Kubas"?
"Irren wir uns nicht. Die Freilassung ist noch kein wirklicher Wandel! Kritische Stimmen werden weiter nicht geduldet. Noch immer sitzen Menschen aus politischen Gründen in kubanischen Gefängnissen", mahnt Paneque. Die katholische Kirche engagiere sich unermüdlich für die sozial Benachteiligten und kämpfe für die politischen Gefangenen. Doch mit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. auf Kuba 1998 verbundene Hoffnungen auf eine Öffnung des kommunistischen Systems haben sich nicht erfüllt, sagt Paneque.
So hat auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zunehmende Repressalien gegen die demokratische Opposition in Kuba kritisiert. Dem Land drohe eine massive Zunahme von Arbeitslosigkeit, Armut und Rassismus, sagte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin auf der Tagung.
Trotz punktueller Fortschritte tut sich Kuba offenbar auch über 50 Jahre nach Beginn der Revolution und 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges weiterhin schwer damit, fundamentale Menschenrechte wie Meinung- und Pressefreiheit einzuhalten. Das dürfe nicht aus dem Blick geraten, mahnte Christian Ehler, Vizevorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament. Er warnte außerdem vor einer Verklärung Kubas und einer mythischen Ikonisierung der "Helden der Revolution" wie Che Quevara oder Fidel Castro. Die Castro-Diktatur sei auch nach der Ablösung Fidel Castros durch seinen Bruder Raul ein "totalitaristisches System unter Palmen".
Die Gesichter der Opfer sind der Öffentlichkeit zumeist weniger bekannt. José Luis Garcia Paneque ist eines von ihnen. Er ist Kubaner und kein Spanier. Er möchte nichts lieber, als mit seiner Familie in einem freien, demokratischen Kuba leben, einem Kuba, in dem jeder mitgestalten, sich engagieren und seine Meinung sagen darf, wie er betont. "Dafür aber braucht es wahren Wandel und Öffnung."
Er klingt fast etwas desillusioniert.
Kein Wunder.
"Ich komme aus der Hölle"
Cuba Auténtica - Ehemalige politische Gefangene sprechen über das wirkliche Kuba
Der Stacheldraht, 14.02.2011
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Dr. José Luis García Paneque und Luis Enrique Ferrer García während der Mahnwache vor der kubanischen Botschaft symbolisieren mit zwei gespreizten Fingern ein "L" für Libertad, Freiheit |
(st) Die DKP-Fahnen waren noch zusammengerollt, als die ehemaligen politischen Gefangenen aus Kuba die Gethsemane-Kirche verließen, in der sie gebetet hatten. Wann immer in Berlin öffentlich an politische Häftlinge auf der Karibikinsel erinnert wird, marschieren kommunistische Gruppierungen und Anhänger der Castro-Regierung auf zu einer Gegendemonstration.
Jene Menschen, die da still die Kirchentreppe hinuntersteigen, gehörten zu den 55 aus kubanischen Gefängnissen Freigelassenen - auf internationalen und kirchlichen Druck hin. Schweigend, mit einer kubanischen Fahne zwischen sich, stapften sie durch den dicken Schnee die Schönhauser Allee entlang, nur die Hände hochgereckt, mit zwei gespreizten Fingern ein "L" symbolisierend, für Libertad, Freiheit.
Auch während der Mahnwache vor der kubanischen Botschaft schwiegen sie. Um so greller gellten die lateinamerikanischen Parolen der Gegendemonstranten über den Platz, ungetrübt vom Wissen um deren Herkunft. Die Botschaft hatte zum Empfang der Gäste den Gartenzaun geschmückt mit fünf überlebensgroßen Portraits kubanischer Gefangener in den USA, die dort offenbar im Auftrag Castros tätig gewesen waren. "Heroische Kämpfer gegen den US-imperialistischen Terror" hatten die Diplomaten auf das Plakat geschrieben - Kalter Krieg in Pankow.
Die aus der Hölle kamen
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Am nächsten Tag, dem 7. Dezember 2010, waren die Teilnehmer des Schweigemarschs zu Gast auf einer Fachkonferenz über Menschenrechte in Kuba und die Castro-Diktatur. Eingeladen hatten die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Zusammenarbeit mit der EVP-Fraktion des Europäischen Parlaments.
Ökonomische Krisen in Kuba gebe es seit 40 Jahren, erklärte Dr. José Luis García Paneque, Arzt und Journalist, im ersten Podiumsgespräch. Jetzt aber sei die Krise auch sozial und politisch geworden. Das Regime jedoch wäre nicht bereit, strukturelle Veränderungen herbeizuführen.
Dr. Luis Milán Fernández, ebenfalls Arzt, beschrieb aus eigenem Erleben die Haftverhältnisse. Es gebe psychische und physische Folter, doch die psychische fange unmittelbar nach der Verhaftung an und sei am schlimmsten. Seine angebliche Anwältin habe ihm geraten: "Sprich wenig im Verfahren, die Verurteilung ist sowieso schon klar." Im Strafvollzug sei er später mit Schwerverbrechern und mehrere Jahre auch mit Psychiatrie-Gefangenen in einer Zelle zusammengesperrt gewesen.
Luis Enrique Ferrer García ergänzte, die Ausstattung kubanischer Gefängnisse sei gut vergleichbar mit der des sogenannten U-Boots in Berlin-Hohenschönhausen, das die kubanischen Exilanten am Tag zuvor besichtigt hatten.
Rolando Jiménez Posada erklärte, in den 50 Jahren der Castro-Regierung wären systematisch die Menschenrechte missachtet worden. Ein Wandel in Kuba sei dringend notwendig, und die EU hätte die Chance, ihn zu beschleunigen.
Mit damals 26 Jahren der Jüngste der 75 Verurteilten des "Schwarzen Frühlings" 2003, erhielt Luis Enrique Ferrer García die höchste Strafe von allen, 28 Jahre. Erst zwei Wochen vor der Konferenz wurde er entlassen und, wie die meisten seiner ausgewiesenen Mithäftlinge, ohne Möglichkeit der Rückkehr von Spanien aufgenommen. Er erzählte, sein Bruder sei noch immer in Haft, weil er zu jenen elf Gefangenen gehöre, die sich weigerten, Kuba zu verlassen. Denn die Freilassung sei in Wirklichkeit eine Ausweisung.
"Ich komme aus der Hölle. Das Paradies, das ich hier erlebe, möchte ich für mein Land", sagte Ferrer García, der sich in Kuba für das Varela-Projekt engagiert hatte. Es schlägt ein Referendum über Reformen vor und wird mit Unterschriften unterstützt, was häufig bereits ein Verhaftungsgrund ist.
Zivilcourage in Kuba: die "Damen in Weiß"
Im zweiten Podiumsgespräch diskutierten "Damen in Weiß" über Zivilcourage in Kuba. Die Frauen sind Angehörige der 2003 Verhafteten und demonstrieren jeden Sonntag in weißer Kleidung für die Freilassung ihrer Brüder, Söhne und Väter. 2005 erhielten sie den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments.
Elena Larrinaga, Vorsitzende des Verbandes kubanischer Vereine in Spanien, wies darauf hin, dass allein im November schon wieder 153 illegale Verhaftungen erfolgt seien. Die Zivilgesellschaft habe kaum eine Möglichkeit, sich für ihre Interessen einzusetzen. Sie bestehe hauptsächlich aus den Damen in Weiß und aus unabhängigen Journalisten.
Zu den Letztgenannten gehört auch Lamaciel Gutiérrez Romero, die erläuterte, wie sie und ihre Kollegen versuchen, über Internet und internationale Presse kubanische Realität zu vermitteln. Die Repression gegen freie Journalisten nehme weiter zu, sie würden auf der Straße bedroht und zusammengeschlagen, weil die Regierung sie fürchte.
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Ana Belkis Ferrer García beschrieb aus der Sicht der Angehörigen die Situation nach einer Verhaftung.
Zwei Brüder und ihr Ehemann waren 2003 festgenommen und verurteilt worden. Die Familie wurde nicht informiert, in welchem Gericht der Prozess stattfinden sollte. Für die Brüder sei zunächst die Todesstrafe gefordert worden. Sie hatten sich für das Varela-Projekt engagiert, das nicht einmal gegen kubanische Gesetze verstößt. Schließlich wurden sie zu 28 und 25 Jahren verurteilt.
Die Gefängnisse der beiden lagen besonders weit auseinander. Dies werde oft so gehandhabt, sagte Ferrer García, um die Familien mit Hilfe der unsäglichen Reisebedingungen in Kuba zu schikanieren. Das Gefängnisreglement sehe alle drei Monate für zwei Stunden den Besuch eines Angehörigen vor, alle vier Monate den Besuch des Ehepartners. Zur Inhaftierung von Frauen und Kindern befragt, erklärte sie, es gebe eine Rechtsfigur in Kuba, die "schlechte Kindererziehung" heiße. Es bedeute, dass Kinder nicht politisch linientreu erzogen würden, und es sei möglich, sie deshalb in Erziehungsanstalten zu sperren.
Das Ausmaß der Gewalt gegen inhaftierte Jugendliche sei grundsätzlich höher als gegen Erwachsene. In den Frauengefängnissen würden die Häftlinge häufig von Wächterinnen misshandelt, dort seien auch HIV-Infektionen verbreitet.
Empfehlungen zur europäischen Kuba-Politik
Über "Empfehlungen für die Kuba-Politik Deutschlands und der EU" sprachen zum Abschluss Rolando Jiménez Posada, Rechtsanwalt, Dr. Christian Ehler MdEP (EVP) und Martin Lessenthin, Sprecher des Vorstands der IGFM.
Seit 1956 habe es in Kuba keine demokratischen Wahlen mehr gegeben, stellte Posada fest. Der höchste Ausdruck von Menschenrechten für Lateinamerika sei die Europäische Union. Diese müsse an ihrer "Gemeinsamen Position" gegen Menschenrechtsverletzungen festhalten und dürfe weder Fidel noch Raúl Castro anerkennen.
Ehler legte dar, dass sich die Lage der Menschenrechte in Kuba in letzter Zeit nicht verbessert hätte, jedoch neue Konstellationen innerhalb Lateinamerikas entstanden seien. Iran unterstütze die Raketenausstattung Venezuelas, und es gebe eine Achse Kuba-Venezuela-Iran. Kubas Geheimpolizei versuche indessen, wieder mehr Einfluss auf Mittelamerika zu nehmen. Eine Anerkennung des Regimes könne es nicht geben, solange die Menschenrechte nicht durchgesetzt würden.
Informationssperre auf Kuba, Ausbildung venezolanischen Sicherheitskräfte
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Rolando Jiménez Posada, kubanischer Rechtsanwalt und Menschenrechtler, wurde 2003 zu 12 Jahren Haft verurteilt, vorzeitig freigelassen und abgeschoben nach Spanien im Juli 2010. |
Nach den Informationsmöglichkeiten der kubanischen Bevölkerung gefragt, erklärte Posada, dass Radio Martí seit langem die beste Quelle sei. Alle anderen Nachrichten würden von der Regierung manipuliert bzw. mit Zensur belegt. Radio Martí berichte über den tatsächlichen Zustand und schildere realistisch die allgemeine Tristesse im Land.
Die meisten Kubaner hätten keinen Zugang zum Internet, wo sie objektive Informationen über die Insel erhalten könnten. Allerdings gebe es einige Botschaften, in deren Gebäuden man gelegentlich den Internetanschluß nutzen könne. Bei diesen Verhältnissen seien Informationen manchmal schon zwei Monate alt, bevor sie sich verbreiteten. Informationen aber seien wichtig, um Veränderungen herbeizuführen. Ein Rundfunksender der Europäischen Union, schloss Posada, wäre eine große Hilfe.
Er wünsche sich auch, dass die EU mit einer Stimme spräche, ergänzte Lessenthin und beschrieb dann, wie China inzwischen Störsender an Kuba liefere, damit Radio Martí dort nicht gehört werden könne. Es schicke auch Sperr-Software, die es selbst gegen unliebsame Internetseiten verwende.
Und natürlich gebe es Hilfe für das Castro-Regime aus Venezuela. Chávez helfe ökonomisch, im Gegenzug trainiere Kuba die venezolanischen Sicherheitskräfte. Dazu nähmen kubanische Experten sogar an Verhören teil. Lessenthin fasste zusammen, die DDR-Staatssicherheit habe einst die Geheimpolizei Kubas ausgebildet, und die schaffe heute entsprechende Strukturen in Venezuela.
Treffen mit ehemaligen politischen Gefangenen der DDR
Vor der Rückreise in ihre Exilländer stand für die kubanischen Gäste noch ein Treffen mit ehemaligen politischen Gefangenen der DDR auf dem Programm. In den Räumen der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft UOKG stellte der stellvertretende Vorsitzende Ernst O. Schönemann den Dachverband vor und gab einen kurzen Überblick über Haft und Verfolgung in SBZ und DDR sowie über die Aufarbeitung seit 1989 und ihre Defizite.
Nachdem Vorstandsmitglied Siegmar Faust einige Stasi-Methoden erläutert hatte und auch über den wahrscheinlichen Einsatz radioaktiver Strahlen sprach, an deren Folgen z.B. Jürgen Fuchs später möglicherweise starb, berichtete Ferrer García, dass sie vermuteten, ähnliches erlebt zu haben. Nur seien sie in Spanien noch nicht einmal richtig medizinisch untersucht worden.
Vorstandsmitglied Anita Goßler erzählte, wie ihr das in politischer Haft geborene Kind weggenommen wurde und sie erst nach dem Fall der Mauer wieder Kontakt zu ihm bekam - den die Tochter jedoch wieder abbrach, weil sie ganz DDR-konform erzogen worden war.
Nach dieser Schilderung zeigte sich, wie unerheblich angesichts von Leid nationale Grenzen und kulturelle Unterschiede sind. Die ehemaligen Gefangenen aus der Karibik und die ehemalige Hoheneckerin brauchten keinen Übersetzer mehr, denn sie verstanden sich plötzlich auch ohne Worte.





























