"Der Tod von Orlando Zapata ist eine menschliche und politische Tragödie" - Nachrufe


IGFM: "Ein friedlicher Idealist, der sein Leben für die Menschenrechte der Gefangenen gab"

 

 

 

Orlando Zapata Tamayo. Der kubanische Bürgerrechtler verstarb in der Haft am 23.02.2010. Bild: generaccion.com 

Der Gewissensgefangene und Menschenrechtsaktivist Orlando Zapata Tamayo ist tot.
Am 23. Februar 2010 verstarb er im Alter von 43 Jahren im Hospital des Gefängnisses Combinado del Este in Havanna an den Folgen seines Hungerstreiks.

Orlando Zapata Tamayo war Gründer und Mitglied der Carlos Manuel de Céspedes Freiheitsbewegung in Las Tunas und aktiv an der Christlichen Sozialbewegung und am Varela-Projekt beteiligt, eines Volksbegehrens für ein Referendum zur Demokratisierung der kubanischen Verfassung.

Im März 2003 wurde er mit 75 weiteren Bürgerrechtlern während des kubanischen "Schwarzen Frühlings" verhaftet und wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Haftstrafe verbüsste er im Gefängnis "Kilo 8" von Camagüey, wo er ständig Schlägen und Folter ausgesetzt war.

Am 3. Dezember 2009 trat er in einen Hungerstreik - aus Protest gegen Misshandlung und Folter und für das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit für die politischen Gefangenen. Orlando Zapata Tamayo forderte, dass er als Gewissensgefangener anerkannt wird und nicht kriminalisiert wird. Er forderte für sich den gleichen Respekt, wie ihn das Batista Regime Fidel Castro zukommen ließ, als dieser 1953 nach dem Angriff auf die Moncada-Kaserne inhaftiert wurde.

Der Gefängnisdirektor des Gefängnisses von Camagüey, Major Filiberto Hernández Luis, verweigerte dem Hungerstreikenden immer wieder Trinkwasser. Mitte Januar 2010 wurde Zapata Tamayo aufgrund seines kritischen Gesundheitszustandes ins Gefangenenzimmer des Amalia-Simoni-Hospitals eingewiesen. Dort bekam der ausgemergelte Bürgerrechtler eine Lungenentzündung, weil er wochenlang fast nackt unter einer Klimaanlage lag. Am 16. Februar wurde er auf der Intensivstation im Krankenhaus de Reclusos des berüchtigten Gefängnisses Combinado del Este nach Havanna überführt, wo er schließlich den Folgen des wochenlangen Nahrungsentzugs und Krankheiten erlag.

"Ein friedlicher Idealist, der sein Leben für die Menschenrechte der Gefangenen gab. Als Gewissensgefangener konnte er es nicht ertragen, mit Kriminellen auf eine Stufe gesellt zu werden?, so IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Am 24. Februar nahm der kubanische Präsident Raúl Castro zu Zapata Tamayos Tod Stellung. Vor der Presse behauptete er, dass Tamayo angeblich eine 3jährige Haftstrafe zu verbüssen hätte, er dessen Tod "bedauere", dieser jedoch weder gefoltert noch hingerichtet worden wäre.

Für seine Mutter, Reina Tamayo Danger, trägt die Castro-Regierung die volle Verantwortung an Zapata Tamayos Tod: "Raúl, Fidel, ich will kein Wort von euch hören. Ich möchte von Angesicht zu Angesicht mit Ihnen sprechen, um Ihnen zu sagen, dass Sie schamlose Zyniker sind und dass Sie meinen Sohn getötet haben. Sie haben ihn jetzt da, wo Sie ihn haben wollten, alles wegen seiner oppositionellen Haltung zu diesem Regime, wegen seiner Prinzipien und Werten."

Am 25. Februar um ca. 7:30 Uhr wurde Orlando Zapata Tamayo in Banes auf dem Friedhof Sur La Güira in Reparto Mariana Grajales, Provinz Holguín begraben. Zahlreiche Kubaner begleiteten seine Mutter auf ihrem Weg zur Beisetzung ihres Sohnes. "Lang lebe Zapata Tamayo!", "Zapata Tamayo's Tod wird uns ein Beispiel sein, dem wir folgen bis wir Kubas Freiheit erreicht haben!", "Orlando lebt in unseren Herzen weiter!", riefen sie. Zahlreiche Oppositionelle wurden festgenommen, darunter mehrere Mitglieder der kubanischen IGFM-Arbeitsgruppe, wir z.B. deren Mitbegründer Jorge Luis Garcia Perez 'Antunez'. Häuser vieler bekannter Menschenrechtsaktivisten wurden an diesem Tag umstellt und abgeriegelt, um deren Teilnahme an Solidaritätsbekundungen zu verhindern.

Zapata Tamayos Mutter will den Kampf ihres Sohnes fortsetzen: "Seine Mutter und seine Familie gibt es noch, sind immer noch hier; wir werden seinen friedlichen Kampf für die Menschenrechte vollenden." Sie appelliert an die Bevölkerung und Bürger aus aller Welt, sich dafür einzusetzen, dass alle Gewissensgefangenen freigelassen werden.

Aufgrund der großen Anteilnahme, die Orlando Zapata Tamayos Tod unter den IGFM-Freunden und Mitgliedern hervorgerufen hat, richtete die IGFM zu Ehren und zum bleibenden Gedenken an den verstorbenen kubanischen Menschenrechtler diese Seite ein. Sie zeigt einige Reaktionen von Politik und Menschenrechtsorganisationen und bringt - nur mit ausdrücklicher Genehmigung - Auszüge aus den Kondolenzschreiben von Einzelpersonen an Orlando Zapata Tamayos Mutter.

Falls Sie den Hinterbliebenen des Bürgerrechtlers Ihr Beileid ausdrücken möchten, können Sie an  kuba@igfm.de schreiben. Die IGFM leitet die Briefe an die Familie weiter.


 

 

 

Marina Schuster MdB: Der Tod von Orlando Zapata ist eine menschliche und politische Tragödie

 

  

BERLIN, 24.02.2010. Zum Tod des kubanischen Bürgerrechtlers Orlando Zapata infolge seines Hungerstreiks erklärt die Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der FDP-Bundestagsfraktion Marina SCHUSTER:

Die Nachricht vom Tod von Orlando Zapata nach 83-tägiger Leidenszeit infolge des selbstauferlegten Hungerstreiks ist tief bedrückend. Ich bin bestürzt, dass die kubanischen Behörden nicht rechtzeitig tätig geworden sind, um Zapata medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Die Vorstellung, dass Zapata vorsätzlich zu lange ärztliche Hilfe vorenthalten wurde, ist unerträglich.
Ich fordere von der kubanischen Regierung die rückhaltlose Aufklärung der Geschehnisse und die umgehende Verbesserung der Haftbedingungen für alle auf Kuba einsitzenden Gefangenen.
Mein Mitgefühl gilt Zapatas Familie, seinen Angehörigen und Freunden.

 

 



 

Europe-Cuba NGO Network: Official Statement Regarding the Death of Orlando Zapata Tamayo

Statement of the Europe-Cuba NGO Network in PDF (84 kb)

 

 

  

Yesterday, on February 23, Cuban political prisoner Orlando Zapata Tamayo died aged 42, after more than 80 days of hunger strike. Elizardo Sánchez, leader of Cuban Human Rights and National Reconciliation Commission, commented: "His death is an example of totalitarian arrogance of power, which does not care about human consequences of its deeds".

The reaction of Pavla Holcová, leader of the Cuban program in Czech NGO People in Need was following: "The fact that political adversaries in Cuba are dying in the prisons is alarming."

Zapata Tamayo, as a member of oppositional movement, had been arrested several times. The first imprisonment took place in 2002, the reason being his participation on a hunger strike expressing solidarity with political prisoners. The official accusation was "public disorder", the sentence was four months. Only a few days after his release, not having committed any crime, he was imprisoned again during the Black spring in 2003 and sentenced to three years of confinement. Subsequently his penalty was prolonged twice, total length of 36 years behind the bars. In the same year, Amnesty International declared him a prisoner of conscience.

At the beginning of December 2009, Zapata initiated a hunger strike in one of the Cuban worst prisons, Kilo 8 in Camagüey, protesting against inhuman living conditions of the prisoners. For 18 days Zapata Tamayo was denied access to drinking water by the director of the prison, consequently suffering from kidney failure. In mid January 2010 he was hospitalized in a critical state. However, he was placed in a room with intense air conditioning, which lead to pneumonia. Last week Zapata Tamayo was transferred to a hospital in Havana, where he died lacking appropriate care.

Europe - Cuba NGO Network calls on the Cuban government to assume responsibility for the case and to apply measures preventing recurrence of similar cases in the future. Europe ? Cuba NGO Network calls for the release of all prisoners of conscience, particularly those in critical health conditions - Ariel Sigler Amaya and Normando Hernández González.

Signed by:
Asociacion Cuba en Transicion, Spain
Asociacion de Ibero-americanos por la Libertad, Spain
Asociatia Pro Democratia, Romania
Cuba Futuro, Netherlands
Christian Solidarity Worldwide, UK
Eastern European Studies Center, Lithuania
Freedom and Democracy Foundation, Poland
Freedom House Europe, Hungary
Fundacion Hispano Cubana, Spain
International Society for Human Rights, Germany
Lech Walesa Institute, Poland
People in Peril Association, Slovakia
People in Need, Czech Republic
Unitas Foundation, Estonia.

 

 



 

 

 

Kondolenzschreiben von Einzelpersonen an Orlando Zapata Tamayos Mutter

 

 

Trauer um Orlando Zapata Tamayo. Bild: timesonline.co.uk 

Sehr geehrte Frau Reina Luisa Tamayo Danger,
zum Tode Ihres Sohnes, Orlando Zapata Tamayo, äußert die IGFM-Sektion Lettland Ihnen und Angehörigen tiefe Mitgefühl. Mit dem Verständnis, weil wir ertragten schon die Gefahr des totalitäre kommunistische Regime. Zum Beispiel war der langjaeriger Leiter unserer Organisation, Peter Lazda, gefoltert in psychiatrischen Lagern in Russland viele Jahren - nur deshalb, weil die Besatzungsmacht die Wahrheit über die Unterdrückung unseres Volkes nicht duldete.
Wir verurteilen kategorisch das kommunistisch Castro-Regime. Wir bedauern, dass in Kuba gibt es noch so ein Regime - eine Metastase von UdSSR.
Wir wünschen Ihnen und dem kubanischen Volk die Freiheit einmal zu erleben.
Ihr Sohn wird der Wiedergewinnung der Freiheit beigetragen haben.
Lettland, Stadt Tukums, 28.02.2010

(Orthographie teilweise beibehalten. IGFM)





To Reina Luisa Tamayo Danger
Very Dear Lady,
on behalf of Lithuanian National Section of International Society for Human Rights (Internationale Gesselschaft fur Menschenrechte) please accept the very cordial compassion in occasion of the Saint Martyrdom of Your herous son Orlando Zapata Tamayo, who sanctified his life for FREEDOM !
His name will be inscribed on the Flag for his followers and in minds of all people of good will, as well as in Cuba's liberation history.
With sincere respect,
Eduardas Potasinskas
Chairman of Lithuanian Section of ISHR/IGFM
Lithuania





Sehr geehrte Frau Reina Luisa Tamayo Danger,
zum Tode Ihres Sohnes, Orlando Zapata Tamayo, spreche ich Ihnen und allen Angehörigen mein tief empfundenes Beileid aus.
Mit Ihrem Sohn geht eine große Persönlichkeit, die das Schicksal Ihres Landes zeitlebens mit couragiertem persönlichem Einsatz und ganz im Sinne aller Kubaner zum besseren Wenden wollte. Der Einsatz des eigenen Lebens war ihm nicht zu hoch, um allen Menschen auf der ganzen Welt den hohen Wert von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden aufzuzeigen.
Sein Engagement und sein Opfer, ebenso wie Ihr Opfer, liebe Frau Tamayo Danger, sollen allen Kubanern für die bevorstehenden Bewährungsproben im Kampf gegen alle Repressalien eines Unrechtsregimes Hilfe werden, auch unter schwersten Verfolgungen mit Charakterfestigkeit für das Prinzip der wehrhaften Demokratie in Kuba einzutreten. Das Lebenswerk Ihres Sohnes, Ihr eigenes großes Leid zusammen mit dem Leid unzähliger Kubaner wird für den Wandel in Kuba nicht verloren sein.
Ihr Sohn und Sie haben in besonderem Maß die Grausamkeit einer unmenschlichen Gewaltherrschaft erlebt. Es liegt an uns allen, aus dem Erlittenen die unmittelbaren Konsequenzen zu ziehen und mit verstärkter Überzeugungskraft an die verantwortlichen Politiker heranzutreten und sie zum Einschreiten, zum Protest aufzufordern. Mit den schmerzhaften Argumenten der Überlebenden, der Verfolgten, der wegen Zensur wortlosen muss den internationalen Organisationen klar gemacht werden, dass ihr eigenes Tun oder Lassen über Mitschuld oder Unschuld am Tod Ihres Sohnes und vieler Menschen in Kuba das Urteil spricht.
Angesichts der jetzt verstärkten erbitterten Konflikte in Ihrem Leben und in Ihrem Land möchte ich Sie mit dem Gedanken trösten: Ihr Sohn hat mit seinem Leben Kuba dem Ideal der universellen Menschlichkeit ? die auch von Papst Johannes Paul II immer wieder als unverzichtbar aufgezeigt wurde ? ein wenig näher gebracht.
Ihnen persönlich, Ihrer Familie, Kuba und der ganzen Welt wünsche ich, dass die Früchte Seines und Ihres Opfers in nicht allzu weiter Zukunft geerntet werden können.
Mein Gebet begleitet Sie.
In bleibendem Gedenken
Ihre E. M. Slawik





Madame Reina Luisa Tmayo Danger
Madame, Recevez nos sincères condoléances, ainsi que tous vos proches, pour le décès de votre fils Orlando Zapata Tamayo.
Avec lui, dispatait un homme qui n'a pas hésité a sacrifier sa vie pour la défense de valeurs universelles.
C'est un exemple de courage que son sacrifice en vue de l'instauration de la démocratie à Cuba.
Le souvenir de votre fils restera à l'esprit de tous ceux qui, à l'intérieur ou à l'extérieur de leur pays, luttent pour la vie et la dignité de la personne humaine.
Serge Sitter





Sehr geehrte Frau Reina Luisa Tamayo Danger,
zum Tode Ihres Sohnes, Orlando Zapata Tamayo, möchte ich Ihnen und  Ihren Angehörigen mein herzliches Beileid ausdrücken.
Eine große Persönlichkeit Ihres Landes geht durch den Tod Ihres Sohnes verloren. Er hat sich zeitlebens couragiert mit seinem persönlichen Einsatz und im Sinne aller Kubaner für eine Wende eingesetzt. Auch der Einsatz seines eigenen Lebens war ihm nicht zu viel, um den Menschen in der  Welt zu zeigen, was es heißt in Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden leben zu wollen.
Allen Kubaners soll das Engagement Ihres Sohnes ebenso wie Ihr Opfer, liebe Frau Tamayo Danger, ein Vorbild sein für  die Bewährungsproben im Kampf gegen das Unrechtsregime, auch bei den schlimmen Verfolgungen. Dazu gehört Charakterfestigkeit, damit eines Tages die  Demokratie in Kuba eingeführt werden kann. Das Lebenswerk Ihres Sohnes, Ihr großes Leid und das Leiden vieler Kubaner waren nicht umsonst.
Die Grausamkeit der Gewaltherrschaft haben Ihr Sohn und Sie ganz besonders ertragen müssen. Es ist unser aller Anliegen, aus dem geschehenen Unrecht Konsequenzen zu ziehen, und sich überzeugt an die verantwortlichen Politiker zu wenden, und sie zum Einschreiten und Protest zu veranlassen. Die Überlebenden, die Verfolgten und die wegen ihrer Verfolgung  Wortlosen müssen es verstehen, den internationalen Organisationen klar zu machen, dass ihr eigenes Handeln oder Nichthandeln über die Mitschuld oder Unschuld am Tod Ihres Sohnes und vieler Menschen in Kuba urteilt.
Wegen der jetzt schlimmen Konflikte in Ihrem Leben  in Kuba darf ich Sie damit trösten: Ihr Sohn hat mit seinem Leben dem Ideal der universellen Menschlichkeit- die auch Papst Johannes Paul II als unverzichtbar hielt- etwas näher gebracht.
Für Sie persönlich, für Ihre Familie, für Kuba und für die ganze Welt, wünsche ich mir, dass sein Opfer und auch das Ihre bald Früchte tragen wird.
Ich bete für Sie und sende Gottes Segen
Ihre Katrin Bornmüller
Wittlich, Deutschland

 

 

 

 



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