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IGFM: Katholiken dementieren Meldungen über christliche Miliz - Kämpfe in Nordnigeria beruhen auf Konflikten zwischen verfeindeten ethnischen Gruppen
 Nigeria: Gottesdienst in den Ruinen einer zerstörten Kirche.
Abudja / Kano / Frankfurt/M. (12. Mai 2004) - Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen in Nordnigeria haben nach neuen Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) inzwischen mehr als 700 Menschen das Leben gekostet. Nach noch unbestätigten Meldungen sollen am gestrigen Dienstag in der Stadt Kano 70 Christen, darunter zahlreiche Studenten von muslimischen Extremisten getötet geworden sein. Ebenfalls am gestrigen Dienstag kündigten Teilnehmer einer Konferenz der nördlichen Muslime an, den Kampf gegen Christen "bis zum Ende" führen zu wollen. Die IGFM befürchtet weitere Gewaltausbrüche in Nordnigeria, vor allem in den Städten Kano, Jos und Yelwa.
In verschiedenen Regionen von Nordnigeria muss mit einem erneuten Aufflammen der Gewalt gerechnet werden, warnt die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsgesellschaft. Hintergrund seien ethnische Konflikte, Streitigkeiten über Landbesitz und Weiderechte und der Versuch, die nigerianische Gesellschaft unter Ausübung von Zwang zu islamisieren, berichtet Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM. Die Meldungen "über Massaker angeblicher 'christlicher' Milizen im nigerianischen Plateau-State führten dagegen in die Irre", erklärte Lessenthin am heutigen Mittwoch in Frankfurt.
Nach den der IGFM vorliegenden Berichten aus Nigeria habe es sich um einen spontanen und gewalttätigen Ausbruch des Volkszornes gehandelt. Die Täter unterstanden keinem zentralen Befehl, waren nicht uniformiert oder milizähnlich gekennzeichnet. Sie hatten sich zusammengerottet und waren mit Stöcken und Buschmessern bewaffnet. Nicht alle Angreifer aus den örtlichen Stämmen der Turas, Wande, Wamba waren Christen, ein Teil hängt vielmehr den sogenannten traditionellen afrikanischer Religionen an.
Prof. Obiora Ike, Generalvikar des Bistums Enugu (Südostnigeria) und Pater Felix Ajakaye vom katholischen Sekretariat in Lagos, stellten gegenüber der IGFM klar, dass keinerlei christliche Militäreinheiten oder Milizen in Nigeria bestehen. Es habe Derartiges auch noch nie gegeben. Pater Ajakaye erklärte, dass es sich bei den Übergriffen der vergangenen Woche um einen Vergeltungsakt an Angehörigen der Fulbe gehandelt habe. Die Fulbe sind ein kriegerisches, vornehmlich muslimisches Nomadenvolk. Die Fulbe hätten zuvor in der Stadt Yelwa die ortsansässige Bevölkerung überfallen und massakriert. Die dort lebenden Bewohner sind vornehmlich Christen. In den Medien hätten die vorausgegangenen Übergriffe und Massaker an der christlichen ortsansässigen Bevölkerung - zum Beispiel mit 48 Toten im März dieses Jahres - kaum eine Rolle gespielt.
Die IGFM weist darauf hin, dass sich die Gewaltspirale zwischen Christen und Muslimen im Norden Nigerias immer schneller dreht. In den vergangen drei Jahren hätten die IGFM immer wieder Berichte über Massaker erreicht. Neben den ethnischen Konflikten seien die Einführung und Durchsetzung der Scharia, der Kampf um Grundbesitz und Bodenschätze, wichtigste Ursachen der immer wieder aufflammenden Gewalt.
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