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Das Kastensystem in den russischen Truppen existiert weiterhin - Misshandlungen von Rekruten fordern jährlich mehr als 1000 Todesopfer
 Russland: Transport der "Fracht 200" - Zinksärge mit Leichen toter Soldaten. Bild: newsru.com
Frankfurt/M. (22. Februar 2007) - Der 23. Februar wird in Russland offiziell als "Tag der Armee" gefeiert. Gefeiert werden die Streitkräfte des Verteidigungsministeriums, die Truppen des Innenministeriums, des FSB-Geheimdienstes, die Grenzarmee und die Eisenbahntruppen der Russischen Föderation. Allerdings wird auch diesmal dieser Tag weniger die Soldaten und Rekruten in Feierlaune versetzen, denn es gibt nach Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kaum eine Einheit in Russland, die nicht von Desertion, Sklavenarbeit und Kameradenschinderei gekennzeichnet wäre. Die "Dedowschtschina", die Herrschaft der Älterdienenden über die Jüngeren, besteht weiter. Auch am "Tag der Armee" wird die sogenannte "Fracht 200" - Zinksärge mit Leichen von bis zur Unkenntlichkeit gefolterten Soldaten - durch Russland rollen.
Im Gegensatz zu anderen Ministerien gab das Verteidigungsministerium Mitte Januar 2007 bekannt, dass im Vorjahr 1200 Soldaten ums Leben gekommen sind, das sind zweimal weniger als 2005. Die Komitees der Soldatenmütter Russlands, die täglich mit geschundenen Wehrdienstleistenden und Opfern der grausamen Kastenteilung "Dedowschtschina" zu tun haben, zweifeln diese Zahl an. Wenn man diejenigen berücksichtigen würde, die in den Truppen und Sondertruppen anderer Machtbehörden ums Leben kamen, würde die Zahl doppelt so hoch sein, so die Soldatenmütter.
Die häufigste Todesursache bleibt nach wie vor die von Offizieren geduldete und oft von ihnen selbst begangene Schinderei, die vor allem Rekruten in den Selbstmord oder Tod treibt oder durch die sie zu Invaliden auf Lebenszeit werden: wie im Fall des Rekruten Andrej Sytschow, dem nach unvorstellbarer Folter beide Beine amputiert werden mussten, oder Kirill Grigorjew, der vom 11. Stock des Generalstabs des Verteidigungsministeriums aus dem Fenster in den Tod sprang, weil er die Misshandlungen und Willkür nicht mehr aushielt. Der Rekrut Dschabrail Ibragimow aus Dagestan wurde am 28. Dezember 2006, fünf Tage nach seiner Einberufung, von seinem Offizier umgebracht. In der Wologodsker Garnison verkauften Offiziere ihre Soldaten in die Sklaverei für 300 Rubel pro Person pro Arbeitstag an wohlhabende Bürger, und in der Einheit 3727 der Truppen des Innenministeriums in St. Petersburg wurden Soldaten durch Misshandlungen gezwungen, hohen Armeeoffizieren bis hin zu Angehörigen des FSB-Geheimdienstes sexuelle Dienste zu leisten. Aufschlussreich und besorgniserregend zugleich ist hier die Erklärung des Militärgeneralstaatsanwalts Sergej Fridinskij, dass in der russischen Armee 2000 vorbestrafte und rückfällig gewordene Offiziere dienen.
Am 15. Februar 2007 berief Präsident Putin seinen Verteidigungsminister und ehem. Geheimdienstkollegen, Sergej Iwanow, zum Vizepremierminister. Sein Nachfolger im Amt des Verteidigungsministers wurde der Leiter der Steuerbehörde, Anatolij Serdjukow (45 J.) Ob er den Willen und die Fähigkeit haben wird, der menschenverachtenden Brutalität in seinen Truppen Herr zu werden, wird sich zeigen.
Siehe auch: Tschetschenien: Moskaus Versuchsfeld für giftige Substanzen, IGFM-Bericht, Oktober 2002 Vor zehn Jahren: Abzug der sowjetischen Westgruppe aus Deutschland, IGFM-Bericht, August 2004
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