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IGFM: Evangelischer Pastor soll in der Psychiatrie zum Schweigen gebracht werden
 Pastor Than Van Truong
Dong Nai - Frankfurt (21. April 2005) - Der vietnamesische Pastor Than Van Truong, der seit September 2004 ohne Gerichtsurteil wegen angeblicher Schizophrenie in einer psychiatrischen Klinik festgehalten wird, wird Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zufolge mit so starken Medikamenten zwangsbehandelt, dass Lebensgefahr besteht. Nachdem er seine Entlassung aus der Klinik gefordert hatte, vervierfachten die Ärzte am 19. April 2005 die Medikamentendosierung, die erhebliche motorische und vegetative Störungen zur Folge hatten. Der ehemalige frühere Hauptmann der vietnamesische Volksarmee geriet ins Visier des vietnamesischen Geheimdienstes, als er sich öffentlich zum Christentum bekannte und Baptist wurde. Er verlor deswegen seine Kriegsinvalidenrente. Seit 1996 wurde er mehrmals verhaftet und ohne Verfahren monatelang in Gewahrsam genommen. Die IGFM appelliert an Vietnam, die medikamentöse Behandlung gegen Pastor Truong sofort einzustellen, ihn im Falle eines Rechtsbruchs vor ein faires Gericht zu stellen oder unverzüglich freizulassen. Ferner ruft die IGFM die Weltgemeinschaft auf, sein Schicksal besonders aufmerksam zu verfolgen, da es nach der Mennonitin Le Thi Hong der zweite Fall eines religiösen Gefangenen ist, der in die Psychiatrie eingewiesen worden ist.
Pastor Than Van Truong, Vorsitzender der Baptistischen Kirche in Kreisstadt Long Khanh der südvietnamesischen Provinz Dong Nai, hatte sich mehrmals erfolglos wegen Auflösung seiner Bibeltreffen durch Sicherheitskräfte an die Staatführung gewandt. Am 27.5.2003 wurde er wegen "Propaganda gegen den Sozialistischen Staat Vietnam" von der vietnamesischen Polizei festgenommen und acht Monate lang ohne Gerichtsurteil inhaftiert. Das sei die Strafe dafür, dass er missioniert und auch Bibeln an die kommunistische Staatsführung geschickt habe. Am 20.1.2004 wurde er aus der Haft entlassen, aber per Anordnung der Provinzpolizei unter Hausarrest gestellt.
Am 3.6.2004 wurde er zum zweiten Mal verhaftet, als er seinen Wohnort verlassen wollte, um seine 96jährige Mutter in Nordvietnam zu besuchen. Ein zuvor von ihm gestellter Antrag blieb unbeantwortet. Nachdem er gegen die gesetzwidrige Verhaftung der Polizei protestiert hatte, wurde er - nach vier Monaten Untersuchungshaft - am 30.9.2004 wegen Schizophrenie in die Psychiatrie eingewiesen. Obwohl die Ärzte nach zwei Wochen dauerndem Einsatz stark wirkender Psychopharmaka die Behandlung beendeten und die Entlassung empfahlen, weil Pastor Than Van Truong nicht psychisch krank war, wurde dem Antrag mit der Begründung, die Führung habe "religiöse Bedenken", nicht entsprochen. Pastor Truong hatte unbemerkt die ihm zugeteilten Medikamente nicht eingenommen, um sich vor gesundheitlichen Schaden zu bewahren. Die Ärzte sagten ihm, dass sie nichts für ihn tun könnten, weil nur Staatsanwaltschaft und Polizei einen medizinischen Gutachter hätten bestellen können.
In einem weiteren eigenen Antrag auf Entlassung aus der Klinik machte Pastor Than Van Truong am 14.4.2005 klar, dass in seiner Familie niemand psychisch krank gewesen war und er selbst auch nicht ist. Nach dem vergeblichen Versuch der Ärzte, ihn und seine Frau zu überreden, den Antrag zurückzuziehen, wurde die medikamentöse Behandlung wieder aufgenommen.
Pastor Than Van Truong gehört der "Vietnam Baptist General Conference" an, einer evangelischen Hauskirche in Vietnam, die vom vietnamesischen Staat nicht anerkannt und seit Jahren verfolgt und bedrängt wurden. Die IGFM stellt fest, dass Vietnam in den letzten Monaten trotz Lippenbekenntnissen repressiver gegen freien evangelischen Kirchen vorgegangen ist.
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