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IGFM: Kadyrow verantwortlich für Morde und Entführungen in Tschetschenien
 Ramsan Kadyrow mit seinem Gönner, Präsident Putin. Bild: Nowaja Gaseta
Frankfurt/M. (05. April 2007) ? Anlässlich der feierlichen Amtseinführung des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow am 5. April 2007 in Grosnyj macht die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ihn und seine Truppen verantwortlich für zahllose Morde, Entführungen und andere Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in Tschetschenien. Meldungen von Menschenrechtsorganisationen darüber würden aber kaum mehr von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die von Russlands Präsident Putin geförderte Tschetschenisierung des Konflikts habe in der Zwischenzeit zu einer Willkürherrschaft moskauhöriger Tschetschenen geführt. Es sei ein Beweis des blanken Zynismus Moskaus, den vom eigenen Personenkult beherrschten Ramsan Kadyrow ins Präsidentenamt zu heben.
Nach Aussagen des Vertreters von Präsident Putins Präsidialverwaltung, Aslanbek Aslachanow, kostete Russlands Krieg in Tschetschenien bereits über 300.000 Menschen das Leben. Russische Menschenrechtsorganisationen sprechen von über 2.000 vermissten Personen, die willkürlich verschleppt wurden. Und die Welle der Gewalt reißt nicht ab. Die von Putin geförderte Tschetschenisierung des Konflikts führe zu einer Willkürherrschaft der sogenannten "Kadyrowzy".
Ramsan Kadyrow (30 J.), der als äußerst korrupt, rücksichtslos und gnadenlos gilt, wird uneingeschränkt von Präsident Putin gefördert und unterstützt. 2005 zeichnete Putin ihn mit dem Orden "Held der Russischen Föderation" aus. Danach folgte die Auszeichnung durch die Russische Akademie der Wissenschaften mit dem Orden des Peter des Großen am Band. Am Tag seiner Inauguration wird Kadyrow vom dubiosen Internationalen Komitee für die Verteidigung der Menschenrechte (ein von Angehörigen des FSB-Geheimdienstes und hohen Militärs gegründeter Verein) ausgezeichnet. Derweilen schröpft der pseudo-Menschenrechtler die Bevölkerung ? jeder Arbeitende hat 30% bis 50% seines Monatseinkommens an einen fragwürdigen Kadyrow-Fond abzugeben ? und baut sein Gewaltregime mit Moskaus Gnaden aus.
Während Russlands zweiten Tschetschenienkriegs stellte Kadyrow mit Hilfe des russischen FSB-Geheimdienstes und des Militärgeheimdienstes GRU eine eigene Söldnertruppe zusammen, mit der er bis heute Tod und Schrecken in Tschetschenien verbreitet. 75% aller Ermordungen, Verschleppungen und Entführungen in Tschetschenien ? so wird geschätzt - gehen auf das Konto der "Kadyrowzy". Meldungen von Menschenrechtsorganisationen darüber werden aber kaum mehr von der Öffentlichkeit wahrgenommen, auch deswegen, weil der Kreml mit fragwürdigen juristischen Mitteln diejenigen mundtot macht bzw. mundtot zu machen versucht, die über die Lage in Tschetschenien berichten, wie z.B. die Gesellschaft für Russisch-Tschetschenische Freundschaft, die am 23. Januar 2007 verboten wurde.
Eine unabhängige Berichterstattung gibt es kaum, nachdem die mutige russische Journalistin Anna Politkowskaja, die als Sprachrohr für die leidende tschetschenische Zivilbevölkerung galt, im Oktober 2006 ermordet wurde. Vor ihrer Ermordung arbeitete sie an einer Artikelreihe über Folter und Entführungen in Tschetschenien und die Rolle Präsident Putins dortigen Statthalter, Ramsan Kadyrow, bei diesen Verbrechen. Ihren letzten Auftritt hatte sie am 5. Oktober 2006 in einer Sendung des Radio Liberty, in der sie über Tschetschenien berichtete und Ramsan Kadyrow als "bis zu den Zähnen bewaffneten Feigling" bezeichnete, und den Wunsch äußerte, ihn bald auf der Anklagebank zu sehen. Zwei Tage später war sie tot.
Im März 2007 bezeugten ehemalige Mitglieder der mit Ramsan Kadyrow kooperierenden Bajsarow-Bande in einem Offenen Brief Kadyrows Mittäterschaft am Mord von Anna Politkowskaja. Nach deren Aussage hatte Kadyrow unmittelbar vor Politkowskajas Ermordung drei Personen zu einem Treffen mit einem FSB-Oberst Igor Dranez nach Moskau beordert, der ihnen den Plan ihres Wohnhauses zeigte. Am frühen Morgen des Tags ihrer Ermordung wurden sie in Begleitung von drei Autos zum Tatort gebracht. Dranez gab per Funk das Kommando "Diese da", worauf einer von ihnen A. Politkowskaja erschossen hatte. Danach kehrten die drei nach Tschetschenien zurück, um Kadyrow Bericht zu erstatten. Nach dem Gespräch mit ihnen gab Kadyrow seiner Wache den Befehl, sie nach Hause zu bringen. Unterwegs in der Nähe von Chosi-Jurt brachte die Wache sie in den Wald und erschoss sie.
siehe auch:
Tschetschenien 2003: Das Verfassungsreferendum und der blutige Alltag danach
Tschetschenien: Moskaus Versuchsfeld für giftige Substanzen. IGFM, Oktober 2002
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