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Demonstrationen und Verhaftungen von Menschenrechtlern
 Zwei ägyptische Polizisten folterten den 28-jährigen Khaled Saied zu Tode. Foto: ismailalex.blogspot.com
Kairo ? Frankfurt am Main (18.06.2010) Nach dem Foltertod eines ägyptischen Anti-Korruptionsaktivisten in Alexandria im Treppenhaus eines Wohnhauses entgleitet der öffentliche Protest der Kontrolle der Behörden. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, folterten zwei ägyptische Polizisten den 28-jährigen Khaled Saied zu Tode, nachdem dieser einen Handy-Film verbreitet hatte, der die Korruption ägyptischer Polizisten im Zusammenhang mit Drogenhandel dokumentierte. Nach größer werdenden Demonstrationen in Kairo fand gestern auch in Alexandria, der zweitgrößten Stadt Ägyptens, eine Massendemonstration statt. Die Behörden reagierten mit Verhaftungen von über 40 Menschenrechtsaktivisten.
Gewalt und Willkür durch Polizeibeamte ist nach Angaben der IGFM in Ägypten alltäglich. Der Foltertod vor einer großen Gruppe von Zeugen in einem Treppenhaus sei aber ein Präzedenzfall. Einzigartig sei auch, dass eine größere Gruppe von Zeugen den Mut fanden, darüber zu berichten, und dass politisch nicht aktive Ägypter sich den Protesten angeschlossen haben.
Tod im Treppenhaus
Am 10. Juni drangen zwei uniformierte Polizisten in ein Internetcafe in Alexandria ein, drehten dem 28-jährigen Khaled Saied die Arme auf den Rücken und begannen vor Zeugen, auf ihn einzuschlagen. Auf die dringende Aufforderung des Besitzers verließen die Polizisten schließlich das Internetcafe und schleppten ihr Opfer in den nächsten Treppeneingang. Durch die Schreie des Opfers sammelten sich dort nach kurzer Zeit zahlreiche Bewohner des Hauses, die schließlich auf die Polizisten einschrien ? aber nicht wagten, körperlich gegen die bewaffneten Polizisten einzuschreiten. Khaled Saied wurde von den Beamten unter anderem mit dem Kopf auf die Treppenstufen geschlagen. Ein Handyfoto vom Gesicht des Toten zeigt seine eingeschlagenen Zähne und seinen ausgerenkten Unterkiefer.
Staatliche Medien berichteten daraufhin, dass das Opfer drogenabhängig gewesen sei und den Tod ?verdient? habe. In einer Presseerklärung des ägyptischen Innenministeriums wurde auf den angeblich schlechten Charakter des Opfers hingewiesen. So hätte Khaled Saied sich beispielsweise vor dem Militärdienst gedrückt. Die unabhängige Tagezeitung Al Masry al Youm wagte daraufhin, die amtliche Bescheinigung über den abgeleisteten Wehrdienst des Opfers abzudrucken. Nach Einschätzung der IGFM ist auch dies ein einzigartiger Vorgang.
Unterdessen gehen die Proteste gegen die Folter in Ägypten weiter. Am 17. Juni gab die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft bekannt, dass der Leichnam des Anti-Korruptionsaktivisten für eine Autopsie exhumiert werden soll.
Bilder von den Demonstrationen in Alexandria: [zu den Bildern ...]
Der Handy-Film zu Korruption ägyptischer Polizisten, der zum Foltertod von Khaled Saied führte: http://www.youtube.com/watch?v=9vKbJXIPMJA
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