|
IGFM: Zwei christliche Pfarrer angeblich immer noch Muslime und deshalb vom Gericht freigesprochen ? Hat das Urteil nur vorübergehend Bestand?
 Pfarrer Mahmoud Matin Azad: Freispruch auf Zeit? Bild: bpnews.net, compassdirect.org
Shiraz - Frankfurt am Main (3. November 2008) ? Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, wurden zwei inhaftierte Pfarrer, Mahmoud Matin Azad (52 J.) und Arash Basirat (44 J.), am 25. September vom Gericht in Shiraz freigesprochen. Beide befanden sich seit dem 15. Mai 2008 wegen "Abfalls vom Islam" in Haft. Laut Urteilsbegründung wären die Männer "nicht vom Islam abgefallen", was aber im Widerspruch zu den Aussagen der Freigesprochenen steht. Sie bekennen sich offen zum Christentum und haben dies vor Gericht so zu Protokoll gebracht. Die Pfarrer vermuten, dass hinter dem Fehlurteil eine politisch motivierte Verzögerungstaktik steht und ihre Freilassung nur eine auf Zeit sein könnte.
Die Gerichtsakten der Verhandlung vom 25. September enthalten eine scheinbar gefälschte Erklärung der Angeklagten, wonach sie nie zum Christentum übergetreten wären. Auch die Richter hätten laut den Akten angeblich keine Indizien für die Konvertierung der Männer gefunden. Pfarrer Mahmoud Matin Azad hat nach eigenen Angaben vor Gericht ausgesagt, als Geistlicher einer christlichen Gemeinde tätig zu sein. Dass er dem Islam angehöre, sei weder von ihm selber noch vom Gericht behauptet worden. Auch Kirchenmitglieder bestätigten Pfarrer Azads Zugehörigkeit zum Christentum.
IGFM: Vor den Wahlen kann Präsident Ahmadinedschad kein Todesurteil gegen christliche Konvertiten gebrauchen
Die offensichtliche Falschdokumentation des Gerichts lässt sich mit der aktuellen politischen Situation begründen. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad steht kurz vor der Wiederwahl und ist daher auf die Gunst der Presse und der Politik angewiesen. Eine Verurteilung oder Todesstrafe wegen "Abfalls vom Islam" würde sowohl in Teilen der iranischen Bevölkerung als auch in der internationalen Gemeinschaft heftige Kritik auslösen.
Die Pfarrer, die am 30. September aus der Haft entlassen wurden, nahmen ihren Freispruch mit Vorbehalt zur Kenntnis. Sie vermuten hinter dem Vorgehen des Gerichts die Absicht, sie erneut festnehmen zu lassen, sobald sie ihre Tätigkeit in ihrer christlichen Gemeinde wiederaufnehmen. Ebenso besteht die Gefahr, dass sie trotz Freispruchs von radikalen Islamisten umgebracht werden, wie dies im Falle von Mehdi Dibaj geschah. Nach seinem Freispruch im Jahr 1994 wurden er und vier weitere Pfarrer brutal ermordet.
Das iranische Parlament stimmte am 9. September 2008 in der ersten Lesung einem Gesetzesentwurf zu, der für den "Abfall vom Islam" die Todesstrafe vorschreibt. Sollte er Eingang in das iranische Strafgesetzbuch finden, hätte dies weitgehende Konsequenzen für die im Iran lebenden Christen, so die IGFM.
|