|
Isoliert, gedemütigt, schikaniert ? als Invalide durften die vietnamesischen Pastoren
Nguyen Lap Ma und Nguyen Nhat Thong in die USA
 Pastor Nguyen Lap Ma  Pastor Nguyen Nhat Thong
Washington / Frankfurt am Main (14. Juni 2006) ? Der vietnamesische Pastor Nguyen Lap Ma, ehemals Superintendent der Evangelischen Kirche Südvietnams (EKV), und seine Frau sind heute nach Jahren der Verfolgung aus Vietnam in die USA ausgereist. Der von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) betreute Pastor wurde 1982 aus seiner Kirche und seinem Haus vertrieben und stand seitdem unter Hausarrest. Die in den USA ansässige Boat People SOS (BPSOS) und die IGFM haben sich dafür eingesetzt, dass Pastor Lap Ma in das US-amerikanische Priority One Programm für politisch verfolgte Menschen aufgenommen wurde. Mit in dieses Schutzprogramm aufgenommen wurde der ebenfalls von der IGFM betreute evangelische Pastor Nguyen Nhat Thong, der bereits im April in die USA reisen konnte. Beide Organisationen rufen andere westliche Nationen auf, verfolgte Christen in Vietnam aufzunehmen, die in ihrer Heimat keine Lebensperspektive mehr haben.
Pastor Nguyen Lap Ma, 69 Jahre, war Superintendent der Evangelischen Kirche Südvietnams (EKV) für das südwestlichen Gebiets Vietnams. Weil er sich geweigert hatte, seine Kirche in der Stadt Can-Tho den kommunistischen Behörden zu übergeben, wurden er und seine Familie 1982 in ein abgelegenes Dorf verbannt. Er stand dort mit seiner 13-köpfigen Familie samt Enkelkindern unter Hausarrest. Er durfte weder predigen noch Kontakte zu anderen Menschen pflegen. Als Städter mussten sie sich mit einem Stück unfruchtbaren Landes durchschlagen. Die Behörden organisierten regelmäßig Hetz- und Verleumdungskampagnen gegen die Familie, um sie gesellschaftlich völlig zu isolieren. Weil der Vater als ?schlechtes Element? galt, wurden drei seiner erwachsenen Kinder von ihren Arbeitgebern entlassen. Die Familie besaß nicht die in Vietnam lebensnotwendige Familienregistrierkarte, vier Kinder haben keinen Personalausweis, zwei Enkelkinder keine Geburtsurkunde. In dem 24jährigen Exil hat Pastor Lap Ma sich über zwanzigmal erfolglos an die vietnamesische Staatsführung gewandt, um sich über die Drangsalierungsmaßnahmen gegen ihn und seine Familie zu beschwerden.
Seit 30 Jahren verweigerten die Behörden der Provinz Binh Thuan Pastor Nguyen Nhat Thong, 55 Jahre alt, einen festen Wohnsitz, weil er als "illegal handelnder Pastor" abgestempelt wurde. Seine Ernennung zum Pastor der EKV wurde nicht anerkannt. Er dürfte weder predigen noch an einer Kirchenversammlung teilnehmen. Seine Familie fand Asyl bei Freunden und Bekannten. Sie musste ständig den Wohnort wechseln, weil die Gastgeber regelmäßig von der Polizei durch Verhöre und Hausdurchsuchungen belästigt worden waren. Weil die Polizei ihn öfter tagelang festhielt, konnte Pastor Thong seinen Lebensunterhalt kaum selbst verdienen. Auch seine Familie wurde in Mitleidenschaft gezogen. Seine Frau wurde mehrmals verhaftet, weil sie Angehörigen von ethnischen Minderheiten helfen wollte. Zwei Söhne wurden wegen eines harmlosen Streits mit dem Kind eines Parteisekretärs aus der Schule bzw. grundlos nach sechs Semestern aus der Universität verwiesen. Eine Tochter fand nach dem Studium aufgrund praktizierter Sippenhaft keine Arbeit.
Wegen der Drangsalierung sind beide vietnamesischen Pastoren gesundheitlich sehr angeschlagen. Pastor Nguyen Lap Ma leidet unter Gedächtnisschwund und Parkinson-Krankheit. Pastor Nguyen Nhat Thong ist nach mehreren Schlaganfällen gehbehindert und auf einem Auge fast blind. Unter diesen Umständen sieht die IGFM die Ausreise als einzige Möglichkeit, die beiden evangelischen Pastoren medizinisch adäquat behandelt zu lassen und für sie ein religiöses Leben nach ihrem Wunsch zu ermöglichen. BPSOS und IGFM wünschen Pastor Nguyen Lap Ma alles Gute in der neuen Heimat. Sie bedanken sich für das große Engagement der US Regierung bei der Ausreise von Pastor Nguyen Lap Ma und Pastor Nguyen Nhat Thong und der vielen tausenden Menschen, die sich für deren Freiheit eingesetzt hatten.
|