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Chef der Scharia-Polizei führte gewalttätige Demonstranten in Kano an - Nigerianische Menschenrechtler fordern mehr Wachsamkeit
 Generalvikar der Katholischen Diözese von Enugu, Prof. Obiora Ike
Kano / Enugu / Frankfurt (13. Mai 2003) - Vertreter verschiedener muslimischer Organisationen nahmen am vergangenen Dienstag an einer Konferenz in Kano, der Hauptstadt des unter der Scharia stehenden Bundesstaates Kaduna, teil. Das Treffen wurde mit der Ankündigung beendet, die Muslime des Nordens wollten den Kampf gegen die Christen künftig bis zum Ende mit Waffen austragen. Unmittelbar darauf, so berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), gingen islamistische Demonstranten auf die Straßen von Kano. Angeführt wurden sie von Sheik Umar Kabo, dem Präsidenten des Staatsbüros der Uslama (Scharia-Polizei). Die gewalttätigen Demonstranten griffen Nicht-Muslime und deren Eigentum an. Dutzende von Menschen wurden getötet.
Nach Auffassung der IGFM ist dies die erste Reaktion auf den Vergeltungsangriff vornehmlich christlicher Bevölkerungsgruppen von Yelwa auf Muslime in dieser Stadt des nordnigerianischen Bundesstaates Plateau State. Es gilt, die Gewaltspirale durch gemeinsame Anstrengungen der nigerianischen Regierung, gemässigter christlicher und muslimischer Führer von Menschenrechtsorganisationen und der internationalen Gemeinschaft sofort zu stoppen. In dem mit über 130 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Staat Afrikas arbeitet eine nationale Gruppe der IGFM.
In einer persönlichen Stellungnahme des Generalvikars der Katholischen Diözese von Enugu, Prof. Obiora Ike, sagt dieser wörtlich: "Einige dieser Untaten haben einen religiösen Hintergrund, den der muslimisch-christlichen Spaltung. Tiefer noch wirkt die Armut der Menschen und deren politische Manipulation durch regionale Politiker. Die Einführung der Scharia im Norden hat zu neuen Spannungen geführt. Wir verurteilen das sinnlose Morden, egal ob begangen von Muslimen oder fundamentalistischen Christen, und appellieren sowohl an die Regierung, die Bundesstaaten als auch an die Menschen selbst, aufzuwachen und dem Frieden eine reale Chance zu geben. Wir werden innerhalb der nächsten Wochen eine Konferenz über die Gewalt in Nigeria mit Vertretern von unterschiedlichen Interessengruppen abhalten. Dabei werden wir uns auf das Thema "Jugend und Gewalt" konzentrieren. Diese Zielgruppe kann leicht Opfer von Missbrauch und anfällig für Gewalt werden. Wir appellieren an die Europäische Union, die Internationale Gemeinschaft und an Menschenrechtsorganisationen, ihre Aufmerksamkeit mehr denn je auf Nigeria zu lenken und Druck auf die Regierung auszuüben. Die Regierung muss die Menschenrechtsstandarts erfüllen und alle Rechtsgrundsätze garantieren."
IGFM: Regierung Obasanjo muss handeln
Die IGFM fordert die nigerianische Regierung dringend dazu auf, Maßnahmen einzuleiten gegen die enormen Verletzungen der Menschenrechte sowie den damit einhergehenden Missbrauch, Verlust an Menschenleben und die Zerstörung von Eigentum. Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM erklärte dazu: "Die Revision der Einführung der Scharia in Nordnigeria liegt in der Verantwortung der Regierung von Präsident Obasanjo. Umgehend muss die Nichtanwendung der Scharia auf Nicht-Muslime sichergestellt werden. Wenn die Erklärung der muslimischen Organisationen zur Richtschnur für die gesellschaftliche Auseinandersetzung wird, erscheint ein Bürger- bzw. Religionskrieg unausweichlich. Die Internationale Gemeinschaft darf die Entwicklung in Nigera nicht ignorieren," meinte Lessenthin, "sie muss erkennen, dass die Entwicklung in dem wirtschaftlich und geopolitisch so bedeutendem Nigeria die Zukunft Schwarzafrikas wesentlich mitbestimmt."
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