15.02.2006 10:52 Uhr

Iran: Religionsfreiheit unter Ahmadinedschad weiter eingeschränkt

Pastor Pourmand ein Jahr in Haft ? Konvertiten aus dem Islam,

missionarisch aktive Christen und Baha?i im Iran besonders gefährdet



Hamid Pourmand: drei Jahre Haft wegen Übertritts zum Christentum

 

Frankfurt/M. (15. Februar 2006) - Aus Anlaß des vor einem Jahr von einem Militärgericht in Teheran verurteilten christlichen Laienpredigers Hamid Pourmand weist die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf eine deutlich verschlechterte Lage von Nichtmuslimen im Iran unter Präsident Mahmoud Ahmadinedschad hin. Konvertiten aus dem Islam, missionarisch aktive Christen und Anhänger der religiösen Minderheit wie z.B. der Baha?i werden diskriminiert und verfolgt. Für Folter und ungeklärte Todesfälle macht die Menschenrechtsorganisation den iranischen Geheimdienst verantwortlich. Die IGFM befürchtet, daß Ahmadinedschad die islamkritischen Karikaturen zu einem Feldzug gegen Nichtmuslime nutzen könnte und fordert von den Staaten der europäischen Gemeinschaft ein engagierteres Eintreten für die Achtung der Religionsfreiheit weltweit und deutlichere Gewichtung der Bekenntnisse iranischer Nichtmuslime in Asyl- und Bleiberechtsverfahren.

Am 16. Februar 2005 hat ein Militärgericht in Teheran den christlichen Laienprediger Hamid Pourmand zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und seine sofortige Einweisung in Teherans berüchtigtes Evin-Gefängnis angeordnet. Der frühere Oberst wurde der Täuschung der Streitkräfte für schuldig befunden, da er seinen Vorgesetzten den Übertritt vom Islam zum Christentum nicht mitgeteilt haben soll.

Am 22. November 2005 wurde der freikirchliche Pastor und Konvertit Ghorban Tori in der Stadt Gonbad-e-Kavus gekidnappt und erstochen. Kurz nachdem der iranische Präsident im November vor 30 Provinzgouverneuren die Beendung der blühenden Hauskirchenbewegung erklärt hatte, wurde bekannt, daß zehn weitere christliche Konvertiten in verschiedenen Städten, darunter Teheran, vorübergehend durch die Geheimpolizei eingesperrt und gequält worden waren.

Am 15. Dezember 2005 wurde der Baha?i Dhabihu`llah Mahrami tot in seiner Zelle im staatlichen Gefängnis in der Stadt Yazd aufgefunden. Der 59jährige war wegen angeblicher Apostasie verurteilt worden und bereits seit 6.9.1995 inhaftiert. Die Zahl der verhafteten Baha?i-Mitglieder hat 2005 gegenüber den Vorjahren deutlich zugenommen. Am 16. Dezember 2005, dem Tag der Beisetzung von Mahrami, drückte die Generalversammlung der Vereinten Nationen ihre ?ernsthafte Besorgnis? über die Menschenrechtslage im Iran und die anhaltende Verfolgung der Baha?i-Gemeinde aus.

Wegen der Proteste in iranischen Städten im Zusammenhang mit dem Karikaturenstreit befürchtet die IGFM ähnlich wie in anderen islamischen Ländern eine weitere Bedrohung der knapp 1% Nichtmuslime im Land. Die IGFM appelliert an die Europäische Union, die Lage der Christen und das Menschenrecht auf Religionsfreiheit im Iran mehr zur Sprache zu bringen. Die IGFM fordert zudem eine deutlichere Berücksichtigung des Bekenntnisses insbesondere zum Christentum glaubwürdig übergetretenen Iranern in Asyl- und Bleiberechtsverfahren.






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