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IGFM: Islamistische Politiker steuern Konfrontationskurs - Richter wollen Fünfzehnjährige mit 100 Peitschenhieben bestrafen
 Nigeria: Mallam Ibrahim Shekarau, islamistischer Gouverneur von Kano, setzt in seinem Bundesstaat die Sharia durch.
Alkari / Fulda / Frankfurt/M. (27. Januar 2004) - Der 45jährige Vater von drei Kindern Umaru Tori ist zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Ihm wird eine sexuelle Beziehung zu seiner 15jährigen Stieftochter vorgeworfen, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). "Seit 1999 wurde in zwölf Bundesstaaten Nigerias das Strafrecht der Scharia eingeführt?, erläutert Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM. Der Menschenrechtler sagte gegenüber unserer Zeitung: "Mit der Scharia verbunden sind barbarische Körperstrafen wie die Auspeitschung, die Amputation von Gliedmassen und Körperteilen sowie die Steinigung. Die Scharia regelt aber nicht nur das Strafrecht, sie verstößt auch gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau und weist der Frau eine untergeordnete Rolle zu."
Umaru Toris namentlich nicht bekannte Stieftochter wurde "nur" zu einer Strafe von 100 Peitschenhieben verurteilt, da sie noch minderjährig ist. Das Urteil wurde vom "Hohen Schariagericht" in Alkari, einer Stadt in der Provinz Bauchi im Norden Nigerias, gefällt. Den Verurteilten bleibt nur bis zum 29. Januar Zeit, gegen das Urteil Einspruch einzulegen.
Im Zusammenhang mit dem Urteil gegen Umaru Tori kündigte der Gouverneur der benachbarten Provinz Kano, der islamistische Politiker Mallam Ibrahim Shekarau an, dass keine "Einschüchterungsversuche, Kampagnen oder Erpressungen seine Verwaltung davon abhalten könnten", die Scharia Gesetzgebung vollends durchzusetzen. Er rief die islamischen Gelehrten auf, sich in ihrem Auftrag der Verbreitung des Islam zu vereinen. Kano und Bauchi sind zwei der zwölf nordnigerianischen Bundesstaaten, die im Jahr 2000 das Rechtssystem der Scharia eingeführt haben.
Die Scharia in den Nordstaaten ist ein paralleles, der nigerianischen Verfassung widersprechendes Rechtssystem, so die IGFM. "Nigeria ist Afrikas bevölkerungsreichster Staat. Nigeria ist zugleich eine militärische Großmacht auf dem schwarzen Kontinent und gilt als Schlüsselstaat für den Versuch die Scharia auf weitere afrikanische Staaten auszudehnen. Obschon es im Lande keine muslimische Mehrheit gibt, ist Nigeria der Konferenz islamischer Staaten beigetreten. Die IGFM möchte die Weltöffentlichkeit alarmieren, dass die Anhänger der Scharia diese Rechtsordnung jetzt auf weitere Bundesstaaten im Südwesten Nigerias übertragen wollen. Dazu gehört die Metropole Lagos mit ihren mehr als zehn Millionen Einwohnern"; erklärte Lessenthin.
Internationaler Protest konnte mehrfach Steinigungen verhindern
Die IGFM hat sich in den beiden vergangenen Jahren erfolgreich für die zum Tod durch Steinigung verurteilten Mütter Amina Lawal und Safija Hussaini eingesetzt, einige Fälle sind noch anhängig. Bekannt wurden in Nigeria Steinigungs-Urteile gegen acht Personen. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsgesellschaft geht davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt. Der bekannteste Fall war der von Amina Lawal. Sie wurde wegen "Unzucht" zur Steinigung verurteilt, weil sie schwanger geworden war ohne verheiratet zu sein. Amina Lawal konnte - dank einer internationalen Protestwelle gerettet werden. Die IGFM hatte sich durch Appelle und Unterschriftenaktionen für Frau Lawal eingesetzt. Martin Lessenthin: "Bereits 350.000 Bürger haben bisher den Appell der IGFM zur Überwindung der Steinigung unterzeichnet. Wir setzen unsere Unterschriftensammlung fort und möchten die Bundesregierung zu einer Initiative im Rahmen der Vereinten Nationen für die Überwindung der Steinigung bewegen."
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