|
IGFM: Folter, Erpressung und Vertreibung beim Bau eines ökologischen Touristenzentrums
 Con Dau am 04.05.2010: Katholiken mit dem Sarg der Verstorbenen vor ihrem von Sicherheitskräften abgeriegelten Gemeindefriedhof.
Frankfurt am Main (30. August 2010) ? Die katholische Gemeinde Con Dau wird bald nicht mehr existieren, prognostiziert die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in ihrer Dokumentation "Gewaltsame Enteignungen wegen Errichtung einer Touristenanlage in Da Nang - Erpressung, Inhaftierung und Folter katholischer Gläubiger". Die Menschenrechtsorganisation stellt fest, dass die vietnamesische Regierung in den letzten Monaten exzessive Gewalt gegen die Gemeinde angewandt hat, um die rund 2.000 Katholiken aus ihrem Heimatort zu vertreiben. Die IGFM ruft Vietnam auf, der Spirale der Gewalt gegen die Katholiken von Con Dau unverzüglich Einhalt zu gebieten.
Ferner appelliert die IGFM an die EU und die USA, den brutalen und systematischen Menschenrechtsverletzungen in Con Dau nicht mehr tatenlos zuzuschauen, sondern sich für das Leben, die Gesundheit und Sicherheit der Dorfbewohner sowie den Erhalt der Gemeinde einzusetzen. Westliche Staaten sollten den religiös Verfolgten aus Con Dau, die nach Thailand flüchteten, Asyl gewähren.
Die Gemeinde Con Dau nahe der zentralvietnamesischen Stadt Da Nang wurde vor 135 Jahren von aus religiösen Gründen verfolgten Katholiken aufgebaut. Daher sind Kirche und Friedhof Teil des Kulturerbes, das die Katholiken in Con Dau nicht aufgeben möchten. Ausgelöst wurde der Streit um Con Dau durch das Vorhaben, dort ein ökologisches Tourismuszentrum einzurichten. Dieses Großprojekt steht unter der Leitung des Sekretärs der regierenden Kommunistischen Partei von Da Nang. Die Katholiken wehrten sich gegen die skrupellose Enteignungspolitik, weil sie umgesiedelt werden sollen und sich aufgrund lächerlicher Entschädigungsangebote seitens der Regierung betrogen fühlen und Angst um ihre Existenz haben. Außerdem wollen sie als Glaubensgemeinschaft in der Nähe ihrer Kirche und ihres Friedhofs leben. Die kommunistische Regierung Vietnams beruft sich bei der Enteignung auf das Eigentumsrecht des Staates auf das ganze Land und argumentiert, dass die Bevölkerung kein Eigentums- sondern nur ein Nutzungsrecht auf die ihr zugeteilten Grundstücke habe.
Die Situation in Con Dau eskalierte, als die Regierung im Januar 2010 begann, den Druck auf die Katholiken vehement zu erhöhen. Den Höhepunkt bildete der Versuch der Polizei und der Sonderkräfte, im Mai 2010 die Beerdigung der Katholikin Dang Thi Tan auf dem Gemeindefriedhof zu verhindern und den Sarg zu beschlagnahmen. Dabei ging die Polizei mit brutaler Gewalt gegen die Trauergäste vor, infolge der rund einhundert Menschen schwere Verletzungen davontrugen. Rund 60 Katholiken kamen in Haft und auf der Polizeistation der Bezirksregierung Cam Le gefoltert. Auf diese Weise presse man ihnen Geständnisse ab, sie hätten angeblich gesetzwidrig gehandelt, und mussten einen vorgelegten Vertrag über den Verkauf ihres Landes sowie auf Umsiedlung unterzeichnen. Danach kamen bis auf wenige alle Gefangenen einige Tage später frei, doch die Repressalien gegen die Dorfbewohner nahmen kein Ende. Durch fortlaufende Auswertung ihrer Videoaufnahmen vom Tag der Beerdigung identifizierte die Polizei immer mehr sogenannte "Verdächtige".
Die täglich stattfindenden Verhöre, Festnahmen und Misshandlungen durch die Polizei erzeugten im Dorf eine Atmosphäre der Angst, die durch den gewaltsamen Tod des Gemeindemitglieds Nguyen Thanh Nam im Juli 2010 noch verstärkt wurde. Herr Nam, einer der Sargträger, wurde nach seiner Festnahme so misshandelt, dass er kurz danach seinen Verletzungen erlag. Neun Personen befinden sich in Haft und wurden wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" und "Behinderung von Beamten im Dienst" unter Anklage gestellt. Aus Angst vor der Verfolgung und Folter tauchten einige Dutzend Katholiken unter oder flohen ins Ausland.
|