04.03.2004 10:00 Uhr

Kuba: Inhaftierter Dissident erhebt schwere Vorwürfe gegen kubanische Staatsorgane

Rassistisch motivierte Übergriffe des Gefängnspersonals auf den Langzeitgefangenen Afrokubaner, Jorge Luís García Pérez "Antúnez"



Jorge Luís García Pérez, genannt "Antúnez"

Gefängnis Ariza in der Provinz Cienfuegos


Havanna / Frankfurt (04. März 2004) - Dem politischen Gefangenen Jorge Luís García Pérez, genannt "Antúnez", gelang es kürzlich, einen am 8. Januar verfaßten Brief aus dem Gefängnis zu schicken. In dem der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt vorliegenden Dokument richtet er einen Appell an die internationale Öffentlichkeit und beklagt die systematischen Repressionen und gewaltsamen Übergriffe durch Mitarbeiter der kubanischen Stasi (Staatssicherheitsdienst) und durch das Gefängnispersonal. Die IGFM appelliert an die deutsche Regierung, sich Antúnez? Schicksals anzunehmen und seine uneingeschränkte und sofortige Freilassung zu fordern.

Der Langzeitgefangene Antúnez ist bereits seit fast 14 Jahren in Haft, weil er ein vehementer Kritiker des totalitären Regimes in seiner kubanischen Heimat ist. Der Staat wirft ihm "Mündliche Feindpropaganda" und "Geplante Sabotage" vor. Zur Zeit befindet sich der Gewissensgefangene in einer Isolierzelle im Gefängnis Ariza in der Provinz Cienfuegos.

In seinem Brief beschreibt Antúnez die allgemeinen Zustände im Gefängnis und die Behandlung, die er als politischer Gefangener erfährt. Weil er sich weigerte, die Uniform krimineller Gefangener zu tragen, sich bereits 1991 als "Preso Plantado" (politischer Gefangener) bezeichnete und sich den gefängnisinternen, kommunistischen Schulungen widersetzte, wurde und wird er vom Gefängnispersonal geschlagen. Infolge der Mißhandlungen erlitt er mehrfach Knochenbrüche. Zusätzlich berichtet der Kubaner afrikanischer Abstammung über rassistisch motivierte Übergriffe.

Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM erläutert, daß die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsgesellschaft "immer wieder Meldungen über rassistisch motivierte Übergriffe auf Bürgerrechtler und politische Gefangene" erhält. So seien auch die prominenten Menschenrechtler Dr. Oscar Elias Biscet und Juan Carlos Gonzalez Leiva Opfer rassistischer Diskriminierung. Als während der Repressionswelle im vergangenen Jahr - nach einer längeren Aussetzung der Todesstrafe auf Kuba - erstmals wieder Exekutionen stattfanden, waren drei Afrokubaner die ersten Opfer. In einem Schnellverfahren wurden die von der kubanischen Marine auf See gefaßten Bootsflüchtlinge zum Tode verurteilt und wenige Wochen später hingerichtetet.

Seit November vergangenen Jahres befindet sich Antúnez in einer gesonderten Strafabteilung des Gefängnisses, in einer "erweiterten Hochsicherheitszelle". Er hat in dieser Zeit weder die Sonne gesehen, noch darf er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ein Wärter erklärte ihm, diese Behandlung sei die Bestrafung für seine politischen Äußerungen und die Nichtteilnahme an den politischen Schulungen. Diese sollen die Überzeugungen politischer Gefangener brechen.

In letzter Zeit hat sich der Gesundheitszustand des 38-Jährigen dramatisch verschlechtert. Er leidet unter bronchialen Infektionen, einem Nierenleiden und degenerativen, gesundheitlichen Komplikationen. Sein kürzlicher Hungerstreik - ein Protest gegen die unmenschliche Behandlung - hat ihn zusätzlich ge-schwächt. Ein diagnostizierter Lungentumor, der Antúnez Atembeschwerden verursacht, wurde vom Gefängnis kurzerhand als harmlos erklärt. Dringend benötigte Medikamente und allgemeine medizinische Betreuung werden dem schwerkranken Dissidenten vorenthalten. Auch seine Familie darf ihm keine Medikamente schicken.

 






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