02.03.2004 10:00 Uhr

Kuba: Hungerstreik einer 61jährigen Mutter

IGFM: Gregoria Corrales Borges will vor dem Gefängnis in Matanzas für bessere Haftbedingungen und ein Ende des Psychoterrors gegen ihren seit zehn Jahren inhaftierten Sohn hungern



Luis Campos Corrales wurde am 6. August 1994 verhaftet und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Bild: puentecubainfomiami.org

 

Havanna / Frankfurt (2. März 2004) - Gregoria Corrales Borges, die 61jährige Mutter des politischen Gefangenen Luis Campos Corrales hat angekündigt, dass sie noch in dieser Woche vor dem Aguica Gefängnis in Matanzas einen Hungerstreik beginnen werde, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Von ihrem Vorhaben will die an Diabetis leidende Frau so lange nicht ablassen, wie ihr Sohn in einer Strafzelle der Aguica-Haftanstalt gefangen gehalten wird. Luis Campos Corrales war am 23. Februar 2004 ohne Angabe von Gründen aus dem Gefängnis von Gunajay nach Aguica in Matanzas verlegt worden.

"Sie haben ihn in eine Strafzelle gesperrt haben und ihn dort schlimmer als einen Straßenhund behandelt. Wenn sie ihn nicht aus dieser Zelle herausnehmen, werde ich mich vor das Gefängnis setzen und einen Hungerstreik beginnen, bis zum Tode", erklärte Frau Corrales Borges am 28. Februar 2004 gegenüber Gilberto Figueredo Alvarez, Korrespondent der oppositionellen Nachrichtenagentur "Lux Info Press".

Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM beschreibt Luis Campos Corrales als einen trotz bereits zehnjähriger Haft unbeirrten Freidenker, der durch Isolation von seinen bisherigen Mitgefangenen psychisch gebrochen werden soll. Der jetzt 38jährige politische Gefangene war am 6. August 1994 in seiner Wohnung verhaftet und später zu 25 Jahren Gefängnis wegen angeblicher "Seeräuberei" und "Missachtung des Gerichts" verurteilt worden. "Seeräuberei" wird auf Kuba bereits der Versuch interpretiert, mit einem zu Fluchtzwecken entwendeten volkseigenen Schlauchboot die Karibikinsel zu verlassen, so die IGFM.

Wie die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsgesellschaft weiter berichtet, wurden dem Langzeitgefangenen im Zuge seiner Verlegung in das Aguica-Gefängnis alle Habseligkeiten genommen. "Er wurde in eine Strafzelle eingesperrt als wäre er ein Mörder. Jetzt muß er auf einem Beton"bett" mit nur einer Decke schlafen. Als Bekleidung wurden ihm nur noch ein paar kurze Hosen und drei weiße T-Shirts genehmigt", heißt es im Bericht der IGFM.

Die IGFM beschreibt den Entschluss der 61jährigen Gregoria Corrales Borges zum Hungerstreik als den verzweifelten Versuch einer Mutter, die Weltöffentlichkeit auf den grausamen Umgang des kubanischen Staates mit seinen politischen Gegnern hinzuweisen. Frau Coralles Borges ist nicht nur Diabetikerin, berichtet IGFM-Vorstandssprecher Lessenthin.

Der Menschenrechtler verweist auf einen Bericht von Ada Kaly Márquez Abascal von der auf Kuba verbotenen Demokratischen Partei. Danach leidet die zum Hungerstreik entschlossene Frau auch an zu hohem Blutdruck, einer äußerlichen Nervenentzündung, einer Nierenentzündung, an Entzündungen an ihrem linken Bein. "Opfer der Menschenrechtsverletzungen durch das Castro-Regime sind nicht nur die politischen Gefangenen selbst, sondern immer mehr Angehörige, Freunde und Bekannte der Gefangenen", schließ die IGFM ihren Bericht.

 






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