25.11.2002 11:25 Uhr

Nigeria: Miss World-Veranstalter sollen jetzt für Scharia-Opfer eintreten

IGFM: Wahlzirkus hat Gewaltausbrüche provoziert - Geschäftemacherei auf dem Rücken nigerianischer Christen



Nigeria 2002: Ruinen einer Kirche in Kaduna, die Gemeinde auf der Flucht. Bild: nigeriamasterweb.com


Frankfurt / Abudja / London (25. November 2002) - "Der Miss World Wahlzirkurs hat die jüngsten Gewaltausbrüche in Nigeria provoziert. Er war für extremistische Anhänger der islamischen Gesetzgebung im Fastenmonat Ramadan ein willkommener Anlass zur Mobilisierung fanatisierter Gewalttäter. Die Veranstalter hatten nur ihr Geschäft im Kopf und haben selbst Mahnungen das Leben der Schönheitsköniginnen nicht zu gefährden, ignoriert", kritisiert Karl Hafen Geschäftsführender Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) am heutigen Montag in Frankfurt. Die Schönheitsköniginnen dürfen jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und Amia Lawal sowie die anderen Steinigungsopfer vergessen, appelliert der Menschenrechtler.

Wie berechtigt der Boykott Nigerias - als Land in dem Scharia-Gerichte Steinigungsurteile fällen - durch zahlreiche Schönheitsköniginnen war, ist in der schlimmsten Form bewiesen worden. Hafen: "Die Veranstalter kritisierten die boykottierenden Schönheiten und kündigten Proteste der Teilnehmerinnen in Abudja gegen die Steinigung an, anstatt die Miss World Wahlen rechtzeitig zu verlegen. Jetzt findet die 'Wahlhandlung' doch in London statt, aber der Wahlzirkus lässt hunderte von Toten, Tausende Verletze und Vertriebene hinter sich. Wir fordern die Miss Word-Veranstalter auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und in glaubwürdiger wie ausreichender Weise für das Leben von Amina Lawal und aller anderen Steinigungsopfer einzutreten!"

Hafen nannte es empörend und ignorant, dass sich die Miss World-Chefin Julia Morley jetzt über die internationale Presse beschwert, die ihr 'das Geschäft kaputtgemacht' und den Konflikt in Nigeria aufgeheizt habe. "Die Miss World-Veranstalter selbst waren und sind es, die nur mit Hilfe der Medien ihre Geschäfte machen. Nigeria ist der bevölkerungsreichste Staat Afrikas, dessen Märkte für die Miss Wahl-Veranstalter und Sponsoren erschlossen werden sollten. Die katastrophale Menschenrechtssituation vor allem im Norden und die im Ramadan bekannte, gespannte Lage wurden bewusst ignoriert. Die IGFM hat die deutsche Miss-Agentur und die von der Agentur als Teilnehmerin benannte Simone Wolf-Reinfurt rechtzeitig über die Situation in Nigeria und die Vorboten der Gewalt informiert."

Besonders seit Einführung der Scharia-Gesetze vor zwei Jahren kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen zwischen Moslems und Christen in Nigeria. Zehntausende Christen sind aus den nördlichen Landesteilen in den Süden geflohen. Die in Frankfurt ansässige IGFM erinnert: Bei gewalttätigen Ausbrüchen zwischen Christen und Muslimen kamen am 12. Juli 2002 in der Stadt Wase im Bundesstaat Plateau 500 Menschen ums Leben. In Wase wurden alle Kirchen und christlichen Einrichtungen zerstört; über 10.000 Menschen aus über zehn christlichen Ortschaften wurden vertrieben. 88 Ortschaften von christlichen Angehörigen des Taroh-Volkes wurden im Sommer 2002 nach einem Zeitungsartikel des anglikanischen Geistlichen C. Miner angegriffen und zerstört.






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