28.10.2008 13:15 Uhr

Tibet / VR China: Tibetischer Mönch nach Interview über seine Folterung untergetaucht

IGFM: Die massive Unterdrückung und Gewalt gegen die tibetische Bevölkerung hält auch nach den Olympischen Spielen ungebrochen an



Gefoltert: der tibetische Mönch Jigme Gyatso. Bild: savetibet.org


Tibet - Frankfurt am Main - (28. Oktober 2008) ? Der tibetische Mönch Jigme Gyatso aus dem Kloster Labrang berichtete am 12. September 2008 offen über seine Erfahrungen, die er im Zuge der im März 2008 ausgebrochenen Proteste der Tibeter gegen die Unterdrückung der chinesischen Zentralregierung machte. Nachdem sein Erlebnisbericht, der grauenvolle Details über seine Folterung sowie über die Gewalttätigkeit gegen die gesamte tibetische Minderheit enthält, von AP und auf YouTube veröffentlicht wurde, musste Jigme Gyatso wegen drohender Verhaftung untertauchen. Über seinen Verbleib ist derzeit nichts bekannt.

Jigme Gyatso wurde am 22. März 2008 verhaftet, als er sich auf dem Markt befand. "Vier Soldaten stürzten aus ihrem Auto heraus, nahmen mich fest und zerrten mich ins Fahrzeug", berichtete er. Im Haftzentrum wurde der gefesselte Mönch von vier Soldaten verhört. Ein Soldat setzte den Kolben des Maschinengewehrs an Gyatsos Schläfe und sagte: "Das ist dazu da, um dich 'Ahlos' (chinesisches Schimpfwort für Tibeter) zu töten. Wenn du nur einen Schritt tust, werde ich Dich erschießen." Immer wieder wurde Gyatso gefragt, ob der Dalai Lama die tibetischen Mönche dazu aufgefordert habe, anderer Leute Eigentum zu rauben, in Brand zu stecken und zu zerstören.

Nach ein paar Tagen im Haftzentrum brachte man Gyatso mit weiteren inhaftierten Mönchen ins Gefängnis von Kachu. Dort wurden sie von Soldaten auf Chinesisch herumkommandiert. Da sie kein Chinesisch verstanden, beschimpften die Soldaten sie als "Tiere', 'Dummköpfe' und schlugen mit Knüppeln auf sie ein. Gyatso fährt fort: "Jeden Tag mussten wir Urin und Kot mit bloßen Händen beseitigen und die Fußböden putzen. Die Bedingungen im Gefängnis waren erbärmlich, es gab nicht genug zu essen, zu trinken und kaum was anzuziehen."

Einen Monat lang wurde Gyatso im Gefängnis festgehalten und regelmäßig gefoltert, damit er seine ausländischen Kontakte zugeben sollte. "Sie hängten mich für mehrere Stunden lang an den Armen auf. Ich hing mit den Füßen knapp über dem Boden baumelnd von der Decke herab. Während ich hing, versetzten sie mir mit voller Wucht Fausthiebe ins Gesicht, in die Brust und den Rücken." Nachdem Gyatso bewusstlos wurde, kam er ins Krankenhaus. Danach setzte die Folter fort. Dem Tode nahe wurde er dann erneut ins Krankenhaus eingeliefert, wo er nach sechs Tagen wieder sein Bewusstsein erlangte. Vor seiner Freilassung zwangen sie ihn, seinen Daumenabdruck unter ein Dokument zu setzen, in dem stand, dass er nicht gefoltert worden sei.

Gyatsos Schicksal steht stellvertretend für Hunderte tibetischer Mönche. Sein dringendes Anliegen ist, die brutalen Menschenrechtsverletzungen an den Tibetern durch das chinesische Regime der Öffentlichkeit bekannt zu machen. "Alle friedliebenden Menschen und alle, die die Wahrheit lieben, sollten China anprangern, weil es Tibet für die Medien abriegelt und die Reporter nicht sehen lässt, was in Tibet geschieht. Ich möchte, dass die Weltpresse, die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen aufhorchen und alles tun, damit eine Lösung für die verheerende Lage des tibetischen Volkes gefunden wird. Sie alle können Druck auf China ausüben, damit ein ernsthafter Dialog mit Vertretern des Dalai Lama  zustande kommt und eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung des Tibet-China-Konfliktes erreicht wird."

 






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