16.03.2006 12:25 Uhr

Kuba: Jorge Oliveras Offener Brief an die politischen Führer der USA, Kanada und der EU

"Ich bin Zeuge des Missbrauchs und der Grausamkeit"



Der kubanische Journalist und Herausgeber der staatsunabhängigen Zeitung "Havana Press", Jorge Olivera Castillo. Foto: payolibre.com

 

HAVANNA, (16. März 2006) ? Drei Jahre nach den Massenverhaftungen vom 18. März 2003 ist die politische Verfolgung in Kuba schlimmer denn je. Kubas Bürgerrechtler bitten um Unterstützung der demokratischen Staaten. Einer von Ihnen ist der Journalist Jorge Olivera Castillo (geb. am 8.9.1961). Auch er wurde am 18. März 2003 verhaftet und zu 18 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Er verbüßte seine Haftstrafe im Gefängnis Combinado Provincial de Guantanamo - 1000 km von seinem Wohnort entfernt. Auf internationalen Druck ist er am 6. Dezember 2004 vorzeitig entlassen worden.

In seinem Offenen Brief schreibt Olivera:
"Wegen der spürbaren Verschlimmerung der Unterdrückung in Kuba gegen jeden, der seine Rechte gemäß der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wahrnehmen will, habe ich mich dazu entschlossen, Ihnen zu schreiben und bitte Sie, heute mehr denn je, um Ihre Solidarität und Unterstützung.

Die Aktionen der Regierung in den letzten Monaten haben eine Stufe erreicht, die man schon als Staatsterrorismus bezeichnen könnte.  Banden, unterstützt von der politischen Polizei, haben Schlägereien und Überfälle angezettelt, sowie andere Formen von Angriffen, die nicht weniger alarmierend sind.  Das schlimmste bei dieser Spirale der Unterdrückung ist, dass die Täter straflos ausgehen.  Die Opfer, und auch die möglichen Opfer, fühlen sich völlig alleingelassen, da es keine Institution im Land gibt, die ihre Beschwerden behandelt.

Die kommunistische Partei hat 47 Jahre lang ein Monopol über Konzepte wie Heimat, Land und Staat, ohne einen Raum denjenigen Bürgern zu lassen, die gegenüber der gegenwärtigen Ideologie unterschiedlicher Meinung sind. Der Terror hat eine Dimension erreicht, der die kubanische Familie permanent einschüchtert.  Die Schutzlosigkeit und die Grausamkeit der Unterdrücker wurzeln in einer Doppelmoral und auf dem Schweigen der Mehrheit, die sich davor fürchtet, ins Gefängnis zu kommen oder das Stigma "konterrevolutionär" zu erhalten, wodurch man sofort an den gesellschaftlichen Rand gestellt wird und die Strafe des Systems zu spüren bekommt, das auf einem herumtrampelt, ohne daß sich irgend jemand darum kümmert.

Ich bin Zeuge des Missbrauchs und der Grausamkeit.  Ich wurde im April 2003 zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, weil ich Journalismus ohne die offizielle Zensur betrieben habe.  Sie haben mich trotz meiner Krankheit in eine schwach beleuchtete Zelle gesteckt, in der es von Insekten wimmelte.  Ich musste verunreinigtes Wasser trinken und das Essen wurde einem regelmäßig im Zustand der Fäulnis gereicht.

Am 6. Dezember 2004, nach 20 Monaten und 18 Tagen grausamster Behandlung, hat mich die Gefängnisbehörde unverbindlich aus Gründen meiner Krankheit freigelassen. Nun beabsichtigen sie wiederum, mich ins Gefängnis zurückzubringen.  Sie erlauben mir und meiner Familie nicht ins Exil zu gehen.  Beamte der Immigrationsbehörde verweigern uns ein Ausreisevisum.  Das allein schon wirft ein Licht auf das Land, in dem wir leben. Um mich psychologisch zu destabilisieren und meine Dickdarmprobleme zu verschlimmern, haben die Gerichtsbeamte der Stadt, in der ich lebe, mir neue Re-geln mitgeteilt, die mich demütigen und erpressen sollen.

Seit dem 21. Februar (2006) ist es mir verboten, ohne die Erlaubnis der Gerichtsbehörde weder die Stadtgrenzen von Havanna zu verlassen noch an irgendwelchen Feierlichkeiten oder öffentlichen Ereignissen teilzunehmen.  Sie wollen mir auch eine Arbeit zuweisen, die vom Gericht ausgesucht wird und bei der mein Benehmen von Mitgliedern der kommunistischen Partei, von politischen Vereinigungen und anderen Personen dieses Zentrums, in das ich zugewiesen werde, überwacht werden soll. Wenn ich mich weigere, drohen sie mir, mich wieder zurück ins Gefängnis zu bringen.  Ihr Vorhaben (ihre Absichten sind) ist willkürlich und unehrlich, weswegen ich um Ihre Aufmerksamkeit bitte, für das, was mir in Zukunft zustoßen könnte. Ich bitte Sie herzlich, Ihr Amt zu nutzen und jene in Kuba, die sich um Versöhnung und einen friedlichen Wandel zu Demokratie und Pluralismus bemühen, Ihr Wohlwollen zu erweisen."

 


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Unter den über 300 politischen Gefangenen auf Kuba, deren Fälle die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte dokumentiert hat, sind über vierzig Journalisten, Schriftsteller und Bibliothekare.

Im Rahmen ihrer Cuba Conference 2006






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