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Die IGFM warnt vor Ausweitung von Scharia und Körperstrafen - Kritik an der Haltung des ZMD-Vorsitzenden Dr. Elias

Düsseldorf / Frankfurt/M. (4. September 2003) - Bereits 220.000 Bürger unterstützen durch ihre Unterschrift einen Appell der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) an die Bundesregierung. Berlin soll im Rahmen der Vereinten Nationen oder in bilateralen Gesprächen initiativ werden, um die barbarische Strafe der Steinigung zu ächten. Mit Steinigung wird in Ländern mit islamischer Rechtsprechung, der Scharia, vor allem das Delikt Ehebruch bestraft. In den meisten Fällen sind es Frauen, die von Scharia-Gerichten zum Tod durch Steinigung verurteilt werden, berichtet die IGFM.
Auf dem Weg zur Überwindung der Steinigung setzt die IGFM auf die Unterstützung moderater Muslime. Die Menschenrechtler haben die islamischen Verbände und Gemeinschaften in Deutschland aufgerufen, sich gegen die Steinigung auszusprechen. Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM, erklärte am heutigen Donnerstag vor der Presse in Düsseldorf: "Bei der Abschaffung der Strafform 'Steinigung' sind wir auf den guten Willen der islamischen Gesellschaft angewiesen. Es gilt, die Führer der islamischen Staaten, der islamischen Gemeinschaften und der Gläubigen dafür zu gewinnen, diese Strafmethode selbst zu ächten. Nur so ist gewährleistet, dass diese Bestrafungsart nicht weiter verbreitet wird, sondern gänzlich überwunden wird."
Während sich die islamische Föderation der Alleviten Gemeinden in Deutschland und die Union der muslimisch-türkischen Arbeitnehmer in Deutschland bereits eindeutig gegen die Steinigung aussprachen, sind die Menschenrechtler der IGFM entsetzt, dass sich Dr. Nadeem Elias, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) sich nicht an die Spitze der Steinigungsgegner gesetzt hat, sondern diese Strafform und andere Körperstrafen der Scharia wie Amputationen und öffentliche Auspeitschungen offenbar für rechtens hält, wenn ein "korrektes" Urteil nach islamischem Recht ausgesprochen worden ist.
Die Nigerianerin Amina Lawal ist zu einer Symbolfigur im Kampf gegen die barbarische Steinigung geworden. Sie wurde im März 2002 im nordnigerianischen Bundesstaat Katsina zum Tod durch Steinigung verurteilt, weil sie über zwei Jahre nach ihrer Scheidung ein Mädchen zur Welt gebracht hatte. In den Augen der Scharia-Richter von Katsina war das "Ehebruch" und muss nach islamischem Recht mit dem Tod unter Steinen bestraft werden. Amina Lawals Hinrichtung soll im Januar 2004 stattfinden, falls das Urteil des Scharia-Gerichts nicht aufgehoben wird.
Die IGFM und andere Menschenrechtsorganisationen engagieren sich weltweit um Amina Lawals Leben zu retten. Zugleich weist die IGFM darauf hin, dass es viele Amina Lawals gibt, nicht nur in Nigeria. Auch im Iran, Pakistan und dem Sudan sind Frauen von dieser Strafform bedroht. Indonesische und Malaysische Bundesstaaten haben die Scharia neu eingeführt. Auch in Nigeria ist die Scharia als Strafgesetz neu. Noch vor kapp vier Jahren gab es auch in Nigerias Norden keine Steinigungsurteile. Doch dann übernahm im islamischen Norden ein Bundesland nach dem anderen das islamische Strafrecht. Inzwischen steht sogar die Forderung im Raum, die Südweststaaten Oyo und Lagos unter islamisches Recht zu stellen.
Bis zum diesjährigen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember möchte die IGFM mindestens eine Viertelmillion Unterschriften sammeln und diese dann der Bundesregierung in Berlin vorlegen.
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