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Ranjha Masih trotz Freispruch bis zur Freilassung weiter in Haft - Sorge um Sicherheit und weitere Gefangene
 Ranjha Masih - trotz Freispruchs in akuter Lebensgefahr
Lahore/Frankfurt/M. (10. November 2006) - Ranjha Masih, der seit acht Jahren wegen angeblicher Blasphemie im Zentralgefängnis der pakistanischen Stadt Faisalabad inhaftiert ist, wurde nach Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) am Morgen des 10. November 2006 vom Obersten Gerichtshof in Lahore freigesprochen. Da der Christ Masih bis zu seiner endgültigen Freilassung weitere Tage inhaftiert bleibt, ist die IGFM um sein Leben und seine Sicherheit besorgt. Radikalislamische Mitgefangene hatten in der Vergangenheit Anschläge auf ihn verübt und versucht, ihn zu töten.
Am Morgen des 10. November 2006 hat Richter Asif Saeed Khan Khausa vom Obersten Gerichtshof in Lahore in der Berufungsverhandlung den seit 8 Jahren wegen angeblicher Blasphemie im Zentralgefängnis von Faisalabad inhaftierten Ranjha Masih freigesprochen. Der Staatsanwalt und andere forderten die Todesstrafe, wie sie nach § 295 des pakistanischen Strafrechts für die Beleidigung des Propheten vorgesehen ist. Der 58jährige Katholik war am 8. Mai 1998 am Rande der Beerdigung des katholischen Bischof von Faisalabad, John Joseph, verhaftet worden. Bischof John Joseph hatte sich kurz zuvor auf den Stufen eines Gerichtsgebäudes selbst gerichtet als Protest gegen die Blasphemie-Gesetzgebung des Landes. Ranjha Masih wurde vorgeworfen, eine Reklametafel mit Koranversen mit Steinen beworfen und beschädigt zu haben. Am 26. April 2003 wurde er dafür gemäß § 295 c des pakistanischen Strafgesetzbuches wegen Lästerung des Korans zu lebenslanger Haft und einer Geldstrafe von 50.000 Rupies (ca. 700 ?) verurteilt.
Die IGFM ist besorgt um die Sicherheit von Ranjha Masih, der bis zur endgültigen Freilassung weitere Tage in Haft bleiben muß. Islamische Fanatiker, die in Folge der Terrorbekämpfung Pakistans Gefängnisse füllen, hatten bereits mehrfach die Tötung des wegen Blasphemie angeklagten Masih als religiöse Pflicht angekündigt und ihn schließlich angegriffen. Opfer dieser Verfolgung wurden am 5.4.1994 der Christ Manzoor Masih unmittelbar nach einer Gerichtsverhandlung und der Richter Arif Bhatti am 10. Oktober 1997, der eine Anklage von zwei Christen wegen angeblicher Blasphemie niedergeschlagen hatte, und in seinem Büro erschossen wurde. Auch nach dem Freispruch ist Ranjha Masih seines Lebens nicht sicher. Er muß sich weiterhin versteckt halten. Ein Leben mit seiner Familie ist für ihn wie für die Familienangehörigen lebensgefährlich.
Der Vorwurf der Blasphemie wird in Pakistan nicht nur aus religiösen Gründen erhoben, sondern oftmals aus Neid oder Rache instrumentalisiert. Im Falle des christlichen Schulleiters Pervaiz Masih hatte ein konkurrierender islamischer Schulbetreiber ihm vorgeworfen, gegenüber Schülern korankritische Äußerungen getan zu haben. Im Streit um eine Immobilie wurden erst vor kurzem die leseunkundigen Christen James and Buta Masih, 65 und 70 Jahre alt, beschuldigt, in einem Park von Faisalabad Koran-Seiten verbrannt zu haben.
Die IGFM fordert seit Jahren die Abschaffung des Blasphemieparagraphen. Der pakistanische Präsident Musharraf, der mehrfach geäußert hatte, eine Modifikation des Gesetzes zu unterstützen, sieht sich im Parlament einer großen fundamentalislamischen Gegnerschaft gegenüber, die eine Änderung des Gesetzes verhindern hat. Ajaz-ul-Haq, Parlamentsmitglied und Sohn des früheren Machthabers Zia-ul-Haq, äußerte zum Freispruch von Ranjha Masih: ?Selbst wenn 100.000 Christen ihr Leben verlieren, das Blasphemiegesetz wird nicht abgeschafft.?
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