12.02.2009 14:17 Uhr

Pakistan: Blasphemieprozess gegen christlichen Menschenrechtsverteidiger, Hector Aleem

Misshandlung, Folter, Bedrohung der Familie ? IGFM fordert endgültige Abschaffung des Blasphemiegesetzes



Hector Aleem, Direktor der pakistanischen Menschenrechtsorganisation Peace Worldwide. Bild: pww.org.pk


Frankfurt am Main / Islamabad (12. Februar 2009) - Am 16. Februar wird in Rawalpindi der Prozess gegen den im dortigen Adiyala Gefängnis inhaftierten Direktor der pakistanischen Menschenrechtsorganisation Peace Worldwide, Hector Aleem, fortgesetzt. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kritisiert die menschenunwürdige Behandlung des Bürgerrechtlers und seiner Familie, die Haltlosigkeit der Vorwürfe und die ungesetzliche Festnahme seines Sekretärs. Die IGFM befürchtet, dass der Menschenrechtsaktivist als Blasphemieangeklagter in der Haft Opfer eines Anschlags werden könnte.

In der Nacht des 22. Januar drangen Polizeikräfte gewaltsam in Hector Aleems Haus in Islamabad ein, holten ihn aus dem Bett, beschimpften und misshandelten Frau und Kinder, zerstörten christliche Bilder, verwüsteten die Zimmer, entwendeten Wertsachen und führten den 55jährigen ab. Sie gaben ihm nicht mal die Möglichkeit, sich anzukleiden. Hector Aleem wurde zunächst fünf Tage auf einer Polizeistation festgehalten, wo er misshandelt wurde. Seit Ende Januar sitzt er im Gefängnis an der Adiyala Road von Rawalpindi ein.

Auslöser der Polizeiaktion war eine Anzeige der militanten islamischen Organisation Tehrik-e-Sunat, die Aleem angeblicher blasphemischer SMS-Botschaften bezichtigte. Basharat Khoker, Aleems Sekretär, wurde zwei Wochen später, am 2. Februar 2009, verhaftet und gefoltert. Hector Aleem setzt sich seit Jahren engagiert für die christliche Minderheit in Pakistan ein und hatte sich zuletzt in einem Grundbesitzstreit um eine Kirche in Islamabad zugunsten der Christen engagiert. Bei der gerichtlichen Anhörung am 2. Februar wurde die Anklage gegen Aleem auf "Anstiftung zur Blasphemie" nach § 109 des pakistanischen Strafrechts herabgestuft.

Nach einer von der IGFM-Mitgliedsorganisation CLAAS (Lahore) eingeleiteten Untersuchung sicherte Kush Dil Khan, Mitarbeiter des Menschenrechtsministeriums in Islamabad, dem ganz offenkundig wegen seiner Menschenrechtsaktivitäten inhaftierten Aleem volle Unterstützung zu. Ebenso setzen sich viele Muslime mit eidesstattlichen Erklärungen bei dem mit dem Fall beauftragten Untersuchungsbeamten für Hector Aleem ein, der nach eigenen Angaben niemals SMS-Nachrichten benutzt.

Nach Auffassung der IGFM schwebt Aleem in großer Gefahr, im Gefängnis Opfer eines Anschlags von islamischen Extremisten zu werden. Dies ist bei Blasphemieangeklagten in der Vergangenheit bereits mehrfach geschehen. Darüber hinaus ist ein rechtsstaatliches Verfahren äußerst fraglich. Polizei und Justizbeamte stehen unter erheblichem Druck militanter Muslime. Die IGFM appelliert in Verbindung mit der Anklage gegen Hector Aleem erneut an Staatspräsident Asif Ali Zardari und Minderheitenminister Shabaz Bhatti, die im Januar 2009 versprochene Abschaffung des Blasphemiegesetzes einzulösen.


Terminhinweis:
IGFM Jahrestagung "Engagement für Menschenrechtsverteidiger"
am 14./15. März 2009 im Gustav Stresemann Institut in Bonn

 






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