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Keine Anklageschrift und kein Rechtsbeistand für Dissidenten
Haftbedingungen wie in Guantanamo - Die Mutter von Leonardo Bruzon Avila klagt die Verweigerung ärztlicher Notversorgung an
 Leonardo Miguel Bruzon Avila. Bild: PRIMA News Agency
Havanna / Frankfurt (18. März 2004) - Zwei Jahre nach seiner Verhaftung wartet der politische Gefangene Leonardo Miguel Bruzon Avila noch immer vergeblich auf seine Anklageschrift. Er hat keine Möglichkeit, einen Rechtsanwalt mit seiner Verteidigung zu beauftragen. Um auf die Verweigerung eines rechtlichen Verfahrens hinzuweisen und eine gerichtliche Verhandlung zu erzwingen, ist Bruzon Avila in den Hungerstreik getreten. Er hat alle Zähne verloren und wiegt nur noch 39 Kilogramm, berichtet die IGFM (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte) in Frankfurt. Infolge des Gewichtsverlustes und einer früheren im Gefängnis nicht behandelten Krankheit ist der Gefangene jetzt lebensbedrohlich erkrankt.
"Für Oppositionelle und Bürgerrechtler ist Kuba ist eine Gefängnisinsel. Die Haftbedingungen für viele politische Gefangene des Castro-Regimes sind eher schlechter als die für gefangene Kombattanden auf dem Militärstützpunkt Guantanamo", erklärt Martin Lessenthin, Sprecher des IGFM-Vorstandes am heutigen Donnerstag in Frankfurt. Bruzon Avila muß umgehend in einem öffentlichen Krankenhaus behandelt werden, fordert die IGFM. In einem der Menschenrechtsgesellschaft vorliegenden Bericht von Alcira Avila Fabre, der Mutter des Gefangenen, wird die verzweifelte Situation des Gefangenen und seiner angehörigen geschildert:
"Am 4. Februar 2004 erhielt ich einen anonymen Anruf. Es hieß, daß mein Sohn an Blutdurchfall leide und auch Blut erbreche. Unsere ganze Familie und einige Freunde eilten zum Gefängnis Combinado del Este. Wir erfuhren, daß die Gefängnisbehörde meinen Sohn in eine Abteilung gebracht hatte, die als 'Dreieck des Todes' bekannt ist. Wir appellierten an die Gefängnisbeamten, uns eine Besuchsgenehmigung zu erteilen. Der Oberst Rojas vom Staatssicherheitsdienst erklärte, daß ich meinen Sohn nicht sehen könne, weil er sich sehr widerspenstig benehme. Schließlich erhielt ich doch die Genehmigung für einen kurzen Besuch. Ich fand meinen Sohn in einem sehr schwachen Zustand vor. Er erbrach sich und verlor Blut. Man versprach mir, daß die Gefängnisleitung ihn ins Julio Trigo Hospital bringen werde, statt dessen wurde er zu einer Medizinstation im Combinado del Este gebracht. Dort ist keinerlei Hilfe für meinen Sohn möglich.
Jeden Tag sagt mir die Gefängnisverwaltung, daß sie ihn in ein Krankenhaus bringen werden, aber wann werden sie dies tun? Als ich darum bat, ihn in ein öffentliches Krankenhaus bringen zu lassen, wo er eine angemessene medizinische Behandlung erhalten kann, sagte man mir, die Krankenhäuser seien zusammengebrochen und jene, die nicht zusammengebrochen sind, seien voll belegt. Zwei Jahre lang hat er schreckliche Mißhandlungen und Demütigungen erfahren müssen. Die Gefängnisleitung zeigte keinerlei Erbarmen für ihn wie auch für mich. Es gibt (für ihn) keine Zufluchtsstätte. Er will seine Freiheit, aber in Ehre. Bis sie seine Situation klären, bis sie ihm eine Anhörung geben oder bis sie ihn freilassen, solange wird mein Sohn seinen Hungerstreik nicht beenden. Ich bitte darum, daß sie ihm ein faires Gerichtsverfahren geben und ihn frei lassen.
Sie wünschen nur, daß mein Sohn stirbt. Die Gefängnisbehörden sagen, daß sie ihn nicht entlassen können, weil sie nicht das Gericht sind. Ich bin in einer verzweifelten Situation mit meinem Sohn. Ich weiß nicht, warum man ihn dort behält, wo er doch so nahe vor dem Tod steht. Dies kleine bißchen Leben ist nur in ihm, weil Gott mit ihm ist. Und Gott hilft mir ebenfalls. Ich weiß nicht, was ich tun soll oder wohin ich noch gehen soll, aber ich sagte den Beamten, daß ein Toter Trauernde haben werde. Sie sagen mir: "Wir lassen ihn dir nicht sterben". Aber sie tun es. Sie lassen ihn sterben."
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