16.07.2002 12:38 Uhr

Islamisches Recht: Scharia-Strafen auf dem Vormarsch

IGFM: Christen verlassen Nordnigeria nach Einführung islamischen Rechts



Barbarische Strafen: Handabhacken bei Diebstahl


Frankfurt/M. (16. Juli 2002) - Immer mehr Menschen sind dem Scharia-Recht ausgesetzt. Nun soll auch in Teilen Malaysias und Indonesiens die Scharia eingeführt werden. Aufgrund aktueller Steinigungsurteile nach dem islamischen Recht hat die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) eine Kampagne gegen barbarische Strafe gestartet und fordert die Bundesregierung auf, bei den Vereinten Nationen eine Initiative zur Ächtung barbarischer Strafen einzubringen.

In diesem Jahr wurden bereits Steinigungsurteile wegen angeblichen Ehebruchs gegen Frauen im Sudan, Nigeria, Iran und Pakistan ausgesprochen. Weitere Staaten wie Saudi Arabien wenden barbarische Strafen an, wozu unter anderem das Handabhacken bei Diebstahl gehört. Wie die IGFM bereits berichtete, wurden im Iran seit dem Amtsantritt Khatamis im Jahr 1997 22 Steinigungsurteile, davon 15 gegen Frauen, bekannt.

Die Scharia gilt nicht nur für Muslime, auch über Nichtmuslime wird danach geurteilt: Im Sudan wurde im März das Steinigungsurteil gegen die 18jährige Christin Aba Akok nach internationalen Protesten in eine Bestrafung mit sofort durchgeführten 75 Peitschenhiebe umgewandelt. Viele Christen in Nordnigeria verlassen seit der Einführung der Scharia in bis jetzt dreizehn Bundesstaaten ihre Heimatregionen.

Aktuell ist das Leben von Frau Amina Lawal im nordnigerianischen Bundesstaat Katsina bedroht, die am 23. März 2002 wegen angeblicher sexueller Verfehlungen zum Tode durch Steinigung verurteilt wurde. Das Urteil soll Anfang 2004, wenn ihre kleine Tochter eineinhalb Jahre ist, vollstreckt werden. Am 8. Juli 2002 wurde die Berufungsverhandlung um einen Monat vertagt.

Martin Lessenthin, Sprecher des IGFM-Vorstandes weist darauf hin, dass diese extreme Anwendung der Scharia gegen UN-Menschenrechtserklärungen verstößt und fordert die entsprechenden Zentralregierungen zum Handeln auf. Die IGFM hofft auf die Einsichtsfähigkeit islamischer Gesellschaften und auf Reformkräfte im Islam. Unterschriftenlisten können bei der IGFM angefordert werden.






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