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Gewaltsamer Tod von Christen und Muslimen in Pakistan - Bericht über Steinigung eines Christen in Sialkot - Blasphemiegesetz und Hadood Ordinance führen zu schwersten Menschenrechtsverletzungen
 Javed Anjum (19 J.) wurde in einer Medresse (Koran-Schule) von in Faisalabad zu Tode gefoltert - er wollte Christ bleiben
Frankfurt/M. (3. Juni 2004) - Angesichts eskalierender Gewalt gegen Christen und muslimische Minderheiten in Pakistan ruft die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf, Präsident Pervez Musharrafs jüngste Reformversprechen im Kampf gegen den Islamismus international zu stützen und ihre konsequente Umsetzung einzufordern. Im Frühjahr 2000 hatte Musharraf unter dem Druck islamistischer Gruppen angekündigte Gesetzesänderungen, insbesondere beim Blasphemiegesetz, zurückgezogen. In den letzten Monaten erreichten die IGFM aus Pakistan zahlreiche Berichte über den gewaltsamen Tod von Christen.
So starb am 28. Mai der Christ Samuel Masih in einem Lahorer Krankenhaus infolge der Misshandlung durch einem Polizisten wegen angeblicher Beleidigung des Islam. Am 2. Mai erlag der 19jährige christliche Student Javed Anjum in Faisalabad den Verletzungen durch Folter in einer Medresse (Koran-Schule), die er aufgrund seiner Weigerung zum Islam überzutreten, erleiden musste. Am 3. April war der bekannte engagierte Christ und Familienvater George Masih im Dorf Manwala bei Lahore von maskierten Tätern erschossen worden.
Die religiös aufgeheizte Atmosphäre zeigt sich auch in den Bombenanschlägen auf schiitische Moscheen mit insgesamt 43 Toten am 7. und 31. Mai und der Ermordung eines prominenten Sunniten am 30. Mai in Karachi. Immer wieder werden auch Angehörige der muslimischen Minderheitengruppe der Ahmadyyas Opfer von Übergriffen militanter Sunniten. In einer Dokumentation, die der IGFM kürzlich von Peter Jacob, dem Sekretär der pakistanischen Kommission "Justitia et Pax", übergeben wurde, wird u.a. von der Steinigung des 28jährigen Christen Pervez Masih am 16. Juli vergangenen Jahres durch einen islamischen Grundbesitzer im Bezirk Sialkot berichtet.
Im Rahmen der von Präsident Musharraf am 15. Mai in Islamabad angekündigten Überprüfung von Normen des islamischen Strafrechts erwarten die Christen Pakistans eine Abschaffung des bestehenden Blasphemiegesetzes, das angebliche Beleidigungen des Islam mit dem Tode bedroht und eine Handhabe privater Rache besonders gegen die nichtmuslimische Minderheit, aber auch gegen angeblich häretische Muslime und Medien, bietet. Falsche Anklagen nach dem Blasphemiegesetz sollten unter Anklage gestellt werden, so die IGFM.
Karl Hafen, Geschäftsführender Vorsitzender der IGFM erklärte dazu: "Die Aufhebung des Blasphemiegesetzes kann den Einstieg in die Abschaffung der in den letzten 25 Jahren - seit dem Machtantritt des Diktators Zia-ul-Haq - eingeführten islamischen Gesetze bedeuten. Zu diesen Gesetzen zählt insbesondere die Hadood Ordinance. Dieses Gesetz ermöglicht u.a. die Anklage vergewaltigter Frauen wegen angeblicher Unzucht. Die Abschaffung des Blasphemie-Gesetzes löst auch das Problem ständiger Todesgefahr von Blasphemie-Gefangenen in pakistanischen Gefängnissen. Für militante Islamisten ist die Tötung von Blasphemie-Gefangenen eine religiöse Pflicht." Die IGFM fordert die EU und die internationale Gemeinschaft auf, Präsident Musharraf auf dem angekündigten Weg zu stützen und die tatsächliche Umsetzung seiner Vorhaben zu beobachten.
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