10.03.2008 12:36 Uhr

Malaysia / SR Vietnam: Esquel macht weitreichende Zugeständnisse

Streit mit Esquel beigelegt - IGFM lobt den konstruktiven Dialog



Vietnamesische Arbeiterinnen in der Textilindustrie


Hongkong-Frankfurt (10. März 2008) ? Textilgigant Esquel hat im Kampf der vietnamesischen Vertragsarbeiter gegen ungesetzliche Behandlung durch ihre Tochtergesellschaft im malaysischen Penang weitreichende Zugeständnisse gemacht. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) lobt die schnelle Einigung und den konstruktiven Dialog mit der Esquel-Zentrale in Hongkong in diesem Streit und erwartet nun eine schnelle Umsetzung des Plans. Elemente in dem am 8. März mit Esquel ausgehandelten Kompromiss könnten vorbildlich für zukünftige Arbeitsverträge in den asiatischen Billiglohnländern sein, so die IGFM. Die IGFM dankt auch für die Unterstützung durch Tenaganita, eine malaysische Nichtregierungsorganisation gegen den Menschenhandel.

Die schnelle Einigung

Als Mitglied der "Koalition Gegen moderne Sklaverei in Asien" (CAMSA) hatte sich die IGFM am 26. Februar an die Generaldirektorin von Esquel, Majorie Yang, gewandt und prompt am Tag danach ihre Antwort mit dem Versprechen erhalten, eine Arbeitsgruppe aus erfahrenen Vorstandsmitgliedern für eine interne Untersuchung zu bilden und die Sache fair und verantwortungsvoll zu behandeln. Die IGFM hatte daraufhin ihre öffentliche Kampagne gegen Esquel zeitweise ausgesetzt, weil einige Verbesserungen in dem malaysischen Werk als Zeichen des guten Willens gewertet wurden.

Am 8. März einigte sich Boat People SOS (BPSOS), welche die CAMSA in der Verhandlung mit Esquel vertrat, schließlich mit Esquel Enterprises Ltd. über eine weitreichende Vereinbarung, die nicht nur Entschädigungen für die betroffenen 1.300 vietnamesischen Arbeiter, sondern auch Maßnahmen zum Schutz der Interessen der gesamten Belegschaft von 2.600 Arbeitern aus fünf verschiedenen Nationen in der Penang Esquel Tochtergesellschaft beinhalten. Demnach werden Entschädigungen an vietnamesische Arbeiter ausgezahlt, die in Folge des Arbeiterstreiks im Oktober 2007 nach Vietnam abgeschoben wurden oder Malaysia damals unter Druck verlassen hatten. Esquel verspricht ferner, ?einen Mindestlohn und Maßnahmen einzuführen, damit die Arbeiter fortgebildet und später in eine bessere Lohnklasse eingestuft werden können. Außerdem wird Esquel Möglichkeiten schaffen, damit die Arbeiterschaft offen ihre Sorgen und Beschwerden zum Ausdruck bringen, offen mit dem Management über die Arbeitsbedingungen diskutieren und sich für die Mitwirkung im Unternehmen einsetzen können.?  Ein rechtsverbindlicher Vertrag mit Esquel wird in den nächsten Tagen folgen, so die IGFM.

Hintergrund des Arbeitskampfes

Esquel Malaysia SDN Bhd hatte 2007 rund 1.300 vietnamesische Vertragsarbeiter eingestellt. Der dreijährige Vertrag versprach ihnen Trainingsprogramme und eine landestypische Entlohnung von umgerechnet 167 Euro monatlich. In Wirklichkeit bekamen die Arbeiter jedoch eine viel geringere Lohnzahlung. In mehreren nachgewiesenen Fällen kaum mehr als 4 Euro im Monat. Die IGFM erkennt hier deutliche Merkmale von Menschenhandel zum Zweck der Zwangsarbeit im Sinne des UN-Protokolls von Palermo über die Prävention, Abschaffung und Bestrafung von Menschenhandel (s. Definition unten).

Einige vietnamesische Arbeiter, die sich bei Esquel Malaysia SDN Bhd über den Vertragsbruch beschwert hatten, wurden mitten in der Nacht abgeführt, auf dem Firmengelände festgehalten und einige Stunden später nach Vietnam abgeschoben. Zu Hause erwartet sie ein hoher Schuldenberg wegen des Geldes, das sie für die Bezahlung der Gebühren bei den Vermittlungsagenturen ausgeliehen hatten. Außerdem wollen ihnen die Vermittlungsagenturen die Kaution nicht zurückzahlen, mit der Begründung, sie seien Schuld an dem Vertragsabbruch.

In Zusammenarbeit mit CAMSA unterstützt die IGFM einen malaysischen Rechtsanwalt und ein Büro in Penang. Das Büro hatte bislang die Sorgen und Beschwerden der Arbeiter aufgenommen.

Esquel beschäftigt rund 43.000 Arbeiter in 16 Firmen in 8 Ländern, darunter Malaysia, China, Vietnam, die Philippinen, die Malediven, Mauritius und Sri Lanka. Jährlich produziert Esquel 64 Millionen Hemden für Hersteller von Markenbekleidung wie z.B. Abercrombie & Fitch, Banana Republic, Brooks Brothers, Burberry, Esprit, Gant, Hugo Boss, JCPenney, Lacoste, Marks & Spencer, Nike, Nordstrom Polo Ralph Lauren und Tommy Hilfiger.

Artikel 3 des Palermo-Protokolls der Vereinten Nationen definiert Menschenhandel wie folgt:

"Menschenhandel meint die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder den Empfang von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderer Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung. Ausbeutung umfasst mindestens die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit, Sklaverei oder sklavenähnliche Praktiken, Leibeigenschaft oder die Entnahme von Körperorganen."






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