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IGFM: Opfer zum Täter gemacht - Prozessbeobachtung sollte verhindert werden
 Tran Khai Thanh Thuy am 24.09.2009 vor geschlossenem Tor zum Gerichtsgebäude in Hanoi, wo der Prozess gegen neun Dissidenten stattfand.
Hanoi-Frankfurt (27. Oktober 2009) - Die bekannte vietnamesische Schriftstellerin Tran Khai Thanh Thuy steht in Hanoi erneut unter Anklage. Ihr wird "vorsätzliche Körperverletzung" vorgeworfen. Am Abend des 8. Oktober wurden Frau Thuy und ihr Ehemann vor ihrem Haus von Unbekannten zusammengeschlagen. Statt der Täter verhaftete die vietnamesische Polizei jedoch die Opfer, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Eingehende Recherchen der IGFM ergaben, dass der Überfall als Vorwand zur Verhaftung der unliebsamen Schriftstellerin inszeniert wurde. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation fordert die umgehende Freilassung der an Tuberkulose leidenden Regimekritikerin.
Frau Tran Khai Thanh Thuy und ihr Ehemann wurden am 8. Oktober auf ihrem Weg von Hanoi nach Hai Phong von der Polizei zur Rückkehr gezwungen. In Hai Phong wollten sie einen Prozess gegen sechs vietnamesische Dissidenten beobachten. Am Abend des gleichen Tages griffen zwei Unbekannte Thuys Ehemann vor dem Wohnhaus an. Obwohl ein Dutzend Milizangehörige, die vor dem Haus des regimekritischen Ehepaares aufgestellt sind und es rund um die Uhr überwachen, den Überfall beobachteten, schritten sie nicht ein.
Scheinverhör statt medizinischer Versorgung
Thuy eilte ihrem Mann zu Hilfe. Daraufhin wurden beide brutal zusammengeschlagen. Eine viertel Stunde später traf die Polizei ein. Statt für ärztliche Versorgung zu sorgen, bestellte sie das misshandelte Ehepaar zum sofortigen Verhör ein. Auf der Polizeiwache mussten beide - trotz ihrer Verletzungen - fünf Stunden warten, bis sie tatsächlich vernommen wurden.
Am Morgen des 9. Oktober brachte die Polizei sie angeblich "zur Beweissicherung" nach Hause. Die "Beweissicherung" bestand darin, das Ehepaar in ihrem Haus immer wieder zu filmen und zu fotografieren. Anschließend erstellten die Polizeibeamten eine Anzeige wegen "vorsätzlicher Körperverletzung" und nahmen beide fest. Der Ehemann wurde am 14. Oktober aus der Haft entlassen, Frau Thuy ist jedoch bis heute inhaftiert. Die IGFM vermutet, dass der Überfall in direktem Zusammenhang mit der verhinderten Prozessbeobachtung steht.
Gefälschtes Foto in Polizei-Zeitung: Schriftstellerin als Gewalttäterin diffamiert
Während dessen wird in Vietnam eine Verunglimpfungskampagne gegen Frau Thuy und ihren Ehemann in Szene gesetzt. Die staatliche Polizeizeitung behauptete, das Ehepaar hätte zwei Passanten willkürlich angegriffen und schwer verletzt. Als angeblicher Beweis wurde ein Foto veröffentlicht, das einen Mann mit einer frischen Kopfwunde neben einer Krankenschwester zeigt. Die Polizei hatte die Aufnahme auf den 9. Oktober datiert. Die IGFM zweifelte die Authenzität des Fotos an und behielt recht. Vietnamesische Internet-Blogger recherchierten, dass dieses Bild aus dem Jahr 2005 stammt und am 9. Oktober 2009 mit Photoshop nachbearbeitet wurde. Unmittelbar nach dieser Enthüllung wurden die Polizei-Bilddaten gelöscht. Die wirklichen Täter sind ebenfalls spurlos verschwunden und laut vietnamesischer Polizei angeblich nicht mehr ausfindig zu machen.
Haftstrafen, Misshandlungen und Psychoterror
Wie die IGFM berichtet, war Tran Khai Thanh Thuy, die an schwerer Tuberkulose leidet, erstmals in April 2007 verhaftet worden. Neun Monate lang war sie wegen "Propaganda gegen den sozialistischen Staat Vietnam" in Haft und wurde misshandelt, weil sie sich für Opfer sozialer Ungerechtigkeit engagierte und zahlreiche Artikel über Missstände in ihrem Land im Internet veröffentlichte. Sie versuchte an jedem politischen Prozess in Hanoi teilzunehmen, obwohl sie nie ins Gerichtsgebäude eingelassen wurde. Anfang 2009 wurde ihr Haus wochenlang mit Tierkadavern beworfen und mit Exkrementen und Motoröl beschmiert.
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