26.10.2006 13:00 Uhr

Kuba: Mehrfach misshandelter Gefangener droht seinen Mund zu vernähen

Politischer Gefangener Herrera aus 21-tägiger Isolationshaft entlassen



Archivbild: Juan Carlos Herrera Acosta

 

Frankfurt am Main ? Havanna (26. Oktober  2006) ? Am frühen Morgen des 24. Oktober informierte der kubanische Gewissensgefangene Juan Carlos Herrera Acosta telefonisch den Bürgerrechtler Oswaldo José Payá über die Hintergründe seiner Isolationshaft. Herrera ist einer der Aktivisten des Valera-Projekts und wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Er ist im Gefängnis Kilo 8 in der Provinz Carmagüey inhaftiert, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Am 23. Oktober wurde er aus einer Isolierzelle entlassen, wo er 21 Tage lang gefangen war, weil er gegen das ihm erteilte Telefonverbot protestiert hatte. Herrera teilte mit, seinen Mund zu vernähen, berichtet Oswaldo Payá.

 

Nach Auskunft Payás hatte der zweite Oberkommandierende der Staatssicherheit in der Provinz Herrera gestattet, den politischen Gefangenen nach seiner dreiwöchigen Haft anzurufen. Die Staatssicherheit und die Gefängnisbehörde hatten ihm zuvor Telefonate verboten, aus Angst, dass er in seinen Telefonaten die Misshandlungen und unmenschlichen Zustände, denen die politischen und normalen Gefangenen in Kuba unterliegen, erneut anklagen würde. Herrera erklärt dazu: ?Wenn es keine Misshandlung und keinen Missbrauch gäbe, dann müsste ich sie auch nicht anklagen.?   

 

Als Reaktion der Staatssicherheit auf Juan Carlos Herreras Protest wurde er durch den Gefängnisflur geschleift, verprügelt und isoliert. In der Zelle herrschten selbst für Mittelamerikanische Verhältnisse unerträgliche Zustände: unter anderem hausten dort Ratten. Man drohte Herrera, seine Post zu überprüfen ? diese Praxis wenden die Gefängniswärter jedoch bereits permanent auch ohne Vorwarnung an. Nachdem das Telefonat am 24. Oktober bereits genehmigt worden war, untersagten ihm die Gefängniswärter, am Telefon über politische Themen zu sprechen. Auch untersagten sie ihm, über die Haftbedingungen im Gefängnis Anklage zu erheben. Sollte er die Verbote übertreten, würde seine Kommunikation völlig blockiert und ihm das Sprechen verboten.

 

Payá erklärte über das Telefonat gegenüber Menschenrechtsaktivisten: ?Heute sprach er mit mir um mir zu sagen, dass er von diesem Moment an seinen Mund vernähen werde. [?] Sein vernähter Mund ist nicht nur eine Anklage gegen seine Gefängniswärter, sondern auch eine Anklage gegenüber jenen in Kuba und der Welt, die angesichts der grausamen und erniedrigenden Behandlung in kubanischen Gefängnissen weiter schweigen.? Er habe Herrera angefleht, dies zu unterlassen. Herrera hatte bereits ein Mal seinen Mund vernäht. Alle nicht-Inhaftierten hätten die Möglichkeit ihre Stimme zu erheben, so Payá weiter: ?Wir sind es, welche die Würde und die Rechte derer verteidigen, die reduziert sind auf totale Benachteiligung unter wahrhaftig perverser Behandlung.?

 

Die IGFM appelliert an die Bundesregierung und die Regierungen der Europäischen Union, sich für die sofortige Freilassung von Juan Carlos Herrera Acosta einzusetzen. Herrera ist ein friedfertiger Demokrat, der nichts anderes getan hat, als seine Meinung frei zu bekunden und sich für einen gewaltfreien Wandel in Kuba einzusetzen. Dies wird in Kuba mit langjährigen Gefängnisstrafen geahndet. Die in Frankfurt ansässige IGFM hat 320 Schicksale von politischen Gefangenen auf der Karibikinsel dokumentiert.






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