|
IGFM: Bereits ein unbegründeter Verdacht reicht aus, um Tibeter zu jahrelangen Haftstrafen zu verurteilen
 Immer neue Verhaftungen und Verurteilungen von Tibetern. Bild: savetibet.org
Kathmandu - Frankfurt am Main (25. November 2008) - Nach wie vor werden in den tibetischen Provinzen Chinas regelmäßig Tibeter zu langen Haftstrafen verurteilt. Vor wenigen Tagen wurde eine junge Tibeterin zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil sie Anrufe ins Ausland getätigt hatte. Seit dem 31. Oktober 2008 befindet sich ein 81jähriger Tibeter an unbekanntem Ort in der Gewalt chinesischer Sicherheitskräfte. Ihm wird vorgeworfen, im März 2008 Proteste gegen die chinesische Zentralregierung unterstützt zu haben. Diese Verhaftungen und Verurteilungen entbehren jeder rechtsstaatlichen Grundlage und verletzen elementarste Menschenrechte, kritisiert die in Frankfurt am Main ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).
Am 31. Oktober wurde Paljor Norbu (81 J.) von der Volkspolizei in Lhasa festgenommen. Weil er schon früher eine Haftstrafe verbüßen musste, drohen ihm jetzt bis zu sieben Jahre Haft. Wo er gefangen gehalten wird, ist unbekannt. Als Buchdrucker betrieb Paljor Norbu am Pilgerpfad Barkhor eine kleine Druckerei, in der seit Generationen buddhistische Texte für Klöster hergestellt wurden. Bevor dieses Geschäft vom chinesischen Sicherheitsdienst geschlossen wurde, beschlagnahmten die Beamten die hölzernen Druckstöcke. Dieses Beispiel zeigt, dass nun auch massiv gegen Tibeter vorgegangen wird, die nicht direkt an den Aufständen in diesem Frühjahr beteiligt waren, aber der Beihilfe verdächtigt werden.
Walza Norzin Wangmo (30 J.), ein tibetisches Mitglied der Kommunistischen Partei, wurde am 3. November vor Gericht gestellt und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Über die offizielle Anklage gegen sie ist nichts bekannt. Zuverlässigen Quellen zufolge liegt der Haftgrund darin, dass die Tibeterin Nachrichten über die Lage in Tibet per Telefon und Internet ins Ausland geleitet hatte. Ihr derzeitiger Haftort ist unbekannt.
Vor wenigen Tagen nahmen chinesische Sicherheitskräfte einen 20jährigen Tibeter namens Tashi fest, weil er in die tibetische Hauptstadt Lhasa telefoniert hatte. Ähnlich erging es einer tibetischen Frau, nachdem sie einen Anruf ins Ausland tätigte. Eine Quelle aus Lhasa berichtete: ?Die Restriktionen gegen Tibeter sind in einigen Teilen Tibets noch mehr verschärft worden. Viele Leute, die versuchten ins Ausland zu telefonieren, werden von chinesischen Sicherheitsbeamten verfolgt. Die Telefonverbindungen im Bezirk Kardze der Provinz Sichuan sind blockiert. Da die Kommunikation derart schwierig ist, wissen wir nur von einigen Tibetern, die festgenommen, verurteilt oder umgebracht wurden. Zahlreiche Fälle bleiben im Dunkeln.?
|