|
Christen als "Tiere" bezeichnet, die ihrem Glauben "aus Dummheit" folgen
IGFM: Religiöse Gesetze nur politische Kosmetik
 Die Christin Nguyen Thi Nhan von Polizisten verprügelt  Der Christ Nguyen Trung Ton in blutverschmierter Kleidung
Frankfurt am Main ? Thanh Hoa (20. Juni 2006) ? Mitglieder der evangelischen "Full Gospel Church" in der nordvietnamesischen Provinz Thanh Hoa wurden innerhalb weniger Tage zweimal von der vietnamesischen Polizei schwer misshandelt, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Der in Frankfurt ansässigen IGFM sind als Täter Beamte der Volkspolizei namentlich bekannt. Dennoch behauptet das vietnamesische Außenministerium, dass die Religionsfreiheit in Vietnam respektiert und vom Staat geschützt sei. Die IGFM ruft Vietnam auf, auf Worte Taten folgen zu lassen und die Religionsfreiheit zu achten. Sie appelliert an die EU-Vertretung in Hanoi, sich für die Einstellung der Verfolgung von Christen ? vor allem im Norden und im Hochland von Vietnam - einzusetzen.
Die Ereignisse im Einzelnen:
Am 4. Juni 2006 trafen sich vier Frauen zur wöchentlichen Bibelstunde der evangelischen "Full Gospel Church" in einem Privathaus im Dorf Thieu Vien, Kreis Thieu Hoa, Provinz Thanh Hoa nahm die örtliche Polizei sie fest. Ihnen wurde vorgeworfen, sie seien professionelle Verbreiter von Aberglauben und störten "die öffentliche Ordnung". Es sei verboten, sich zu treffen, denn "der evangelische Glaube existiere im Dorf Thieu Vien nicht". Die Polizisten wollten sogar die Bibel konfiszieren, die von einem staatlichen Verlag in Hanoi herausgegeben wird. Auf dem Weg zur Polizeiwache wurden die Frauen brutal zusammengeschlagen. Frau Nguyen Thi Nhan, 41 Jahre, erlitt schwere Verletzungen am Gesicht und am ganzen Körper. Mehrere Tage lang war es ihr nicht möglich zu essen. Auf einem Ohr ist sie taub. Die Polizisten bezeichneten die Protestantinnen als Tiere, die wegen Dummheit dem evangelischen Glauben gefolgt seien. Vier Fahrräder wurden beschlagnahmt.
Am 18. Juni trafen sich zwei Männer und drei Frauen der Gruppe in einem Privathaus im Dorf Thieu Vien. Auch diesmal kam die Ortpolizei und nahm sie fest. Im Polizeirevier schlug der Polizeichef Nguyen Manh Hoe persönlich brutal auf die beiden Männer ein. Der Evangelist Nguyen Trung Ton wurde am Abend in blutverschmierter Kleidung entlassen. Sie sollten schriftlich erklären, dass sie sich nicht mehr privat treffen werden.
Vorgeschichte:
Die Bibelgruppe der "Full Gospel Church" im Dorf Thieu Vien wurde 1999 neu gegründet. Bis April 2006 konnten sich die Mitglieder ungestört treffen. Seit in Vietnam die neue "Verordnung über Glauben und Religion" am 15. November 2004 in Kraft getreten ist, wurden die Treffen dieser evangelischen Hausgemeinde von der Polizei mit Hilfe von staatlichen Organisationen zunächst offensichtlich überwacht und dann gestört. Gebetsversammlungen wurden aufgelöst, Mitglieder wurden ständig in Polizeigewahrsam genommen. Es wurde ihnen verboten, Ostern zusammen zu feiern. Die Gruppe hatte daraufhin im Mai einen Antrag auf "Anerkennung von religiösen Aktivitäten" nach den gesetzlichen Vorschriften gestellt, der abgelehnt wurde.
|