01.11.2006 13:00 Uhr

Pakistan: Zwei Christen mit Todesstrafe bedroht

Anklage nach Blasphemiegesetz ?

Lynchmord in letzter Minute verhindert ? Familien fliehen aus Region



Archivbild: Buta Masih

 

Frankfurt am Main / Faisalabad (1. November 2006) ? Am 2. November müssen sich zwei christliche Männer vor einem Gericht in Faisalabad wegen angeblicher Verbrennung des Korans verantworten, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die beiden 65- und 70 jährigen Nachbarn James und Buta Masih sollen im Rahmen einer Müllbeseitigung angeblich Koranseiten in einem Park von Faisalabad verbrannt haben.

Wie der IGFM von pakistanischen Menschenrechtlern mitgeteilt wurde, sind die beiden Männer Opfer der Rache eines Moslems, der sich vergeblich bemüht hatte, das Haus von James Masih zu kaufen. Die Masihs wurden wegen ?Blasphemie? angezeigt und von militanten Muslimen mit dem Tod bedroht. Die Polizei verhaftete die beiden Analphabeten James und Buta Masih. Dadurch konnte in letzter Minute ein Lynchmord durch hunderte aufgebrachter religiöser Extremisten verhindert werden.

Im Bezirksgefängnis von Faisalabad schlugen muslimische Mitgefangene auf die beiden Senioren ein. Gemäß des im pakistanischen Strafrecht verankerten Blasphemiegesetz droht den beiden Katholiken wegen Verunglimpfung des Koran beziehungsweise des Propheten Mohammed lebenslange Haft oder die Todesstrafe. Die Angeklagten und die Familien gehören der kleinen christlichen Minderheit an, deren Anteil  an der Gesamtbevölkerung Pakistans ca. 1,7 Prozent beträgt. Unter den Blasphemieangeklagten sind hingegen 12 Prozent Christen. Auch andere Minderheiten (z. B. Hindus, Ahmadis) werden überproportional auf Grundlage des Blasphemiegesetzes angeklagt.

Die Familien der beiden Angeklagten haben aus Furcht vor islamischem Terror ihre Wohnungen und die Region verlassen.

Abschaffung des Blasphemiegesetzes gefordert

Dem IGFM-Kuratoriumsmitglied Joseph Coutts, katholischer Bischof von Faisalabad, gelang es, durch einen Appell in einer Pressekonferenz und durch die Unterstützung islamischer Freunde, die angespannte Lage etwas zu entschärfen.

Diözesandirektor Nisar Barkat vom Bistum Faisalabad erklärte gegenüber der IGFM: ?Das Blasphemiegesetz hängt als Schwert über den religiösen Minderheiten. Wir fordern seine vollständige Aufhebung. Es wird als Rachemittel benutzt. Die meisten Angeklagten sind unschuldige Opfer. Dieses Gesetz ist  ein Hindernis im interreligiösen Dialog und gegen die Harmonie in der Gesellschaft.?

 






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