31.10.2005 12:15 Uhr

Kuba: Systematische Schikanen gegen unabhängige Journalisten

Situation der Pressefreiheit weiterhin prekär auf der Karibikinsel



Nichts fürchtet die Castro-Diktatur mehr, als die Meinungsfreiheit.


Havanna / Frankfurt/M. (31. Oktober 2005) ? "Das Castro-Regime forciert seine Schikanen gegen unabhängige Journalisten auf Kuba", erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt. "Nichts fürchtet die Castro Diktatur mehr, als die Meinungsfreiheit. Unter den über 300 politischen Gefangenen sind knapp fünfzig Journalisten, Schriftsteller und Bibliothekare. Das Schicksal des unabhängigen Journalisten Mario Echevarría Driggs ist nur eines von unzähligen Beispielen für die steigenden Schikanen gegen unabhängige Journalisten auf der Karibikinsel", so der Menschenrechtler am heutigen Montag in Frankfurt.

Mario Echevarría Driggs - ein 43-jähriger unabhängiger Journalist, der in Calle Monte, einer kleinen Stadt in "Old Havanna", lebt - erhielt vor einigen Tagen eine Vorladung in das Büro des Staatssicherheitsbeamten Tamayo in "Old Havanna". Dort wurde der Journalist verhört und von dem Beamten bedroht. Driggs berichtete nach dem Verhör: "Der Beamte Tamayo zeigte mir ein Dokument mit dem genauen Wortlaut einer von mir geleiteten Nachrichtensendung im Programm von Radio Martí." Tamayo wollte während des Verhörs alle Einzelheiten über die Nachrichtenagentur wissen, für die Driggs arbeitet. "Mit drohender Stimme wies mich Tamayo darauf hin, dass meine Arbeit aufgrund der von mir veröffentlichen Nachrichten beobachtet werde", sagte Driggs.

Der unabhängige Journalist Víctor Rolando Arroyo, der sich von seinem 24-tägigen Hungerstreik erholt, ist in das "Cuba Si"-Gefängnis der Provinz Holguin gebracht worden. Das "Cuba Si"-Gefängnis ist 600 Meilen (ca. 900 Kilometer) von Pinar del Rio entfernt, wo Arroyos Familie wohnt, die ihn jetzt kaum noch besuchen kann. Arroyo, der eine 26-jährige Haftstrafe verbüßen muss, saß bisher im Guantanamo Gefängnis ein, wo er in den Hungerstreik getreten war. Danach war er zur Regeneration - dehydriert, mit hohem Gewichtsverlust, unstabilem Blutdruck, geistigen Blackouts und Nierenproblemen - in das Lenin-Provinzkrankenhaus der Holguin Provinz eingeliefert worden. Ohne die Regeneration abzuwarten, verbrachte man ihn jetzt in das "Cuba Si" Gefängnis. "Es ist unfassbar, dass er nach nur wenigen Tagen zurück ins Gefängnis muss. Sie erfüllen nicht ihre Verpflichtung, denn mein Mann müsste dringend im Krankenhaus behandelt werden", berichtet seine Frau Elsa Gonzalez.
 
Der inhaftierte unabhängige Journalist Oscar Mario González wurde Ende vergangener Woche in den Sicherheitstrakt des Militärhospitals in Havanna gebracht, weil sich sein körperlicher und mentaler Zustand verschlechtert hat. "Oscar Mario hat sehr viel an Körpergewicht verloren, er sah sehr verändert aus, sein Gedächtnis kam oft ins Stocken und er konnte keine zusammenhängenden Gedanken mehr formulieren", berichtet seine Frau Mirta Wong, die ihn vor wenigen Tagen im Krankenhaus besuchen durfte.

Kuba ist eines der größten Gefängnisse für Journalisten

Journalisten und Medien kämpfen überall auf der Welt mit politischen Schwierigkeiten. Unabhängige Presse ist häufig verboten und Vielfalt durch Medienkonzentration, staatliche Monopole oder Zensur eingeschränkt. Journalisten werden attackiert, verfolgt und kriminalisiert oder gar geächtet. "Kuba und Nordkorea gehören zu den Staaten, die am härtesten gegen Journalisten vorgehen. Die vom Diktator Fidel Castro seit 46 Jahren regierte Karibikinsel ist eines der weltweit größten Gefängnisse für Journalisten", erklärte Lessenthin.






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