22.07.2003 10:33 Uhr

Nigeria / Deutschland: 180.000 Bürger unterstützen Appell der IGFM gegen die Steinigung

Neue Unruhen zwischen Militär und streikenden Arbeitern wegen Verdoppelung des Ölpreises erschüttern Nigeria



Die Unruhen in Nigeria nehmen kein Ende.


Abudja / Frankfurt (22. Juli 2003) - 180.000 Bundesbürger unterstützen mit ihrer Unterschrift den Appell der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zur Überwindung der Steinigung, berichtete am heutigen Dienstag die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation. Die IGFM fordert in ihrem Appell die Bundesregierung auf, sich auf internationaler Ebene für die Überwindung der Steinigung und anderer barbarischer Strafen einzusetzen. Dies sollte sowohl im Rahmen der Vereinten Nationen als auch auf bilateraler Ebene geschehen.

Die im März und Juni 2003 bereits zweimal verschobene Berufungsverhandlung, der zum Tod durch Steinigung verurteilten Amina Lawal, ist nun auf den 27. August 2003 angesetzt worden. Der 31jährigen Mutter Amina Lawal droht weiterhin der barbarische Steinigungstod. Das Urteil soll im Januar 2004 vollstreckt werden. Lawal war nach ihrer Scheidung schwanger geworden und wurde von einem islamischen Gericht wegen angeblichen "Ehebruchs" zum Tod durch Steinigung verurteilt. Ihre Tochter Wasila war für die Scharia-Richter der lebende Beweis für ihre Schuld. Der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin, erklärte: "Die in den nördlichen Bundesstaaten seit 1999 eingerichteten Scharia-Gerichte sind verfassungswidrig. Wenn dies vor dem höchsten Gericht Nigerias positiv erklärt würde, dürften islamische Gerichte keine Steinigungs- und Amputationsurteile mehr aussprechen".

Die Unruhen in Nigeria nehmen kein Ende. Wegen der drastischen Erhöhung des Ölpreises, und der dadurch hervorgerufenen Ölkrise, legten nigerianische Gewerkschafter ihre Arbeit nieder. Das Benzin kostet nun annähernd das Doppelte; zum Teil kann es an den Tankstellen nicht mehr gezapft werden. Mehrfach kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern und Militär in den Ölfördergebieten, bei denen zahlreiche Tote zu beklagen waren. Der Konflikt mit dem Militär hat sich inzwischen bis in die Hauptstadt Abudja ausgeweitet. Das einst wirtschaftlich blühende Land steht mittlerweile an 13. Stelle in der Liste der ärmsten Länder der Welt.

Bis jetzt waren die Unruhen in Nigeria hauptsächlich auf religiöse und ethnische Hintergründe zurückzuführen. Doch nun kommt der schwerwiegende wirtschaftliche Konflikt hinzu, der die Gesamtbevölkerung betrifft. Durch die Unterdrückung der Versammlungs-, Meinungs- und Demonstrationsfreiheit durch das Militär ist die Menschenrechtslage in Nigeria zusätzlich angespannt.






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