|
Hungerstreiks aus Solidarität mit dem kürzlich verstorbenen Menschenrechtsaktivisten Orlando Zapata Tamayo
 Im Hungerstreik gegen Folter und Misshandlung: der kubanische unabhängige Journalist, Víctor Rolando Arroyo Carmona, der im März 2003 zu 26 Jahren Haft verurteilt wurde. Bild: damasdeblanco.com
Havanna - Frankfurt am Main (2. März 2010) - Seit Donnerstag, dem 25. Februar 2010, sind zehn politische Gefangene in den berüchtigten Gefängnissen 'Kilo 8' und 'Kilo 5½' in Pinar del Río in Hungerstreik getreten, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Nelson Moliné Espino, Diosdado González Marrero, Eduardo Díaz Fleita, Lemay Díaz Pantaleón, Rafalel Suárez Aviló, Orestes Paino, Pavel Hernández, Miguel Hernández, Víctor Rolando Arroyo Carmona und Fidel Suárez Cruz bringen damit ihre Solidarität gegenüber dem Bürgerrechtler Orlando Zapata Tamayo zum Ausdruck, der am 23. Februar 2010 verstorben war. Ebenfalls als Zeichen der Solidarität mit ihnen werden sie in der Freiheit von dem in Hungerstreik getretenen unabhängigen Journalisten Guillermo Farinas unterstützt.
Die Hungerstreikenden fordern die Freilassung aller politischen Gefangenen auf Kuba, so die IGFM. Der verstorbene Orlando Zapata Tamayo war am 3. Dezember 2009 in Hungerstreik gegen Misshandlung und Folter getreten. Er wollte das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit für die politischen Gefangenen sowie seine Anerkennung als politischer Gefangener durchsetzen. Die politischen Gefangenen Víctor Rolando Arroyo Carmona, Nelson Moliné Espino, Diosdado González Marrero, Eduardo Díaz Fleita und Lemay Díaz Pantaleón gehören wie der Verstorbene Orlando Zapata Tamyo der Gruppe der 75 Gefangenen an, die 2003 während des sogenannten kubanischen "Schwarzen Frühlings" festgenommen wurden.
Die IGFM sowie kubanische Menschenrechtsaktivisten und die Familien der sich im Hungerstreik befindenden Gefangenen wollen die Hungerstreikenden davon überzeugen, ihr Leben nicht dem Castro Regime zu opfern. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin appellierte: "Die Gefangenen und Dr. Guillermo Farinas sollen an ihr Leben und ihre Gesundheit denken. Sie sind unverzichtbar beim friedlichen Aufbau einer zivilen Gesellschaft auf Kuba."
Nach dem Bekanntwerden von Orlando Zapata Tamayos Tod kam es in Kuba zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen von Bürgern und Menschenrechtsaktivisten, die die Freiheit aller politischen Gefangenen einforderten. Zapata Tamayo starb an den Folgen seines Hungerstreiks. Der Gefängnisdirektor des Gefängnisses "Kilo 8" in Camagüey, Major Filiberto Hernández Luis, verweigerte ihm sogar Trinkwasser, was zu einem Nierenversagen führte. Nach Einweisung in das Amalia Simoni Krankenhaus Mitte Januar 2010 bekam er eine Lungenentzündung, da er wochenlang fast nackt unter einer Klimaanlage liegen musste. Am 16. Februar wurde er ins Gefängnishospital von Havanna überführt, wo er schließlich an den Folgen des wochenlangen Nahrungsentzugs erlag. Seine Mutter, Reina Tamayo Danger, gibt der Regierung die Schuld an seinem Tod.
Die IGFM begrüßt ausdrücklich die Stellungnahmen der EU-Staaten und der katholischen Kirche in Kuba, die die Castro-Regierung aufforderte, alles zu unternehmen, um die Gefangenen zu schützen. Günter Nooke, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, stellte nach Zapata Tamayos Tod die Forderung auf, Einreisevisa für kubanische Funktionäre durch die EU und USA nicht mehr zu genehmigen. Die IGFM appelliert weiterhin an die EU, sich nachhaltig für die Freilassung aller politischen Gefangenen einzusetzen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und der derzeitige EU-Ratspräsident José Luis Rodríguez Zapatero sprachen sich ebenfalls für die Freilassung der politischen Gefangenen und eine bessere Achtung der Menschenrechte in Kuba aus.
|