01.03.2006 17:37 Uhr

Kuba: Dramatische Zuspitzung nach 30 Tagen Hungerstreik für die Pressefreiheit

Journalist Fariñas auf Intensivstation / Hungerstreik für freien Internetzugang



Journalist Guillermo Fariñas: Hungerstreik für freien Internetzugang auf Kuba. Foto CTK, agendacuba.org

 

Frankfurt am Main / Santa Clara (1. März 2006) - Der kubanische Journalist und Herausgeber der staatsunabhängigen Agentur "Cubanacán Press", Guillermo Fariñas Hernandez, der sich seit 30 Tagen in Hungerstreik befindet, erklärte nach Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) von der Intensivstation des Provinzkrankenhauses Santa Clara aus, dass er seinen Hungerstreik diesmal bis zur letzten Konsequenz fortsetzen und gegebenenfalls den Katheter, durch den er momentan mit einem medizinischen Serum versorgt wird, selbst entfernen werde. Er widersprach damit Berichten der Castro-Regierung, wonach Fariñas seinen Hungerstreik abgebrochen hätte. Der Journalist und Menschenrechtsaktivist appelliert an das Castro-Regime, der kubanischen Bevölkerung endlich das universell anerkannte Recht auf freien Internetzugang zu gewähren.

Mit Sorge berichten Freunde und Familienmitglieder über einen deutlichen physischen Verfall des Aktivisten. Sie erhielten die Erlaubnis, Fariñas wenige Minuten durch eine Glasscheibe der Intensivstation zu beobachten. Starke Kopfschmerzen, mangelnde Blutzufuhr in verschiedenen Gliedmaßen und andere Leiden wurden bereits ärztlich festgestellt. Die Unterstützer und Journalisten der von Fariñas geleiteten Agentur "Cubanacán Press" warnen die Öffentlichkeit vor der Möglichkeit eines tödlichen Ausgangs in seinem Fall.

Guillermo Fariñas wirft der kommunistischen Regierung Kubas vor, das seit Jahrzehnten bestehende US-Embargo als Vorwand zu nutzen, um den Bürgern den Zugang zu ungefilterten Informationen aus dem Internet zu verwehren. Die IGFM dokumentiert den  gewaltlosen Kampf Fariñas für Meinungs- und Informationsfreiheit seit Jahren: Es ist bereits das zehnte Mal, dass der Journalist in den Hungerstreik tritt.

Bei der Menschenrechtsaktivistin Noelia Pedraza, die seit dem 3. Februar ebenfalls im Hungerstreik ist und sich momentan in ihrer Wohnung aufhält, war ebenfalls ein beträchtlicher physischer Verfall festzustellen, so die in Frankfurt ansässige IGFM. Dieser wirkt sich auf ihre gesamte gesundheitliche Verfassung aus, die nach Angaben von Familienangehörigen jeden Tag schlechter wird.

Als weiteren Beweis für die systematische Unterdrückung der Meinungs,- Presse,- und Informationsfreiheit auf Kuba wertet die IGFM die Pläne des Castro-Regimes, zwei unabhängige Journalisten erneut zu inhaftieren. Oscar Espinosa Chepe und Jorge Oliviera Castillo, die bereits im Zuge der Verhaftungswelle im März 2003 inhaftiert und nach knapp zwei Jahren Gefängnis aus gesundheitlichen Gründen entlassen wurden, droht nun die erneute Inhaftierung, sollten sie nicht der Forderung des Castro-Regimes nachkommen und ihre Arbeit aufgeben. Die Journalisten hatten immer wieder kritisch über die verheerende Menschenrechtssituation auf Kuba berichtet. Über ihr Schicksal wird nun ein von der Regierung inszeniertes Gerichtsverfahren entscheiden. Espinosa Chepe beschreibt die neuste Entwicklung als ein deutliches Anzeichen für die zunehmende Unterdrückung Oppositioneller, die in besonderem Maße die unabhängige Presse betreffe. Damit werde aber auch deutlich, dass sich unter den Anhängern des Regimes große Unruhe breit mache, so die IGFM.


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Unter den über 300 politischen Gefangenen auf Kuba, deren Fälle die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte dokumentiert hat, sind über vierzig Journalisten, Schriftsteller und Bibliothekare. Die IGFM berichtete immer wieder über die kubanischen Journalisten Guillermo Fariñas, Hernandez Gonzalez, Oscar Espinosa Chepe und andere.
Im Rahmen ihrer Cuba Conference 2006 vom 5.- 6. Mai in Königstein/Ts. berichten Zeugen und Angehörige von verfolgten kubanischen Journalisten und Bibliothekaren über ihre Erlebnisse und die aktuelle Situation.






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