20.05.2007 13:39 Uhr

Eritrea: 5. Jahrestag des Erlasses zur Christenverfolgung. Tausende Christen in Haft

IGFM: Regierung bestimmt Personalpolitik der Kirchen ? Unterdrückung, Folter und Mord stehen auf der Tagesordnung



Ein sogenannter "Abschwörkontainer" in Eritrea, in den ein Christ so lange gesperrt und von Staatsdienern bearbeitet wird, bis er seinem Glauben abschwört. Bild: Compass


Asmara/Berlin (20. Mai 2007) ? Eine Schreckensbilanz zieht die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) anlässlich des 5. Jahrestages des Beginns der Christenverfolgung in Eritrea. Mit einem Regierungserlass vom 21. Mai 2002 setzte in der ostafrikanischen Republik eine sich steigernde Verfolgung protestantischer Minderheitenkirchen ein, die sich in fünf Jahren zu einer massiven Unterdrückung der Religionsfreiheit entwickelt hat. Massenverhaftungen, Folter und die Tötung von Christen stehen auf der Tagesordnung. Aus diesem Anlass appelliert die IGFM an EU-Ratspräsidentin Angela Merkel, zum fünften Jahrestag des Erlasses beim eritreischen Staatspräsidenten Issayas Afwerki für die zahlreichen inhaftierten Regime-Opfer und die Religionsfreiheit aller Gläubigen und Kirchen zu intervenieren.

Am 21. Mai 2002 wurden per Erlass alle religiösen Gruppierungen, die nicht den orthodoxen, katholischen, lutherisch-evangelischen und muslimischen Religionsgemeinschaften angehören, in Eritrea geschlossen. Die rund viereinhalb Millionen Eritreer gehören jeweils ungefähr zur Hälfte dem Christentum und dem Islam an. Seit Mai 2002 ist es zur massiven Verfolgung protestantischer Minderheitenkirchen gekommen. Im Mai 2007 sind rund 2000 Christen überwiegend aus protestantischen Freikirchen ohne Gerichtsverfahren aufgrund ihrer religiösen Überzeugung in Haft. Sie werden massiv unter Druck gesetzt, Glaubensverzichterklärungen zu unterschreiben. Zu den Gefangenen gehören dutzende Gemeindeleiter. Aufgrund schwerer Misshandlungen starben seit Oktober 2006 drei Christen.

Seit Anfang 2006 weitet sich die Unterdrückung auch auf anerkannte Gruppen wie die eritreisch-orthodoxe Kirche aus, deren regimekritischer Patriarch Abuna Antonios im Januar 2006 unter Hausarrest gestellt wurde. Kirchen werden neuerdings zur Abgabe von Kollekten gezwungen und Geistliche zum Militärdienst eingezogen. Gegen das Kirchenrecht soll am Pfingstsonntag Bischof Dioskoros von Mendefera als neuer eritreischer Patriarch eingeführt werden. Auch Muslime, die die von der Regierung eingesetzten Muftis nicht anerkennen, riskieren Freiheitsentzug.

IGFM appelliert an EU-Ratspräsidentin Merkel

Mit der faktischen Aufhebung der Religionsfreiheit verstößt Eritrea gegen den vor fünf Jahren ratifizierten internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und die Umsetzung der Staatsverfassung von 1997. Die IGFM appelliert an EU-Ratspräsidentin Angela Merkel, zum fünften Jahrestag des Regierungserlasses am 21. Mai beim eritreischen Staatspräsidenten Issayas Afwerki für die zahlreichen inhaftierten Regime-Opfer und die Religionsfreiheit aller Gläubigen und Kirchen zu intervenieren. Frau Merkel würde damit ein notwendiges Gegengewicht zu dem kritiklosen und unterwürfigen Empfang des eritreischen Staatspräsidenten durch EU-Entwicklungskommissar Louis Michel am 4. Mai in Brüssel setzen, so die IGFM.





siehe auch:
Helen Berhane: Gospelsängerin in Eritrea

 






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