26.08.2005 10:00 Uhr

SR Vietnam: Gehäufte Anschläge auf christliche Häuser

Ein Haus niedergebrannt, weitere zehn Häuser von Christen zerstört ? christenfreie Gemeinden



Hré-Frau bei der Arbeit

 

Quang Ngai-Frankfurt/Main (26. August 2005) - Wie jetzt bekannt wurde, ist nach einem Gottesdienst am Sonntag, dem 21. August, das Haus eines evangelischen Christen der zentralvietnamesischen Provinz Quang Ngai zerstört und niedergebrannt worden. Die Christen gehören dem Verband der Evangelischen Kirche Vietnams (VEKV) an, einer vom vietnamesischen Staat anerkannten Kirche. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) verurteilt diesen barbarischen Akt gegen Christen und sieht eine Eskalation der Feindseligkeit von Seiten des kommunistischen Staates. Die IGFM appelliert an die vietnamesische Regierung, christliche Gemeinden zu schützen, umgehend Untersuchungen einzuleiten und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Ohne ein konsequentes Vorgehen der Zentralregierung gegen verbrecherische Handlungen der lokalen Behörden befürchtet die Menschenrechtsorganisation weitere Anschläge in der Region. Der aktuelle Anschlag auf die Gemeinde der offiziell anerkannten VEKV ist kein Einzelfall.

Das Haus des evangelischen Christen Dinh Van Hoan (Gemeinde Son Thuong, Kreis Son Ha, Provinz Quang Ngai) war ein Treffpunkt von Christen der ethnischen Hré-Bevölkerung. Am Sonntag, dem 21. August, kamen Vertreter der örtlichen Polizei in sein Haus und fertigten ein Protokoll über eine "illegale religiöse Versammlung" an. Die Polizei sagte, dass in der Gemeinde keine Christen beherbergt werden sollen. Da Herr Hoan sich geweigert hatte, das Protokoll zu unterschreiben, drohte die Polizei, die Zerstörung seines Hauses durch "Bevölkerungsgruppen" anzuordnen. Danach kam eine Gruppe von Veteranen unter der Leitung von Gemeindebeamten und riß sein Haus ein. Seine Ställe für Geflügel und Wasserbüffel wurden zerstört, das Wellblechdach mit spitzen Gegenständen durchlöchert. Die Zerstörer nahmen Hühner mit und feierten ihren Sieg. Sie teilten der Familie mit, sie würden das Haus wiederaufbauen, wenn die Familie ihrem Glauben abschwören und die Bibel verbrennen würde. Andernfalls werde das Haus niedergebrannt. Später kamen die Veteranen zurück und legten Feuer an das Haus, das bis auf die Grundmauern abbrannte.

Die Opfer sind zur Zeit obdachlos, weil die Regierungsbehörden der Bevölkerung mit Prügel und Todschlag drohten, falls sie die Opfer in Obhut nähme.

Politik der Hauszerstörung auch gegen Angehörige der staatlich anerkannten Kirche

Der Christ Dinh Van Hoan kam ursprünglich aus dem benachbarten Kreis (Son Tay in Quang Ngai). 2001 war sein dortiges Haus ebenfalls als "illegaler Treffpunkt von Christen" zerstört worden. Seine Familie floh nach Son Thuong, der Heimatgemeinde seiner Frau. Die Christenverfolgung in Son Tay ist extrem. Die IGFM stellt fest, dass am 26. Juli 2005 sieben Häuser von Christen in Son Tay dem Erdboden gleich gemacht wurden; die verbliebenen drei Christenhäuser wurden dort am 31. Juli zerstört. Die Christen in Son Tay wurden danach aus dem Kreis verjagt. Die lokale Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Gemeinde Son Tay christenfrei bleibt. Sie hält den evangelischen Glauben für einen Glauben der USA.

"Die Beispiele zeigen das wahre Bild der Religionspolitik in Vietnam", so Vu Quoc Dung, Asienreferent der IGFM. Das Weißbuch über die Menschenrechtslage in Vietnam, das von der vietnamesischen Regierung am 18. August der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ist eine Beschönigung der Tatsachen. Jahrelang hat die regierende Kommunistische Partei Vietnams in diesem Einpartei-Staat in Südostasien ihre lokalen Behörden mit Hetzliteratur gegen evangelische Christen versorgt. Zahlreiche Gesetze über religiöse Aktivitäten, die Ende 2004 und Anfang 2005 wegen der Kritik der Weltöffentlichkeit erlassen wurden, erwiesen sich als Augenwischerei. Sie zeigten bis heute keine Wirkung auf die Realpolitik und das Verhalten der Behörden.

Die IGFM registriert, dass Christen nach dem Erlass dieser Gesetze weiterhin zur Aufgabe ihres Glauben gezwungen, ihre Versammlungen aufgelöst, ihre Häuser zerstört wurden. Das Haus der Mennoniten in Ho Chi Minh Stadt wurde im Juli 2005 zerstört. Die Zentralregierung kann sich nicht herausreden: bisherige Beschwerden an den Regierungschef Phan Van Khai blieben unbeantwortet. "Wenn früher die Regierung ihre Verfolgung mit dem Verbot von "illegalen Hauskirchen" begründete, liefern die aktuellen Ereignisse einen Beweis dafür, dass auch die vom Staat anerkannte evangelische Kirche unter dem gleichen grausamen Schicksal leidet", so Dung.

 






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