31.10.2002 12:56 Uhr

Nigeria: Amina Lawal gegen Boykott der Miss World Wahl

IGFM: Steinigung - was geschieht nach dem 7. Dezember?



Amina Lawal


Frankfurt/M. (31.Oktober 2002) - Amina Lawal soll wegen Ehebruch gesteinigt werden, wenn im Januar 2004 ihr Kind abgestillt ist. Nach Agenturberichten hat sich die junge Mutter gegen den Boykott der Miss Word Wahlen in Nigeria ausgesprochen. Frau Lawal, die nicht lesen und schreiben kann, habe als Begründung u.a. gesagt, Nigeria sollte nicht isoliert sein. Sie habe gehört Präsident Obasanjo sei ein guter Mensch und werde sich für ihr Leben einsetzen.

Eines haben die nationalen Schönheitsköniginnen, die sich zum Leidwesen der nationalen Miss Wahl Agenturen dem Boykott angeschlossen hatten, bereits erreicht: Das Thema Steinigung bewegt seit Wochen die Welt! Jede neue Boykottankündigung wurde von den Medien wahrgenommen und hinderte die Menschen daran zu vergessen oder zu verdrängen, dass radikale Befürworter dieser barbarische Strafform, die ihre Opfer zugleich demütigt, foltert und tötet, auf dem Vormarsch sind. Viele Menschen haben die Regierenden zum Handeln aufgerufen. Politiker, für die Steinigung zuvor kein Thema war und islamische Repräsentanten werden im Westen gefragt, wie sie zur Steinigung stehen. Die Miss World Organisation muss sich fragen lassen: was kann durch protestierende Wettbewerberinnen am 7. Dezember in Nigeria mehr erreicht werden?

Die Wahl der amtierenden Miss Nigeria hat die Rechte der Frauen in den Nordstaaten nicht befördert. Im Gegenteil: Alle Steinigungsurteile von Scharia-Gerichten sind nach der Wahl der Nigerianerin Agbani Darego ergangen. Das Medienereignis der Wahl einer neuen Miss World wird in den nördlichen Bundesstaaten Nigerias nicht zu sehen sein, denn die dort herrschenden Anhänger des Sharia-Rechtes und der Steinigung haben angekündigt, dass sie dieses Programm aufgrund seiner "Unsittlichkeit" nicht senden werden. Stattdessen wird der "satanische Akt" einer "Parade der Nacktheit" in den Moscheen des muslimischen Nigeria zum Aufhänger für neue antiwestliche und antichristliche Agitation.

Von islamischen Politikern wird die Auffassung vertreten, dass Frauen, die auf hochhackigen Schuhen die Bühne betreten und ihren Körper in knappen Badeanzügen präsentieren, mit Prostituierten gleichzusetzen seien. Die Prostitution sei aber in den Nordstaaten abgeschafft und deshalb würden sie diesen Zustand mit allen Mitteln zu verteidigen wissen.

Extreme islamische Organisationen haben bereits Störungen der Wahlveranstaltung angekündigt. Die jungen Wettbewerbsteilnehmerinnen gehen durch ihre Anwesenheit ein persönliches Risiko ein, das trotz des Schutzes durch die Behörden nicht kalkuliert werden kann. Nichts kann nach den jüngsten Anschlägen von Islamisten auf Bali und in Pakistan mehr ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund hat die Schirmherrin Stella Obasanjo, die Frau des nigerianischen Präsidenten, die Wahlveranstaltung vom 30. November auf den 7. Dezember verschieben lassen, denn dann ist der Fastenmonat Ramadan beendet. Nicht enden darf aber nach diesem Tag das Engagement gegen die Steinigung. Das müssen sich die Miss World Organisation und alle, die mit Miss Wahlen gutes Geld verdienen, sagen lassen!






 Nigeria: Unruhen im Land. Wird die Scharia bald auch Gesetz in den westlichen Bundesstaaten? - 27-03-03 10:52
 Nigeria: Zur Steinigung verurteilte Mutter muß weiter auf Berufungsverhandlung warten - 26-03-03 12:20
 Nigeria / Deutschland: 90.000 Bürger unterstützen Appell für die Ächtung der Steinigung - 16-01-03 12:37
 Stephanustag: Am zweiten Weihnachtstag an Steinigungsopfer denken! - 23-12-02 12:22
 10. Dezember - 54. Internationaler Tag der Menschenrechte: Menschenrechte statt Scharia-Gesetze! - 09-12-02 12:05
 Nigeria: Islamisten auf dem Vormarsch - 06-12-02 11:38
 Nigeria: Miss World-Veranstalter sollen jetzt für Scharia-Opfer eintreten - 25-11-02 11:25
 Nigeria / Steinigung: Unterschriftenübergabe an Terminschwierigkeiten gescheitert - 21-11-02 12:38
 Nigeria / Steinigung: 30.000 Unterschriften für Nigerias Vizepräsidenten - 20-11-02 12:27
 Deutschland / IGFM: Islamische Verbände dürfen nicht länger zur Steinigung schweigen! - 14-11-02 12:15
 Deutschland: 25.000 Bürger unterstützen den Appell für die Ächtung der Steinigung... - 05-11-02 12:06
 Steinigung: 15.000 Bürger fordern die Bundesregierung zum Handeln auf - 22-10-02 12:47
 Nigeria: Keine Entwarnung bei Steinigung - 14-10-02 12:36
 Türkei: Steinigung unmenschlich, grausam und erniedrigend - 30-08-02 12:30
 IGFM: Fischers Ministerium muss Zurückhaltung gegenüber Steinigung aufgeben - 22-08-02 12:18
 IGFM: Steinigung international ächten! - 19-08-02 12:05
 Islamische Organisationen sollen sich von barbarischen Strafen distanzieren - 17-07-02 12:53
 Islamisches Recht: Scharia-Strafen auf dem Vormarsch - 16-07-02 12:38
 IGFM: Kampagne gegen Steinigung und andere barbarische Strafen - 10-07-02 12:27
 Iran: Seit 1997 Steinigungsurteile gegen 15 Frauen und 7 Männer - 04-06-02 12:07



<- zurück zur Übersicht

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

designed by WIV-GmbH