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IGFM: Castro-Diktatur hält die Welt mit Scheibchentaktik hin
 Dr. Darsi Ferrer, engagierter Menschenrechtler und Armenarzt auf Kuba, ist frei.
Havanna / Frankfurt am Main (23. Juni 2010) - Dr. Darsi Ferrer, Menschenrechtler und Mitgründer der IGFM-Gruppe Kuba der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), ist seit dem 22. Juni 2010 wieder auf freiem Fuß. Nach 11monatiger Untersuchungshaft und mehreren Hungerstreiks konnte der Arzt das Gefängnis in Havanna verlassen. Die IGFM wirft der kubanischen Diktatur unterdessen eine Hinhaltetaktik vor. IGFM-Sprecher Martin Lessenthin erklärte: "Mit der scheibchenweisen Gewährung von Freilassung politischer Gefangener oder augenscheinlichen Haftverbesserungen für sie spielt Castro auf Zeit. Diese Zeit aber haben die über 200 meist schwerkranken politischen Gefangenen nicht".
Ein Gericht in der kubanischen Hauptstadt verurteilte den 40jährigen Arzt Dr. Darsi Ferrer zu insgesamt 15 Monaten Haft und setzte die ihm verbleibenden vier Monate auf Bewährung aus. Ferrer ist Gründer und Direktor des Juan Bruno Sáez Zentrums für Gesundheit und Menschenrechte, das arme Familien und Familien politischer Gefangener medizinisch betreut und sich gewaltfrei für soziale und kulturelle Rechte auf Kuba einsetzt. Am 9. Juli 2009 war der Menschenrechtler aufgrund seines Engagements und seiner Kritik am Castro-Regime von der Geheimpolizei verhaftet worden. Als Vorwand diente die Anschuldigung, Ferrer habe illegal auf dem Schwarzmarkt zwei Sack Zement gekauft, um sein - zuvor von Polizisten verwüstetes - Haus instand zu setzen.
Seine Verhaftung hatte ein diplomatisches Nachspiel. Im August 2009 wurde seine Ehefrau Yusnaimy Jorge von europäischen Diplomaten besucht, die damit ein Zeichen der Solidarität mit dem Menschenrechtler setzen wollten. Das kubanische Außenministerium bewertete es als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten Kubas".
Während seiner Untersuchungshaft im Gefängnis "Valle Grande" westlich von Havanna informierte Ferrer die Öffentlichkeit laufend über die miserablen Bedingungen in seiner Haftanstalt und forderte nachdrücklich einen fairen Gerichtprozess. Aus Protest gegen die mangelhafte medizinische Betreuung der Gefangenen befand er sich drei Wochen lang im Hungerstreik.
Bei seiner Haftentlassung zeigte sich Ferrer "froh, wieder bei meiner Familie zu sein". Gleichzeitig versprach er, seinen Kampf für die Menschenrechte fortzusetzen. Er werde sich erst zufrieden geben, wenn "sich die Freiheit und der Respekt für die Menschenrechte aller Kubaner endgültig durchgesetzt haben", betonte das IGFM-Mitglied. Während seiner Haft hatte Ferrer mit mehreren Hungerstreiks gegen die unwürdigen Haftbedingungen protestiert.
Gleichzeitig begrüßte Ferrer den seit mehreren Monaten andauernden Dialogprozess zwischen der katholischen Kirche und der kubanischen Regierung. Dieser sei eine Reaktion auf die "schwere Krise", die der Inselstaat durchlebe. Er hoffe, dass seine Befreiung ein Ergebnis der Verhandlungen zwischen Kirche und Regime gewesen sei, so Ferrer. Zuvor wurde am 12. Juni der schwerkranke Menschenrechtler Ariel Sigler Amaya vorzeitig freigelassen worden.
Für den IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin sind die Zugeständnisse der kubanischen Regierung nicht genug: "Es ist unglaublich, wie lange sich die kubanische Regierung bitten lässt, die Minimalforderung nach Freilassung aller politischen Gefangenen zu erfüllen. Statt endlich Fakten zu schaffen, geht das Castro-Regime in Trippelschritten auf die internationale Gemeinschaft zu, erwartet aber im Gegenzug großzügige Zugeständnisse". Lessenthin verweist auf die Absurdität der Verurteilung von Dr. Ferrer: "In Kuba ist ein Überleben ohne Schwarzmarkt praktisch unmöglich. Dies weiß selbst die Regierung. Begründung und Strafmaß dieses Urteils sind deshalb politisch inspiriert. Die internationale Gemeinschaft darf nicht hinnehmen, dass Menschenrechtsaktivisten wie Ferrer, die sich für die medizinische Versorgung der Ärmsten einsetzen und sie selbstlos leisten, wegen konstruierter Anschuldigungen für lange Zeit weggesperrt werden."
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