08.06.2006 14:04 Uhr

Kuba: Hungerstreikender Journalist seit fünf Tagen ohne Bewusstsein

Nächtliche Gebete und Hungern für Guilliermo Farinas -

Landesweite Solidaritätsaktionen kubanischer Menschenrechtsverteidiger



Journalist Guillermo Fariñas: Hungerstreik für freien Internetzugang auf Kuba. Foto CTK, agendacuba.org


Havanna / Santa Clara / Frankfurt a. M. (8. Juni 2006) ? Der blinde Rechtsanwalt Juan Carlos Gonzales Leiva, Präsident der Kubanischen Stiftung für Menschenrechte und Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), besuchte am 3. Juni Santa Clara, den Wohnort von Guillermo Fariñas. Er informierte sich über den Zustand des hungerstreikenden Journalisten. Farinas ist den vergangenen Tagen mehrfach wegen akuter Todesgefahr (Wasser in der Lunge) im Krankenhaus von Santa Clara behandelt worden und war fünf Tage nach den Eingriffen immer noch ohne Bewusstsein. Nach diesem Besuch rief die Kubanische Stiftung für Menschenrechte zu landesweiten Gebetsnachtwachen und zum Solidaritätshungern auf. Die Solidaritätsnachtwachen haben am 5. Juni 2006 begonnen.

Die IGFM berichtete laufend über den Hungerstreik für Informations- und Meinungsfreiheit in Kuba. Am 31. Januar 2006 trat der Journalist und Psychologe Guillermo Fariñas in den Hungerstreik, um das Recht der kubanischen Bevölkerung auf einen freien Internetzugang einzufordern und um gegen die Unterdrückung und die Misshandlungen, die ihm durch die kubanische Regierung zugefügt wurden, zu protestieren. Seit Anfang März wird er auf Anweisung der kubanischen Behörden zwangsernährt.

Zusammen mit der Kubanischen Stiftung für Menschenrechte, haben sich auch andere kubanische Organisationen an den landesweiten Nachtwachen beteiligt: die "Marta Abreu Bewegung" unter Vorsitz von Noelia Pedraza, die Frauenorganisation "Flamur" (unabhängige Bäuerinnen) unter Vorsitz von Maura Iset Gonzales Urquet und die "Unabhängige Liga Kubanischer Bauern" mit ihrem Sitz in San Luis, Santiago de Cuba und in Havanna "Die Demokratische Kubanische Koalition" mit Reinaldo Cosano als ihrem Leiter und die "Jugend-Bewegung" der Kubanischen Stiftung für Menschenrechte unter Vorsitz von Ahmed Rodriguez Albacia. Landesweit beteiligen sich außerdem Menschenrechtsaktivisten an den Nachtwachen.

Gonzales Leiva kündigte an: "Sollte sich der Gesundheitszustand Fariñas weiterhin verschlechtern, machen wir die kubanische Regierung für jedes Ereignis oder Vorkommen im Gebiet um das Krankenhaus von Santa Clara verantwortlich."

Die in Frankfurt ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte wies darauf hin, dass Kuba auf der internationalen Web-Konferenz in Tunis den Anspruch jedes Bürgers auf freien Zugang zum Internet anerkannt hat. Dennoch verweigere es den kubanischen Zivilpersonen den Zugang, kontrolliere systematisch den Erwerb von Computern und Telefonanschlüssen und verfolge Internetdissidenten.

Ausländische Medizinstudenten kritisieren Sperrung von Internetverbindungen

Die Überwachung und Kontrolle des Internets trifft nicht nur Journalisten und die kubanische Bevölkerung. Ausländische Medizinstudenten der Medizinischen Hochschule Morón beschweren sich darüber, dass der Internetzugang seit mehreren Wochen nicht mehr funktioniert. Die Studenten der Schule stammen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und aus verschiedenen arabischen Staaten.

Einige Studenten gehen in Internetcafés online, die exklusiv von der Kubanischen Telefongesellschaft für Ausländer betrieben werden. Diese Dienstleistungen müssen mit amerikanischen Dollar bezahlt werden.




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Kommentar von Martin Lessenthin, Sprecher des IGFM-Vorstands







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