10.11.2005 11:15 Uhr

Pakistan: Islamisten verprügeln und beschießen Christen am Ende des Ramadan

IGFM fordert konsequente Bestrafung der Schuldigen



Im CLAAS-Frauenschutzhaus "Apnar Gar" ("Unser Heim")


Lahore / Frankfurt/M. (10. November 2005) - Religiöser Fanatismus findet in Pakistan immer neue Opfer. Der Regierung in Islamabad ist es trotz zahlreicher Ankündigungen bis heute nicht gelungen, Angehörige religiöser Minderheiten vor dem Terror durch islamistische Straftäter zu schützen. Viele Beobachter zweifeln den tatsächlichen Willen der Regierung Musharraf an, die Härte des Gesetzes tatsächlich gegenüber militanten Islamisten anwenden zu wollen. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) soeben erfuhr, haben junge Muslime im Dorf Niale da Wara (Provinz Punjab, Pakistan) am Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan christliche Einwohner des Ortes angegriffen und mißhandelt.

Nach verbalen Attacken fielen am 4. November Schüsse auf christliche Dorfbewohner. Nach kurzzeitiger Verhaftung der Angreifer durch die Polizei rächten sich die wieder auf freien Fuß gesetzten Extremisten mit erneuten Angriffen. Am Abend des 5. Novembers misshandelten 13 muslimische Männer christliche Frauen und Kinder und verletzten den Gemeindepastor Indrias Masih mit Gewehrschüssen. Der Pastor musste in kritischem Zustand in ein Krankenhaus in Lahore eingeliefert werden. Dort wurde ihm ein Ohr wieder angenäht.

In den letzten Jahren hat sich in vielen Regionen Pakistans der religiöse Extremismus unter Muslimen gesteigert. Auch im Dorf Niale de Wara hatte sich das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Besonders christliche Frauen und Mädchen sind Opfer von Übergriffen. Infolgedessen flohen die meisten Christen, und die Zahl der christlichen Familien ging von über 60 auf 20 zurück. Die mit der IGFM kooperierende Menschenrechtsorganisation CLAAS (Lahore) hat trotz der angespannten Lage ein Untersuchungsteam nach Niale da Wara geschickt.

Die IGFM fordert die pakistanischen Behörden zur konsequenten Strafverfolgung und zum Schutz der CLAAS-Delegation sowie der verbliebenen christlichen Bevölkerung auf. Sie fordert Aufklärung darüber, wie es geschehen kann, dass Gewalttäter von der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt wurden und erneut ihre Opfer attackieren konnten. Immer wieder kommt es in der Islamischen Republik Pakistan zu Übergriffen gegen Nichtmuslime (ca. 4 Prozent der Bevölkerung). Die umfassend islamische Gesetzgebung macht diese zu Staatsbürgern 2. Klasse.






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