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Sieben Christen von Grenzschutzsoldaten schwer verletzt
Ha Giang / Frankfurt (6. Oktober 2005) - Chang Seo Vu, ein evangelischer Christ der ethnischen Hmong Minderheit in der nordvietnamesischen Provinz Ha Giang, floh aus Angst vor Verfolgung nach Hanoi. Weil er seinem Glauben nicht abgeschworen hatte, wurde er mit einem Elektroschocker misshandelt. Aus den der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zugegangenen Dokumenten wird ersichtlich, dass das Schicksal von Vu kein Einzelfall ist. Sechs weiteren Christen in Ha Giang erging es ähnlich. Karl Hafen, Geschäftsführender Vorsitzender der IGFM, ruft den vietnamesischen Premierminister Phan Van Khai auf, das Leben der Christen zu schützen und seine Anordnung 01/2005/CT-TTg vom 4. Februar 2005, welche den Behörden verbietet, Christen zur Aufgabe ihres Glaubens zu zwingen, durchzusetzen.
Der Hmong-Christ Chang Seo Vu lebt in dem Dorf Chi Ca, Kreisgemeinde Xin Man, Provinz Ha Giang. Die Behörden im Dorf propagierten, der evangelische Glaube sei "ein Glaube der USA, ein reaktionärer Glaube". Christen in dem Dorf sollten deshalb diesem Glauben abschwören. Am 3. September 2005 verhafteten vietnamesische Sicherheitsbeamte Vu in seinem Heimatdorf mit Hilfe von Grenzschutzsoldaten. Sie fesselten eine seiner Hände durch eine Handschelle und hängten ihn an der Handschelle auf. Ein Grenzschutzsoldat namens Thong zeigte ihm einen Elektrostab und fragte, was das wohl sei. Ohne auf seine Antwort zu warten, stachen zwei Soldaten mit ihren Elektrostäben mehrmals auf ihn ein und höhnten, das sei der evangelische Glaube.
Sechs anderen evangelischen Christen in der Kreisgemeinde Xin Man erging es ähnlich. Vang Seo Sang und Vang Seo Dung wurden am 28. und 30. August 2005 von Dorfkadern der Kommunistischen Partei und Grenzschutzsoldaten verhaftet und misshandelt. Vang Seo Dung wurde eine Rippe gebrochen. Am 31. August 2005 wurde Chang Seo Vang so schwer misshandelt, dass er bis heute daran leidet. Am 4. September 2005 wurden die Hmong-Christen Ly Seo Vang, Vang Seo Dinh und Ly Vang Dung verhaftet und geschlagen. Ly Vang Dung wurde eine Rippe gebrochen. Am 19. September 2005 wurde Thao Seo Lo zum Büro der Dorfverwaltung zitiert. Er und seine Familie sollten dem christlichen Glauben abschwören. Da sie dies verweigerten, wurde Thao Seo Lo von Grenzschutzsoldaten in den Bauch und ins Gesicht geschlagen. Am 20. September 2005 wurde er nochmals vorgeladen. Aus Angst vor weiteren Schlägen floh er nach Hanoi und suchte dort Hilfe bei einem Anwalt.
Die Opfer sind Mitglieder des seit 1958 offiziell vom vietnamesischen Staat anerkannten Verbandes der Evangelischen Kirche Vietnams (Nordvietnam). Der VEKV-Nord durchlebte ein gespanntes Verhältnis mit der vietnamesischen Regierung in der Phase zwischen 1984 und 2004, als die Regierung die Aufnahme der Christen aus den Minderheiten in die Kirche missbilligte und die Kirchenleitung deswegen als politisch "reaktionär" bezeichnete. Seit Ende 2004 versucht die VEKV-Nord, Mitgliedsbescheinigungen zu erteilen und ihre Mitglieder im Konfliktfall zu unterstützen.
Das Volkskomitee der Provinz Ha Giang exekutiert seit den späten 90er Jahren eine ausgesprochen christenfeindliche Politik. Offiziell und in geheimen Anweisungen, die der IGFM in Kopien vorliegen, wurde ein Verbot des evangelischen Glaubens propagiert. Christen in der Provinz wurden zu Lehrveranstaltungen zitiert und gezwungen, eine Erklärung zu unterzeichen. Darin sollten sie versichern, dass sie und ihre Familien künftig nicht mehr an katechistischen Veranstaltungen teilnehmen und zu der animistischen Tradition der Hmong zurückkehren. Die Behörden in Ha Ging gingen seither immer brutaler gegen Christen vor. Wie die IGFM bereits berichtete, wurden dort zwei Christen im Jahre 2003 zu Tode geschlagen.
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