|
Internationale Kampagne zeigt erste Wirkungen - Die angekündigte Vereitelung der Steinigung von Amina Lawal wäre noch keine Aufhebung der Scharia in Nordnigeria
 Nigeria: Scharia-Gesetz in zwölf nordnigerianischen Bundesstaaten
Frankfurt/M. / Lagos / Abuja (14. Oktober 2002) - Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) begrüßt die Ankündigung von Dubem Onyia, Staatsminister im nigerianischen Außenministerium, die von islamischen Gerichten angeordnete Steinigung von Amina Lawal zu vereiteln. Dies ist nach Auffassung der IGFM ein erster Erfolg der Internationalen Kampagne gegen die Steinigung. Der Ministerstellvertreter hatte gegenüber Teilnehmerinnen der Miss Word Wahlen erklärt, daß die Bundesregierung in Abuja ihre verfassungsmäßigen Rechte nutzen werde, damit es in Nigera keine Steinigung geben werde.
Die IGFM im bevölkerungsreichsten afrikanischen Staat gibt sich mit dieser Ankündigung des Ministerstellvertreters nicht zufrieden. Fabayo Adeleke, Präsident der IGFM Nigeria, und Karl Hafen, Geschäftsführender Vorsitzender der IGFM Sektion Deutschland, forderten am heutigen Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung vielmehr die generelle Aussetzung des islamischen Rechtes mit seinen Körperstrafen sowie die Wiedereinführung der säkularen Rechtsprechung in den nördlichen Bundesstaaten. Adeleke: "Die islamische Rechtsprechung verletzt die Menschenrechte, insbesondere die Rechte der Frauen. Die barbarische Strafe der Steinigung, bei der das Opfer zu Tode gequält und erniedrigt wird, muss in Nigeria und weltweit geächtet werden!" Der deutsche Menschenrechtler Hafen erklärt weiter: "Die bisherigen Ankündigungen von Präsident Obasanjo, er werde kein islamisches Recht dulden, sind über zwei Jahre lang ohne Folgen geblieben. Ankündigungen allein können das Leben der Verurteilten nicht schützen, dafür sind Taten notwendig."
Am 7. Dezember, einen Tag nach der Beendigung des islamischen Fastenmonats Ramadan, findet in der nigerianischen Hauptstadt Abuja die von einigen Teilnehmerinnen wegen der Steinigung boykottierte Miss World Wahl statt. Der Boykott wird unter anderem von den gewählten Schönheitsköniginnen aus Kenia und der Elfenbeinküste, der Schweiz, Frankreich, Spanien, Norwegen, Dänemark und Belgien unterstützt. Auch aus Deutschland wird möglicherweise keine Bewerberin teilnehmen, denn nach dem beruflich begründeten Ausstieg der deutschen Miss Kathrin Strobel ist - aus gesundheitlichen Gründen - auch die Nachrückerin Simone Wolf-Reinfurt nicht nach Nigeria gereist. Karl Hafen stellt mit Genugtuung fest, dass "jede neue Boykottandrohung geholfen hat, für das Thema Steinigung Aufmerksamkeit zu gewinnen". Hafen: Inzwischen bewirkt sogar die Krankmeldung einer Schönheitskönigin, dass die barbarischen Strafen der Scharia von Menschen diskutiert werden, die darüber sonst kein Wort verloren hätten!"
Die internationalen und nigerianischen Organisatoren der Miss Wahlen haben um jede Teilnehmerin gekämpft. So wurden Sicherheitsvorkehrungen in für Misswahlen bisher nicht gekanntem Ausmaß getroffen, und die Hauptveranstaltung wurde nach Ende des Ramadan neu terminiert. Zur Abwieglung der Boykottberichterstattung wurde angekündigt, dass sich die Teilnehmerinnen vor Ort für das Leben von Amina Lawal einsetzen können und immer wieder darauf hingewiesen, dass die zur Steinigung verurteilte junge Mutter sich selbst für die Durchführung der Veranstaltung ausgesprochen habe.
Karl Hafen weist auf das für die jungen Frauen mit ihrer Teilnahme verbundene, schwer berechenbare persönliche Risiko hin. Hafen: "Militante Islamisten haben bereits mehrfach 'Anschläge' und 'Störungen' gegen die Veranstaltung angekündigt. Wir können die Gefahren nicht beiseite reden. Nicht erst seit dem Terrorakt von Bali wissen wir, dass vor allem Symbole westlichen Lebens Ziele von Terrorangriffen sind."
|