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IGFM: Scharia-Richter erschienen nicht zur Verhandlung - 140.000 Bundesbürger unterstützen IGFM-Appell gegen die Steinigung
 Amina Lawal mit Tochter Wasila
Frankfurt/M. / Abudja (26. März 2003) - Wie die in Frankfurt ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, konnte die für gestern (25. April 2003) angesetzte Berufungsverhandlung der zum Tod durch Steinigung verurteilten Amina Lawal nicht stattfinden, weil der überwiegende Teil der Scharia-Richter nicht zur Verhandlung erschien. Die Verhandlung wurde auf Anfang Juni verschoben und findet damit erst nach den für den 19. April 2003 vorgesehenen nationalen Wahlen statt.
Die IGFM weist darauf hin, dass der 31jährigen Mutter Amina Lawal damit weiterhin im Januar 2004 der barbarische Steinigungstod droht. Sie war zwei Jahre nach ihrer Scheidung schwanger geworden und wurde von einem islamischen Gericht wegen angeblichen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt. Ihre Tochter Wasila war für die Scharia-Richter der lebende Beweis für ihre Schuld.
"Das Steinigungsurteil gegen die junge Mutter ist ein Symbol für die in zwölf nordnigerianischen Bundesstaaten eingeführte Scharia", erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM. Die Scharia ihrerseits ist das wesentliche Ziel der islamischen Parteien in Nigeria, deren Kandidat sich bei den nationalen Wahlen um das Präsidentenamt bewirbt. Lessenthin kritisierte, dass Frau Lawal zum Spielball der Politik geworden ist und offenbar wegen des Wahlkampfes weiter über ihr Schicksal im unklaren gelassen wird.
Amina Lawals erster Einspruch gegen das Steinigungsurteil wurde im August 2002 von einem oberen Scharia-Gericht abgewiesen. Lessenthin: "Die nigerianische Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Die in den nördlichen Bundesstaaten seit 1999 eingerichteten Scharia-Gerichte sind verfassungswidrig. Wenn dies vor dem höchsten Gericht Nigerias positiv geklärt würde, können islamische Gerichte keine Steinigungs- und Amputationsurteile mehr aussprechen. Wenn aber die islamischen Gruppen siegreich aus den Wahlen hervorgehen, wird dies zu einer Stärkung und weiteren Ausbreitung der Scharia in Nigeria führen."
Inzwischen unterstützen 140.000 Bundesbürger den Appell der IGFM zur Überwindung der Steinigung. Die IGFM fordert die Bundesregierung auf, sich auf internationaler Ebene für die Überwindung der Steinigung und anderer barbarischer Strafen einzusetzen. Am 5. und 6. April 2003 wird die IGFM im Rahmen ihrer in Königstein/Ts. stattfindenden Jahrestagung über Wege zur Überwindung der barbarischen Strafen diskutieren und erwartet dafür unter anderem Zeugen aus Nigeria.
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