04.03.2005 13:00 Uhr

Eritrea: Religionsfreiheit untergraben, Kirche verfolgt

Über 180 Christen seit Jahresbeginn inhaftiert




Frankfurt/M. (4. März 2005) - Ein Jahr nach Amtseinführung des eritreisch-orthodoxen Patriarchen Abune Antonius sind die Versprechen der eritreischen Regierung, der Kirche die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen, ins Gegenteil verkehrt worden. Nach Auffassung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) gehört Eritrea heute zu den Staaten, in denen die Religionsfreiheit extrem missachtet wird.

Allein seit Jahresbeginn 2005 sind über 180 Christen inhaftiert worden. Die Zahl der zum Teil unter unwürdigen und unmenschlichen Bedingungen in Containern weggesperrten Christen wird auf über 400 geschätzt. 50% des vier Millionen Einwohner zählenden Staaten Eritrea, der sich 1993 nach Abspaltung von Äthiopien gegründet hatte, sind Christen, die überwiegend der eritreisch-orthodoxen Kirche angehören; etwa 45% der Bevölkerung sind Muslime. Es gibt keine Pressefreiheit in Eritrea.

Bei der Amtseinführung des neuen eritreisch-orthodoxen Patriarchen Abune Antonios am 5. März 2004 hatte der eritreische Präsident Issayas Afeworki der Kirche einerseits die notwendige Unterstützung angeboten, andererseits die "Spaltung des Volkes durch religiöse Individuen" beklagt. Nur wenige Tage später begann eine wachsende und systematische Verfolgung von Angehörigen von Minderheitenkirchen. Im Mai 2004 wurden drei führende Pastoren unabhängiger protestantischer Gemeinden und die in Eritrea bekannte, christlich engagierte Sängerin Helen Berhane festgenommen. Seit Anfang 2005 wurden über 180 Christen in Haft genommen, darunter 25 Mitglieder einer katholischen Gruppierung und nach christlichem Ritus getraute Hochzeitspaare zusammen mit deren gesamter Hochzeitgesellschaft. Der IGFM sind die Namen von 17 inhaftierten protestantischen Gemeindeleitern bekannt. Mindestens sechs Kirchen wurden geschlossen.

Die IGFM beklagt die unwürdige und unmenschliche Unterbringung der gefangenen Christen in Metallcontainern in einer Halbwüste nördlich der Hauptstadt Asmera, wo die Gefangenen ? Männer  und Frauen gleichermaßen ? über Monate der gnadenlos heißen Sonne ausgesetzt sind. Infektionserkrankungen wie Diarrhöe schwächen die Gefangenen extrem. Mehreren sicheren Quellen zufolge werden die Gefangenen genötigt, Glaubensverzichtserklärungen bzw. Erklärungen, ihren Glauben nicht mehr auszuüben, abzugeben, nach denen die Gefangenen freigelassen werden.

Die IGFM erinnert an das Schicksal der Sängerin Helen Berhane, die seit 13. Mai 2004 in einem Metallcontainer des Militärcamps Mai-Serwa nördlich Asmera eingesperrt ist. Die 29jährige, die 2004 ein unter Jugendlichen beliebtes Album christlicher Musik herausgegeben hatte, hat sich bisher geweigert, eine Verzichtserklärung ihres evangelikalen Glaubens und für missionarische Tätigkeiten zu unterschreiben.

Einen Protest des neuen Patriarchen gegen die fortgesetzte Verletzung der Religionsfreiheit und die Verfolgung von Christen beantwortete der eritreische Präsident Afeworki mit dem Verbot, dessen Ansprache anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfestes am 7. Januar 2005 über die Medien ausstrahlen zu lassen, was seit Gründung der selbständigen eritreisch-orthodoxen Kirche im Jahre 1998 jährlicher Usus war.

Die IGFM fordert die sofortige Freilassung aller Gewissensgefangenen aus eritreischen Gefängnissen und Militärlagern und die Achtung der in der eritreischen Verfassung garantierte Religionsfreiheit und des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte, dem Eritrea im Jahr 2002 beigetreten ist.






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