14.12.2005 12:24 Uhr

Europa/Kuba: Europäisches Parlament verleiht Sacharow-Preis an kubanische Opposition

IGFM: Europäisches Parlament muss Druck auf Castro weiter erhöhen



?Damen in Weiß? demonstrieren an jedem Sonntag gegen die Unterdrückung und Inhaftierung von Oppositionellen auf Kuba


Havanna I Frankfurt am Main (14. Dezember 2005) - Der diesjährige Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments, der diesen Mittwoch in Strassburg verliehen wird, geht unter anderem an kubanische Menschenrechtsaktivisten, den "Damen In Weiß". Die IGFM hat die Prämierung der Damen intensiv unterstützt und begrüßt die Entscheidung des Europäischen Parlaments, den Preis bereits zum zweiten Mal innerhalb der letzten drei Jahre an Vertreter der kubanischen Opposition zu verleihen. Die IGFM fordert die EU aber auch auf, Ihren politischen Druck auf das repressive kubanische Regime weiter zu erhöhen.

Die "Damas de Blanco" sind Frauen, Schwestern und Töchter politischer Gefangene ? vor allem derjenigen Regimekritiker, die 2003 in einer rigorosen Repressionswelle verhaftet wurden. Sie treffen sich regelmäßig in der Hauptstadt der Karibikinsel, um friedlich gegen die Verhaftungen und Inhaftierungen politischer Gefangener auf Kuba zu demonstrieren. "Durch ihre andauernden, friedlichen Demonstrationen haben sie das internationale Bewusstsein für die Menschenrechtsverletzungen auf Kuba gestärkt", sagte Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM heute in Frankfurt am Main. "Von den 75 kubanischen Dissidenten, die im März des Jahres 2003 inhaftiert wurden, befinden sich derzeit immer noch 61 in politischer Gefangenschaft. Sie wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie die Anerkennung von Menschen- und Bürgerrechten auf Kuba forderten. Die EU muss verstärkt für ihre Freilassung eintreten."

Die Damen in Weiß setzen ein Zeichen des Mutes. In den letzten zwei Jahren trafen sie sich jeden Sonntag nach der Messe, um für die Freilassung ihrer Verwandten einzutreten und um gegen die unmenschlichen Bedingungen in kubanischen Gefängnissen zu demonstrieren. Sie kleiden sich in Weiß als Zeichen ihrer Unschuld und Reinheit und begeben sich in große Gefahr, wenn sie öffentlich gegen das Regime Stellung beziehen.

Der Sacharow-Preis, benannt nach dem sowjetischen Dissidenten Prof. Andrei Sacharow, wird jedes Jahr an Bewegungen verliehen, die für Meinungsfreiheit einstehen. Der Preis wurde bereits zum zweiten Mal (innerhalb der letzten drei Jahre) an Mitglieder der kubanischen Demokratiebewegung vergeben. Im Dezember 2002 erhielt Oswaldo Paya den europäischen Preis für sein Varela-Projekt. Paya gelang es, über 30.000 Unterschriften zu sammeln, um ein Referendum über die sozialistische kubanische Verfassung einzuleiten. Der Petition wurde bisher von Castro keine Beachtung geschenkt.

Nachdem das Europäische Parlament bekannt gegeben hatte, dass der diesjährige Preis auch an die Damen in Weiß verliehen werde, bezeichnete Castro die Mitglieder des Europäischen Parlaments als "korrupt, unmoralisch und ausbeuterische Heuchler". Vor einigen Wochen verweigerte das Castro-Regime der tschechischen Vertretung auf  Kuba außerdem einen Empfang, zu dem neben Regierungsvertretern auch "Damen in Weiß" eingeladen waren.

Zehn oppositionelle Frauen marschierten außerdem letzte Woche durch das Stadtzentrum von Santa Clara, um gegen die Verhaftung politischer Dissidenten zu demonstrieren. Die gehören alle zum "Marta Abreu Feminine Movement" und kleideten sich ebenfalls in weiß. "Wir wurden die ganze Zeit von der Polizei und einigen Paramilitärs überwacht", sagte Noelia Pedraza Jimenez, die Präsidentin der Organisation, die vor einem Monat gegründet wurde.






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