23.04.2009 15:53 Uhr

Türkei / 24. April Armenier-Gedenktag: Recht der Christen auf unverkürzte Geschichte

IGFM: Türkische Denkmäler nicht nur für Völkermord-Agitatoren - Syrisch-orthodoxe Christen als Minderheit anerkennen - Aramäische Sprache unter den Schutz des Weltkulturerbes stellen



Mahnmal des Völkermords an Armeniern 1915 in der Türkei. Bikfaya, Libanon. Bild: Ashnag, flickr.com


Frankfurt am Main (23. April 2009) - Mit Blick auf den 24. April 2009, der von armenischen Christen in aller Welt als Gedenktag für den Völkermord an den Armeniern begangen wird, fordert die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) die rechtliche Gleichstellung aller Christen in der Türkei, einen Ort des Gedenkens für die Opfer des Genozids an den Armeniern sowie die Anerkennung der syrisch-orthodoxen Christen als nichtmuslimische Minderheit in der heutigen Türkei. Die IGFM regt an, die wegen der permanenten Unterdrückung vom Aussterben bedrohte aramäische Sprache unter den Schutz des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO zu stellen und die Lehre dieser Sprache zu fördern. Von Akzeptanz von Multikulturalität und Gerechtigkeit als Grundlage jeder EU-Mitgliedschaft sei die Türkei noch weit entfernt, so die IGFM.

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte 1996, damals noch Istanbuler Oberbürgermeister, die Gebeine des für den Völkermord an den Armeniern verantwortlichen Kriegsministers Enver Pascha in den Istanbuler Stadtteil Sisli überführen lassen, wo Enver Paschas Grabmal ein Teil des Freiheits-Denkmals Abide-i Hürriyet für die jungtürkische Revolution von 1908 bildet. "Wenn schon dem Völkermord-Agitator mitten in der Türkei ein Denkmal gesetzt wird, sind die Forderungen armenischer Verbände nach einem eigenen zentralen Denkmal für die über eine Million Opfer der Armenier und anderer Christen mehr als gerecht", so der IGFM-Experte Walter Flick. "Christen in der Türkei haben ein Recht auf ihre unverkürzte Geschichte."

Angesichts ihrer existentiellen Bedrohung fordert die IGFM darüber hinaus die Anerkennung der syrisch-orthodoxen Christen im Sinne des Lausanner Vertrages von 1923 als rechtlich gesicherte Minderheit in der Türkei. Bis heute werden die syrisch-orthodoxen Christen bei der Gleichstellung von nichtmuslimischen Minderheiten konsequent übergangen. Das sei gerade jetzt überfällig, so die IGFM, wo mittels einer Klagewelle Jahrhunderte alte Besitzrechte infrage gestellt würden. In mehreren Prozessen, angestiftet von drei Nachbargemeinden und unterstützt durch einflussreiche Feudalherren aus der Region, geht es um den Landbesitz des Klosters Mar Gabriel (Südost-Türkei). In der jüngsten Gerichtsverhandlung am 22. April 2009 erhob das Dorf Qartmin (Yayvantepe) Zusatzklage auf Besitz des Klostergebäudes. Die aramäische Sprache, nach neuesten Angaben der UNESCO in der Türkei vom Aussterben bedroht, muss nach Meinung der IGFM als die Sprache Jesu Christi ins Weltkulturerbe aufgenommen werden. Gerade jetzt seien Schulen und Ausbildungsstätten der Aramäer offiziell anzuerkennen und ebenso wie muslimische Schulen zu fördern. Ministerpräsident Erdogan solle endlich dem Grundsatz Mustafa Kemal Atatürk folgen: "Das Recht ist das Fundament des Staates".

Die IGFM unterstützt die Demonstration der Initiative Mor Gabriel, u. a. organisiert von der Föderation der Aramäer in Deutschland e.V. und vom Zentralrat der Armenier in Deutschland e.V., die am 25. April 2009 in Köln stattfindet.

 






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