|
IGFM: Trotz internationaler Aufmerksamkeit nehmen die Menschenrechtsverletzungen der VR China in Tibet zu
 Walza Norzin Wangmo: 5 Jahre Haft für die Tibeterin wegen Lageberichte fürs Ausland. Bild: phayul.com
Lhasa - Frankfurt am Main (16. Dezember 2008) - Seit dem Ausbruch der Unruhen in Tibet am 10. März verschlimmert sich die Lage der Bevölkerung auf dem Hochplateau zunehmend. Selbst die bis dahin vorhandenen spärlichen Freiräume werden durch die Pekinger Zentralregierung systematisch vernichtet, so die Bilanz der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Demonstranten wurden festgenommen, verurteilt oder sogar getötet, die Religionsfreiheit wurde noch weiter eingeschränkt und muss zunehmend der "patriotischen Umerziehung" weichen. Die über Tibet verhängte Nachrichtensperre bleibt aufrechterhalten. Korrespondenten tibetischer Herkunft werden zunehmend aus den Redaktionen entfernt, einige aus fadenscheinigen Gründen eingesperrt, kritisiert die IGFM.
In den vergangenen elf Monaten wurden in Tibet die Grundrechte der Bevölkerung noch weiter ausgehöhlt und ein umfassendes System einer totalen Überwachung gefestigt, berichtet die in Frankfurt am Main ansässige IGFM. Seit Ausbruch der Unruhen am 10. März wurden über 120 Tibeter getötet, 6500 willkürlich verhaftet, mindestens Hundert nach Festnahme bzw. Verschleppung gelten als vermisst, mindestens 165 wurden in Geheimverfahren und ohne Rechtsbeistand zu hohen Haftstrafen verurteilt.
Frau Walza Norzin Wangmo (30 Jahre), ein tibetisches Mitglied der kommunistischen Partei, wurde unlängst zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sie wird beschuldigt, per Telefon und Internet Informationen über die Situation Tibets ins Ausland geleitet zu haben. Die tibetische Schriftstellerin Tsering Woeser (42 Jahre) riskiert ihr Leben, um die wahre Geschichte Tibets in ihren Gedichten, Aufsätzen und Blogs zu erzählen. Ihr Buch "Notes on Tibet", in dem sie die Verehrung des Dalai Lama durch die Tibeter beschrieb, ist in China verboten. Während der Unruhen im März 2008, der Olympischen Sommerspiele und des ASEAN-Gipfel stand Frau Woeser unter Hausarrest. Sie darf China nicht verlassen, ihr Antrag auf einen Reisepass ist seit 2005 "in Bearbeitung". Seit dem 31. Oktober befindet sich der 81jährige tibetische Buchdrucker aus Lhasa, Paljor Norbu, in Haft. Er wird angeklagt, Schriften für die Proteste vom 10. März hergestellt zu haben. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Gefängnis. Schicksale, die für Tausende stehen.
Seit April verstärkte die kommunistische Partei Chinas in Peking ihre Kampagne der "patriotischen Umerziehung", bei der Tibeter einer regelrechten Gehirnwäsche ausgesetzt werden. "Ein ganzes Volk soll damit seiner Identität beraubt werden. Die Tibeter sollen sich von ihrem geistigen Oberhaupt, dem Dalai Lama, los sagen und der kommunistischen Partei Loyalität schwören. Hunderte tibetische Klöster wurden gesäubert oder unter permanente Überwachung durch Polizei und Sicherheitsdienst gestellt, womit die Religionsfreiheit drastisch eingeschränkt wurde", so die IGFM. Die seit Frühling 2008 über Tibet verhängte Nachrichtensperre für ausländische Journalisten bleibt aufrechterhalten, nur selten und nur verdeckt gelingt es einigen von ihnen, nach Tibet vorzudringen.
Sie auch: www.igfm-muenchen.de
|